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Segeberg Schackendorf: Zwölf Jahre Haft für Volker L. wegen Totschlags
Lokales Segeberg Schackendorf: Zwölf Jahre Haft für Volker L. wegen Totschlags
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21:13 26.02.2019
Der Angeklagte (48) stand vor Gericht, weil er seine Ehefrau totgeschlagen hat. Das Landgericht Kiel hat ihn zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Quelle: Carsten Rehder/ dpa
Kiel/Schackendorf

Der Angeklagte blieb sich auch während der knapp drei Stunden dauernden Urteilsverlesung treu. Den Kopf auf die rechte Hand gestützt, das Gesicht konsequent von den Zuschauern abgewandt, verfolgte Volker L. augenscheinlich emotionslos, wie der Vorsitzende Richter Jörg Brommann das Bollwerk seiner Verteidigung Stück für Stück auseinandernahm. Nur mit seinem Verteidiger Jörn Hennig, der während der Ausführungen des Richters immer wieder demonstrativ den Kopf schüttelte oder sarkastisch lächelte, wechselte L. bisweilen ein paar geflüsterte Worte.

„Ich habe meine Frau nicht umgebracht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, waren die einzigen Worte des Angeklagten in dem 15 Tage dauernden Prozess, bevor sich die Schwurgerichtskammer zu ihren zehntägigen Urteilsberatungen zurückzog.

Wie so vieles, was Volker L. vor und nach der Tat gegenüber Zeugen und Polizeibeamten gesagt hatte, hielt die Kammer auch diese Aussage für eine Lüge. „Der Angeklagte ist ein hoch manipulativer Mensch, dessen Leben von Unwahrheiten durchzogen ist“, es handele sich bei ihm um einen „notorischen Lügner“, erklärte Brommann. Als seine Frau Nadine L. und er wegen Mietschulden die Wohnung zu verlieren drohten, täuschte er sie mit einem gefälschten Vertrag für eine neue Bleibe; als er ohne ihr Wissen den geliebten Hund „Molly“ seiner verkaufte, versuchte er aufwendig einen Unfalltod des Hundes zu inszenieren, führte der Richter zwei Beispiele an.

Die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Jörg Bromann (2. v. l.) Quelle: Oliver Vogt

So seien auch sein Versuche, von seiner Schuld für den Tod seiner Frau abzulenken, aus Sicht des Gerichts nur Inszenierung gewesen. Er sei zwar auf der angeblichen Suche nach ihr in der Gegend herumgefahren, ohne dass einige seiner Ziele tatsächlich einen Sinn bei der Suche ergeben hätten. So war er unter anderem bei der Arbeitsstelle seiner Frau in Rickling vorbeigefahren. „Er hat dort aber nicht angehalten, um sich zu vergewissern, ob sie tatsächlich dort ist. Welchen Sinn hätte das ergeben“, fragte der Richter. Den Tatort habe er erst am Morgen angesteuert, nachdem er mit einem Nachbarn aus Schackendorf für eine Begleitung gesorgt hatte. Beim Auffinden der Leiche soll L. dem Nachbarn zufolge zwar in Tränen aufgelöst gewesen sein. Dies bezeichnete Brommann jedoch als „Theatralik“. Auch das Umarmen des Leichnams seiner Frau habe L. aller Wahrscheinlichkeit nach vor allem getan, um später gegenüber der Polizei eventuelle Blutanhaftungen an seiner Kleidung oder am Fahrzeug erklären zu können.

Tatsächlich hatte die Spurensicherung aber mindestens zwei Blutspuren am Auto von Volker L. gefunden, die nicht erst während des Auffindens der Leiche, sondern bereits früher dorthin gelangt sein mussten. Weiter verdächtig machte sich Volker L., indem er verschiedenen Zeugen, denen er bei der vorgeblichen Suche nach Frau begegnete, verschiedene Versionen davon auftischte, warum er sich während des gemeinsamen Spaziergangs von seiner Frau getrennt hatte, und warum der Hund, den Nadine L. angeblich habe suchen wollen, weggelaufen war. „Er hat selbst den Überblick über seine Konstruktionen verloren“, so der Richter.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass L. seine Frau zunächst mit einem abgebrochenen Zaunpfahl niederschlug und der Wehrlosen anschließend das Gesicht zertrümmerte. Dabei habe der 48-Jährige eindeutig mit einem „Vernichtungswillen“ gehandelt. Anschließend, so das Gericht weiter, habe L. den Unterkörper seiner Frau entkleidet, um ein Sexualverbrechen vorzutäuschen, das es aber dem Gutachten der Rechtsmedizin zufolge definitiv nicht gegeben hat. „So eine Vorgehensweise würde für einen außenstehenden Täter überhaupt keinen Sinn ergeben“, erklärte der Vorsitzende. „So etwas würde nur ein dem Opfer nahestehender Täter tun, um die Schuld von sich abzulenken.“

Der Angeklagte habe sowohl die Gelegenheit gehabt, diese Tat zu begehen, sei körperlich dazu in der Lage gewesen – und habe auch ein Motiv gehabt. Nachdem die Spannungen zwischen ihm und seiner Frau zuletzt immer wieder eskalierten, Nadine L. ihn sexuell zurückgewiesen und die Scheidung nebst Entzug des Sorgerechts für den gemeinsamen Sohn angekündigt hatte, habe dem Angeklagten ein „familiärer Trümmerhaufen“ gedroht. Die Fahrt in den Harz, von dem das Paar am Tag der Tat zurückgekehrt war, sei als letzter verzweifelter Versuch zu werten, die Ehe zu retten. „Ein Versuch, der jedoch grandios gescheitert ist“, sagte der Richter.

Auch wenn es für die Kammer keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten gibt, sehe es – anders als Staatsanwältin Hanna Schmücker-Borgwardt zuvor in ihrem Plädoyer – keine ausreichenden Beweise, um Volker L. wegen Mordes zu verurteilen. Das Mordmerkmal der „niederen Beweggründe“ sei aus Sicht der Kammer nicht erfüllt, da eine Furcht vor dem Verlust von Frau und Kind kein „niederes“ Motiv sei. Zwar hatte sich Volker L. einem Dritten gegenüber schon einmal sinngemäß so geäußert, dass wenn er seine Frau nicht haben könne, sie „niemand haben dürfe“. Diese Aussage lasse sich aber nicht in direkten Zusammenhang mit der Tat stellen. Für das Mordmerkmal der Heimtücke gebe es ebenfalls nicht genügend Belege. Es können nicht festgestellt werden, wie die Tat im Einzelnen abgelaufen ist, ob Nadine L. die tödlichen Schläge kommen sah oder arglos von hinten überwältigt wurde. Daher habe Volker L. nur wegen Totschlags verurteilt werden können. Da er nicht einschlägig vorbestraft war, blieb das Gericht mit dem Strafmaß von zwölf Jahren unter der möglichen Höchststrafe von 15 Jahren.

Die Mutter von Nadine L., die in dem Prozess als Nebenklägerin aufgetreten war, sprach nach dem Schuldspruch von einem „gerechten Urteil“. Verteidiger Dr. Jörn Hennig, der zuvor Freispruch gefordert hatte, kündigte dagegen an, Revision einzulegen. Er kritisierte die „einseitige Beweiswürdigung“, die zu einem „schwerwiegenden Fehlurteil“ geführt habe.

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