Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Wenn der „Cotton Eye Joe“ am Kalkberg rockt
Lokales Segeberg Wenn der „Cotton Eye Joe“ am Kalkberg rockt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:17 07.05.2018
Das schwedische Bandprojekt „Rednex“ hatte nicht nur die passende Musik, sondern auch das zum Kalkberg passende Outfit im Gepäck. Quelle: Fotos: Petra Dreu
Bad Segeberg

Schlagerfans sind einfach kurios: Da reißen gesetztere Herrschaften mit schlohweißen Haaren, Baströckchen und quietschgelben Krawatten voller Begeisterung die Arme hoch, schunkeln und singen voller Inbrunst mit. Neben ihnen stehen Teenager, die nicht etwa peinlich berührt vom Outfit derjenigen sind, die ihre Großeltern sein könnten, sondern die ebenfalls begeistert bei „Skandal im Sperrbezirk“, „Johnny Blue“ oder „Cotton Eye Joe“ einstimmen. Bei der Schlagernacht am Kalkberg mit ihren 9500 Besuchern alles ganz normal.

Bad Segeberg Das Wetter spielte mit, für den Rest sorgten die Fans und natürlich die mehr oder weniger in die Jahre gekommenen Schlagerbarden: In der nahezu ausverkauften Kalkberg-Arena in Bad Segeberg stellten sie vier Stunden lang unter Beweis, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören.

Das nächste Konzert

Savas & Sido: Die beiden Rapper sind am Freitag, 11. Mai, ab 20 Uhr in der Kalkberg-Arena zu Gast. Tickets für dieses Konzert gibt es noch zum Preis von 49,75 Euro u. a. in der LN/Basses-Blatt-Geschäftsstelle, Kurhausstraße 14, in Bad Segeberg, Telefon 04551/99000.

Nach „Die Junx“ und der „Spider Murphy Gang“ war es Lena Valaitis, die vor allem die älteren Schlager-Liebhaber in eine Zeit zurückführte, als die Gelenke noch schmerzfrei waren und das ganze Leben noch vor ihnen lag. Ihr Alter aber merkten die Zuschauer der gertenschlanken Sängerin nicht an, die immerhin bereits 74 ist und seit knapp 50 Jahren auf der Bühne steht.

Keine Band des Abends jedoch passte so gut zum Kalkberg mit seinen Karl-May-Spielen, wie das schwedische Bandprojekt „Rednex“, das sich mit „Cotton Eye Joe“ und „The Spirit of the Hawk“ musikalische Denkmäler setzen konnte. Mit Dreadlocks fast bis zum Boden, fantasievollen Kostümen und jeder Menge Adrenalin im Blut gehörten die skandinavischen Musiker sicherlich zu den bewegungsfreudigsten Akteuren des Abends. Da reichte lediglich die „Münchener Freiheit“ mit Leadsänger Tim Wilhelm heran, der schließlich rund 20 Jahre jünger als der Rest der Band ist.

Zu den erzählfreudigsten Künstlern gehörte dagegen Nicole, die auch 36 Jahre nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest immer noch gerührt ist von dem Erfolg und in Erinnerungen schwelgte. Das Publikum allerdings interessierte sich nicht besonders für die Sensation, dass das Mädchen mit der weißen Gitarre seinerzeit zwölf Punkte aus Israel bekommen hatte – was die Sängerin aber nicht bemerkte, sondern weitererzählte. Und Nic P. sparte nicht mit Eigenlob, als er „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ das Lied, „das ein Jahrhundertsong wurde“ ankündigte. Die nur 1,50 Meter kleine Sängerin Michelle zog schon nach wenigen Takten ihre High Heels aus, sang und hüpfte barfuß weiter und holte zum Schluss auch noch Moderator Julian David als Gesangspartner auf die Bühne. Die gehörte zum Schluss dem „bald coolsten Opa der Welt“, wie Moderator Julian David den 72-jährigen Howard Carpendale ankündigte. Er stimmte im schwarzen Anzug mit vier Backgroundsängern zusammen „Hello Again“

an und erzählte davon, wie oft er schon in Bad Segeberg war,um seinen Sohn Wayne live bei den Karl-May-Spielen erleben zu können.

 Petra Dreu