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Segeberg „Ich habe meine Frau nicht umgebracht“
Lokales Segeberg „Ich habe meine Frau nicht umgebracht“
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18:55 15.02.2019
Der Angeklagte Volker L. (r.) neben seinem Strafverteidiger, Rechtsanwalt Dr. Jonas Hennig aus Lüneburg. Quelle: dpa
Kiel/Schackendorf

14 lange Verhandlungstage hat es gedauert, bevor der unter Mordanklage stehende Volker L. das erste Mal sein Schweigen gebrochen hat. In seinem „letzten Wort“, welches die Strafprozessordnung jedem Angeklagten vor der Urteilsberatung einräumt, beließ L. es jedoch bei zwei kurzen Sätzen. „Ich habe meine Frau nicht umgebracht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Sein Verteidiger, der Lüneburger Rechtsanwalt Dr. Jonas Hennig, hatte zuvor in seinem Schlusswort deutlich weiter ausgeholt. In gut zweistündiger Rede legte er dar, warum Volker L. nicht für das Verbrechen, das Nadine L. widerfahren war, verurteilt werden könne. Wie schon zuvor während der Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage blieb auch bei Hennigs Verteidigungsrede die Öffentlichkeit ausgeschlossen (siehe Infokasten). Gerichtssprecherin Rebekka Kleine zufolge habe Hennig Freispruch für seinen Mandaten und eine umgehende Entlassung aus der Untersuchungshaft gefordert. Aus Sicht des Anwalts reiche die Beweiskraft der von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Indizien in keinem Fall für einen Schuldspruch aus.

Wie Hennig bereits während der Beweisaufnahme immer wieder deutlich machte, gebe es zum Beispiel keinerlei Belege dafür, die die Tatwaffe, ein Zaunpfahl aus recyceltem Altplastik, mit seinem Mandaten in Verbindung brächten. Verwertbare DNA-Spuren oder Fingerabdrücke wurden darauf nicht gefunden. Die einzige tatsächlich auswertbare genetische Spur, die an einem Isolator des Pfahls haftete, gehört dem polizeibekannten Polen Bartosz G. Allerdings hatten weder Gericht noch Anklagevertretung dieser Spur bisher viel Bedeutung beigemessen, da die DNA des Polen wahrscheinlich schon lange vor der Tat dort hingekommen war. Ansonsten ergab sich kein Hinweis darauf, dass G. während der Tat auch nur in der Nähe war, geschweige denn ein Motiv gehabt hätte.

Beides trifft jedoch auf Volker L. zu. Mehrere Zeugen, darunter der Sporttrainer des Opfers, Arbeitskolleginnen und Nachbarn hatten vor Gericht immer wieder über die zerrüttete Ehe des Paares und akute Scheidungspläne berichtet, mit denen sich die Mutter des gemeinsamen Sohnes (4) getragen habe. Diese Zeugen schilderten zudem die sich ins krankhafte steigernde Eifersucht des Angeklagten, der Nadine L. mit Kontrollanrufen auf ihrer Arbeitsstelle terrorisiert habe. Ebenso war von lauten Streitereien die Rede, die in mindestens einem Fall sogar in körperliche Gewalt gemündet seien. Gerichtssprecherin Kleine zufolge habe Hennig in seinem Plädoyer am Freitag allerdings die Glaubwürdigkeit einiger dieser „Umgebungszeugen“ angezweifelt. Welche Gründe der Anwalt dafür anführte, wurde wegen des Ausschlusses der Öffentlichkeit am Freitag nicht bekannt.

Hennig hatte während der Beweisaufnahme immer wieder auch die Polizei scharf kritisiert, die sich aus seiner Sicht schon früh auf den 48-Jährigen als einzigen Verdächtigen festgelegt und andere Möglichkeiten gar nicht mehr in Betracht gezogen habe. Dabei, so argumentiert Hennig, müsse es erhebliche Zweifel daran geben, dass ein von Krankheit gezeichneter Mann wie Volker L. physisch überhaupt in der Lage gewesen wäre, so massive Schläge gegen die fitte und in Kampfsport bewanderte Nadine L. auszuführen. Die elektronische Auswertung eines implantierten Defibrilators, den der Angeklagte tragen muss, lassen für die Tatzeit auch keine erhöhten körperlichen Anstrengungen erkennen.

Trotz Kenntnis dieser Umstände gilt für Staatsanwältin Hanna Schmücker-Borgwardt sowie den juristischen Beistand der als Nebenklägerin auftretenden Mutter des Opfers, Rechtsanwalt Oliver Jürgens, die Schuld von Volker L. als erwiesen. Sie hatten zuvor in ihren Schlussworten eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Während eines gemeinsamen Spaziergangs habe L. seine wahrscheinlich arglose Frau zunächst mit einem Hieb von hinten auf den Kopf außer Gefecht gesetzt und ihr dann mit weiteren Schlägen den Schädel zertrümmert, so ihre Auffassung. Anschließend habe L. ihr mit einem – bis heute nicht gefundenem – „scharfen Gegenstand“ den Hals aufgeschlitzt. Zur Verdeckung seiner Tat habe er der 34-Jährigen dann den Unterleib entkleidet, um eine Sexualstraftat vorzutäuschen.

Ob auch die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Jörg Brommann diese Interpretation teilt, wird sich bei der – öffentlichen – Urteilsverkündung am 26. Februar zeigen. Wegen der Komplexität des Verfahrens und der Vielzahl der Indizien, die bei dem Verfahren eine Rolle spielen, rechnet Gerichtssprecherin Kleine „mit einem der längsten Urteilsbegründungen, die wir hier je hatten“.

Oliver Vogt

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