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Segeberg Salzrausch: Wettlauf um die Abbaurechte
Lokales Segeberg Salzrausch: Wettlauf um die Abbaurechte
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11:56 26.04.2019
Wettlauf um die Abbaurechte: Die Dreiecke markieren die neun Bohrlöcher des Grafen Rantzau, des Ahlmann-Konsortiums und des späteren Segeberger Konsortiums. Quelle: Kalkberg-Archiv
Bad Segeberg

Es ist wahrlich ein Schatz, der für die Stadt Bad Segeberg aufgetaucht ist: Eine Mappe mit Schriften und Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert. Darin befinden sich Dokumente, Belege und rund hundert Briefe. Es lässt sich genau rekonstruieren, wie sich der Abbau von Salz in Bad Segeberg um 1870 zugetragen hat. „Nur die wenigsten wissen, wie intensiv hier gebohrt wurde“, sagt Stadthistoriker Peter Zastrow.

Die Mappe enthält rund 100 Briefe von Dr. Buttel an das Ahlmann-Konsortium. Quelle: Irene Burow
Burckhard Saldsieder aus Bad Segeberg fand die Schriftenmappe auf einem Flohmarkt in Hamburg. Quelle: Irene Burow

Gefunden hat die Mappe Burckhard Saldsieder. Der historisch interessierte Bad Segeberger flanierte mit seiner Tochter vor zwei Jahren über einen Flohmarkt in Hamburg. „Sie hatte mich dazu überreden müssen“, schmunzelt er. Er konnte ja nicht ahnen, was für eine Entdeckung er an dem Tag machen würde.

„Ich hatte nie davon gehört“, sagt er. Noch an Ort und Stelle hat er die Mappe gekauft. Weil die Stadt sich die Übernahme nicht leisten konnte, kam man mit Kunsthistoriker Jürgen Ostwald ins Gespräch. Der ist beruflich für die Fielmann AG damit beauftragt, Kunst zu erwerben, um kleine Museen und Archive zu unterstützen.

„Wertvoller Schatz vergangener Zeiten“

So auch diesmal: Nun ist die Schatulle im Wert von mehreren hundert Euro an die Stadt übergeben worden. „Es ist ein wertvoller Schatz vergangener Zeiten“, sagt Bürgermeister Dieter Schönfeld. Er staunt über die Tinte, die noch immer gut lesbar ist. „So giftig sie auch war, sie hat bis heute überdauert.“

Steuerzettel, Stadtbescheide, Quittungen liegen in der Sammlung. Quelle: Irene Burow

Ein Glücksgriff. Dass in Bad Segeberg einst Salz gefunden wurde, ist zwar nichts Neues. „Wir wissen jetzt aber, wie das genau ablief“, sagt Peter Zastrow. Zu verdanken ist das dem ehemaligen Seminarlehrer Dr. Paul Buttel, der zwischen 1872 und 1874 von Bad Segeberg aus akribisch Buch führte, um den Bankier sowie Gründer der Kieler Zeitung, Dr. Wilhelm Hans Ahlmann, in Kiel zu unterrichten.

Auslöser war der Salzfund unter dem Kalkberg im Jahr 1869. Der erste Schacht lief 1871 voll Wasser. Daher gründeten einige finanzkräftige Herren ein Bohr-Konsortium, um rund um den Segeberger See nach Salz zu bohren: das Ahlmann-Konsortium.

"Rechnung für ihr Segeberger Salzbohrungs-Konsortium" Quelle: Irene Burow

Segeberger im Freudentaumel

Doch von vorn: In der Nacht vom 14. zum 15. Januar 1869 wird in 149 Meter Tiefe tatsächlich Salz gefunden. Die Segeberger Bürger verfallen in einen Freudentaumel. Sie feiern. „Ganz Segeberg war vom Fieber erfasst“, sagt Peter Zastrow. Der Salzrausch beginnt. Der Fiskus will sich die Abbaurechte sichern. Man fragt sich: Gibt es noch mehr Salz? „Das weckte natürlich Begehrlichkeiten“, erklärt Zastrow.

Anfänge der Salz-Ära

Nach dem Salzfund des Bergkontrolleurs C. F. Magnus im Juni 1806 hatte die Rentkammer in Kopenhagen immer wieder Mittel bereitgestellt, durch Probebohrungen das Salzlager zu ergründen. So in den Jahren 1827 bis 1829 und 1847/48. Es wurde jedoch kein Salz gefunden, da man die Bohrungen zu früh abbrach.

Nach der Eingliederung der Herzogtümer Schleswig und Holstein in Preußen unternahm die preußische Verwaltung einen weiteren Versuch. Oberberghauptmann Krug von Nidda veranlasste 1867 eine Tiefenbohrung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte am 1. April 1868 mit der Bohrung begonnen werden. Als dann in der Nacht vom 14. zum 15. Januar 1869 in 149 Meter Tiefe tatsächlich Salz gefunden wurde, fielen die Segeberger Bürger in einen Freudentaumel.

Sie feierten mit Flaggenschmuck und Illumination. Sofort wurden von staatlicher Seite alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um die Abbaurechte zu sichern. So schloss man vorsorglich mit den Grundeigentümern rund 213 Verträge. Die Segeberger waren durchaus auf eigene Vorteile bedacht und sprachen sich in Bürgerversammlungen ab. Vor allem forderten sie die Einrichtung einer Bahnanbindung. Als am 1. April 1869 das preußische Berggesetz in Schleswig-Holstein eingeführt wurde, verloren alle Kontrakte ihre Gültigkeit. Es wurde festgelegt, dass Bodenschätze Eigentum des Staates sind.

1871 hat man innerhalb eines Jahres den ersten Schacht auf eine Tiefe von 87 Metern gebohrt. Im September bricht auf einmal Wasser ein. Alle Versuche, den Schacht leer zu pumpen, misslingen. Der Schacht füllt sich 64 Meter mit Wasser. Ein Fischsterben im Kleinen Segeberger See ist die Folge.

Die preußische Bergverwaltung sichert sich schnell das Gebiet östlich des Großen Segeberger Sees und beginnt bei Stipsdorf eine neue Bohrung. In 93 Metern stößt man erneut auf Steinsalz. Eine Ausbeutung dieses Fundes lohnt sich nicht. Doch der Wettlauf nimmt Fahrt auf.

Der Gutsbesitzer Graf Rantzau beginnt mit Unterstützern eine Bohrung östlich des Klüthsees. Und eine weitere Gruppierung steht in den Startlöchern: Der in Schleswig-Holstein in der Politik bekannte Bankkaufmann Dr. Wilhelm Ahlmann gründet mit Geldgebern aus Kiel, Berlin und Lübeck ein Konsortium. Dem Lehrer Dr. Paul Buttel vom Segeberger Seminar wird die Aufsicht über die Bohrungen übertragen.

Dokumente des Hoffens und Bangens

Der Seminarlehrer Theodor Heinrich Julius Paul Buttel. Quelle: Kalkberg Archiv

„Klammheimlich kauft Buttel 1872 für das Ahlmann-Konsortium Ländereien“, erzählt Peter Zastrow. Diese Verträge befinden sich in der gefundenen, umfangreichen Dokumentensammlung. Die Gebiete liegen zwischen den Bohrungen von Rantzau und denen des Fiskus’. Im Mai beginnen die Bohrungen – und damit auch die ausführliche Berichterstattung von Dr. Paul Buttel an das Ahlmann’sche Konsortium. Seine Briefe sind Dokumente des Hoffens und Bangens.

Denn: Wer zuerst unter Zeugen nachweisen kann auf Salz gestoßen zu sein, hat das Abbaurecht auf ganzer Strecke – das sogenannte Mutungsrecht. Im September erreicht das Konsortium 60 Meter Tiefe. Buttel wartet täglich auf Nachricht. Im Dezember stößt die Bohrung des Grafen Rantzau in 103 Meter Tiefe auf Salz. Er beantragt sofort das Mutungsrecht. Das Ahlmann’sche Konsortium ist geschlagen.

Doch es wird weiter gebohrt: Anfang Januar 1873 wird wieder Steinsalz gefunden, bei 107 Meter. Buttel beantragt ebenfalls das Mutungsrecht. Man bohrt bis 122 Meter, gibt schließlich aber auf. Ausgaben von 13 500 Reichstaler sind verloren. Eine Unmenge Geld: Umgerechnet 40 500 Mark. „Ein Dorfschullehrer erhielt 100 Mark im Monat, ein Pfund Butter kostete eine Mark, ein Liter Bier 24 Pfennig“, vergleicht Zastrow.

Dr. Paul Buttel führte akribisch Buch. Quelle: Irene Burow

Es bleibt bei Enttäuschungen

Graf Rantzau belässt es bei seinem Erfolg. Er verkauft sein Feld, angeblich für 500000 Reichstaler, an ein Hamburger Konsortium. In der Zwischenzeit bildet sich noch ein Segeberger Konsortium, das, wie Buttel schreibt, aus dem Landrat, Kaufmann Wittmaack und Hechler, Landmann Blehse und Dr. Hasselmann besteht. Ganz Segeberg ist vom Bohrfieber erfasst. Doch was bleibt, sind lediglich Enttäuschungen.

„Keines der neun Bohrlöcher brachte einen Erfolg“, sagt Bad Segebergs Stadthistoriker. „Es lohnte sich wirtschaftlich nicht.“ Dementsprechend ist nie Salz in Bad Segeberg gefördert worden. Der Fund des Salzlagers am Kalkberg bei schon 149 Meter Tiefe hatte die Unternehmer fasziniert. „Das Gerücht über den Fund von Rantzau und seinen angeblich teuren Verkauf mögen ein Übriges getan haben, um die Hoffnung der Spekulanten in den Jahren 1872 bis 1874 hoch zu halten.“

Grundstein für das Solbad Segeberg

Nach langen Verhandlungen beschließt die Bergverwaltung einen zweiten Schacht im Steinbruch – etwa 24 Meter entfernt vom ersten. Leistungsfähigere Dampfmaschinen werden beschafft, um den Wasserstand abzusenken. Im Mai 1876 geht es an die Arbeit, im März 1877 ist eine Tiefe von 116 Metern erreicht.

Wieder kommt es zum Wassereinbruch. Die Unmengen in den Großen See zu pumpen ist nicht möglich. Man hat aus dem Fischsterben gelernt. Das salzhaltige Wasser kann auch nicht als Speisewasser für die Dampfmaschinen genutzt werden. Wohlweislich hatte man aber ein Jahr vorher eine hölzerne Soleleitung verlegt. Es war der Beginn des Solbades Segeberg.

Jana Herrmann (Fielmann), Bürgermeister Dieter Schönfeld und Stadtarchivar Georg Asmussen (v.l.). Quelle: Irene Burow

Irene Burow

Die Impfpasskontrollen sind beendet – in Bad Segeberg hat es keine neuen Masernfälle gegeben. Nach den Osterferien wurden die Kontrollen nicht weitergeführt. Dennoch wollte der Fachdienst Gesundheit den Masernausbruch noch nicht für beendet erklären.

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