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Segeberg Sammelbox: Segeberger Tafel und Edeka Burmeister starten Pilotprojekt
Lokales Segeberg Sammelbox: Segeberger Tafel und Edeka Burmeister starten Pilotprojekt
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20:31 16.08.2019
Zehn Kilo Zucker sind die erste Spende: Bernd Jorkisch (Tafelstiftung), Cornelia Müller (Tafelstiftung), Hans-Joachim Wild (Segeberger Tafel) und Wolfgang Burmeister (Edeka, v. l.). Quelle: Heike Hiltrop
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Bad Segeberg

Das Prinzip ist ganz einfach und orientiert sich ein bisschen an der Adventsaktion „Ein Teil mehr im Korb“: Kunden nehmen beim Einkauf im Supermarkt etwas mehr mit, um es nach dem Bezahlen der Segeberger Tafel zu spenden. So kann die Tafel Bedürftigen, die bei ihr mit Lebensmitteln versorgt werden, auch besondere, länger haltbare Waren mitgeben, die sonst nur selten zu haben sind.

Idee kam sofort bei allen gut an

Die Tafelstiftung Schleswig-Holstein-Hamburg hatte die Idee, eine große, auffällige Sammelbox samt einem erklärenden, mannshohen Plakat dauerhaft aufzustellen. Die Segeberger Tafel war als Partner sofort mit von der Partie, und beide rannten bei Supermarkt-Chef Wolfgang Burmeister mit dem Vorschlag, ihn in seinem Edeka-Markt zu testen, offene Türen ein. „Ich unterstütze die Tafel, seit ich hier in Bad Segeberg lebe. Darum brauchte ich auch gar nicht lange zu überlegen“, sagte Burmeister bei der Präsentation des Pilotprojekts am Freitag. „Wir werden sehen, wie gut es von den Leuten angenommen wird“, ergänzte Segebergs Tafel-Vorsitzender Hans-Joachim Wild.

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Die Tafeln in Zahlen

61 Tafeln gibt es in Schleswig-Holstein und Hamburg, 942 waren es 2018 bundesweit

5000 Ehrenamtliche engagieren sich für sie in Schleswig-Holstein, schätzt der Landesverband

60 000 Aktive zählte der Bundesverband 2018, nach eigenen Angaben. 90 Prozent davon sind Ehrenamtler.

24 Millionen Arbeitsstunden investierten alle Aktiven 2018 bundesweit (Quelle: Tafel Deutschland).

264 000 Tonnen Lebensmittel wurden 2018 bundesweit von den Tafeln verteilt.

1,5 Millionen Bedürftige werden laut Tafel Deutschland so bundesweit unterstützt.

4 Tafeln gibt es im Kreis Segeberg: Kaltenkirchen, Bad Bramstedt (mit einer weiteren Ausgabestelle in Großenaspe), Norderstedt (die Ausgabe ist vier Tage die Woche geöffnet) und Bad Segeberg (mit Ausgabestelle auch in Wahlstedt).

5000 Männer, Frauen und Kinder erreicht allein im Kreis Segeberg die Hilfe der Tafeln. Diese Zahl ist der Durchschnitt, denn es wird immer nur eine Ausgabekarte pro Haushalt vergeben, hinter dem mindestens eine aber mitunter auch fünf oder noch mehr Personen stehen.

Spendenaktion für mehr Sammelboxen gestartet

Bernd Jorkisch, Vorsitzender der Tafelstiftung, ist vom Gelingen überzeugt. „Wenn das gut funktioniert, dann planen wir, jeder Tafel in Schleswig-Holstein und Hamburg eine solche Sammelbox anzubieten.“ Die Stiftung sei bereit, dafür rund 20 000 Euro zu investieren. Jorkisch: „Wir haben dazu eine Spendenaktion gestartet.“

Nach Testbetrieb folgt Evaluation

Der Prototyp inklusive Beschriftung und Infotafel hat gut 500 Euro gekostet. Nach einer gewissen Zeit solle das Projekt ausgewertet werden. Wild: „Vielleicht so nach zwei Monaten. Bei der Evaluation müssen wir gucken, wie viel und was gespendet wird und ob die Abläufe gut funktionieren.“ Vorgesehen ist es, dass die Tafel-Fahrer immer dienstags und donnerstags auch die Sammelbox leeren. Und auch, ob dadurch die erfolgreiche Aktion „Ein Teil mehr im Korb“ in der Vorweihnachtszeit geschwächt werde, müsse der Testbetrieb in Bad Segeberg zeigen.

Das soll in die Sammelbox

Von frischen Lebensmitteln, die vor der Abholung verderben könnten, und solchen, die kühl gelagert werden müssten, sollten Spender absehen, rät Bad Segebergs Tafel-Vorsitzender Hans-Joachim Wild. Mangel herrscht bei der Tafel dagegen vor allem an haltbaren Lebensmitteln: Zucker, Mehl, Speiseöl stehen dabei an oberster Stelle. Aber auch Nudeln, Reis, Kaffee und Tee sind stark nachgefragt und eher selten im Regal des Lades ohne Kasse. Das Gleiche gilt für Lebensmittelkonserven.

Akteure sind vom Erfolg überzeugt

„Warum nur einmal im Jahr ein Teil mehr mitnehmen, warum nicht jeden Tag helfen? Ich finde die Sache sehr gut“, sagte Burmeister, der an den Erfolg glaubt und gleichzeitig mit zehn Kilogramm Zucker der erste Spender war. „Wenn es den gewünschten Erfolg bringt, werde ich wohl nicht mehr der einzige mit so einer Box sein.“ Burmeister ist sich sicher, dass viele seiner Mitbewerber sich einklinken werden. Aber wohl nicht alle, glaubt Sabine Baumbach von der Tafel in Bad Bramstedt: „Wir haben zum Beispiel weder die Lagermöglichkeiten noch die Supermärkte dafür.“

Idee läuft anderswo sehr gut

Was in Schleswig-Holstein gerade mit dem Versuchsballon in Christiansfelde beginnt, ist anderswo schon gängige Praxis. Bei der Freiburger Tafel etwa. Hier stehen die Sammelboxen für Lebensmittel mal als Aktion, mal dauerhaft bei allen Supermärkten und Discountern. „Zwei Einkaufswagen voller Lebensmittel kommen täglich innerhalb kürzester Zeit zusammen, in der Weihnachtszeit das Sechsfache“, weiß Tanja Ernst, die Mitglied der dortigen Tafel ist und ursprünglich aus Bad Segeberg stammt. „Ich wünsche Segeberg und Schleswig-Holstein den gleichen Erfolg, wie wir ihn hier haben“, drückt sie dem Pilotprojekt die Daumen.

 

Die Segeberger Tafel besteht seit über 20 Jahren. Jetzt ist sie Partner für ein neues Sammelprojekt.

Von Heike Hiltrop

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