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18:42 08.02.2019
Nina Swoboda ist eine Klima-Demonstrantin der allerersten Stunde. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

 An den Polkappen schmilzt das Eis, Hitzewellen in Australien – die Zukunft der Jugend ist ungewiss, und das Kieler Bildungsministerium „zieht die Daumenschrauben an“. Das hat aber gegenteilige Effekte. Bei der Freitags-Demo für den Klimaschutz auf dem Bad Segeberger Marktplatz gab es doppelt so viele Demonstranten wie in der Vorwoche. Gerade die Androhung von Sanktionen habe die Schüler mobilisiert, war überall zu hören.

Ende Januar soll aus dem Ministerium ein Schreiben an die Schulen gegangen sein, indem mitgeteilt wurde, dass die Teilnahme an Demos während der Unterrichtszeit unentschuldigtem Fehlen gleichkomme. Das müsse an Schulen erfasst werden. Im Wiederholungsfall würde das auch Maßnahmen nach Paragraf 25 des Schulgesetzes nach sich ziehen. Dabei geht es um „pädagogische Maßnahmen“, im milden Fall drohen „Missbilligungen“.

Schulleiter Frank Ulrich Bähr hat Mitte der Woche im Städtischen Gymnasium alle Oberstufenschüler darauf hingewiesen, dass Fachstunden, die Demo bedingt am Freitag versäumt werden und die immer nur freitags auf dem Stundenplan stehen, bei häufiger, nicht entschuldbarer Abwesenheit „mit null Punkten“ – vergleichbar Note Sechs – bewertet werden. Das gelte nicht nur für den Abi-Jahrgang, sondern für die gesamte Oberstufe, stellt Schulleiter Bähr auf LN-Nachfrage klar. Das könne sich später in der Abi-Zensur widerspiegeln. Bähr: „Wenn jemand selbst verschuldet fehlt, dem dann eine Brücke zu bauen, wäre zu viel des Guten.“

Tatsächlich berichteten den LN aber auch Schüler, dass einige Lehrer inzwischen darauf verzichteten, Jugendliche, die sich außerschulisch für Klimaschutz einsetzen, als fehlend einzutragen. Bähr selbst findet es übrigens „toll“, dass sich Schüler für ihre Zukunft einsetzten und protestierten, wenn „etwas in der Politik schiefläuft“. Er stehe da „als gespaltene Persönlichkeit“. Da sei der Mensch Frank Ulrich Bähr, der Respekt vor der Haltung der Schüler empfinde, und da sei der Schulleiter, „der weisungsgebunden Dinge weitergeben muss“, die das Ministerium ihm auftrage. Ministerin Karin Prien habe empfohlen, das Thema Klimaschutz im Unterricht zu behandeln, zum Beispiel als Podiumsdiskussion oder mit Aktionstagen. Bähr schlägt auch vor, dass zum Beispiel die Stadtschülervertretung – „ab 13 Uhr“ – eine Demo in Bad Segeberg ansetzen könnte.

Doch vorerst wird hier morgens protestiert. „Die Kinder werden mutiger“, meint auch Mutter Dominque Swoboda, die die Demonstration angemeldet hat. Ein friedlicher Protest mit Megafon, Liedern und Transparenten. Sie selbst fühle sich als Erwachsene hier wie „ein Dinosaurier“, sagt sie schmunzelnd. „Warum schließen sich der Aktion „Fridays for Future“ nicht mehr Eltern und Großeltern an“, fragt auch ihre 15-jährige Tochter Nina.

Unbehagen ist schon da, aber die 17-jährige Levke ist sich sicher, dass die Schulleitung sie „jetzt kurz vor dem Abi nicht von der Schule schmeißt“. Trotzdem werden von vielen Schülern Konsequenzen für Zeugnisnoten befürchtet. „Aber was sollen wir lernen, wenn wir keine Zukunft haben“, heißt es unisono von den Streikenden. Demonstrantin der allerersten Stunde ist Nina von der Gemeinschaftsschule am Seminarweg. Bislang konnte sie sich noch beurlauben lassen für die Demos, aber jetzt, da Kiel den Ton verschärft, geht auch das nicht mehr. „Mein Schulleiter steht hinter mir“, sagt das Mädchen. Als sie erstmals am 7. Dezember vor dem Marktbrunnen mit ihrem Bruder einsam für den Klimaschutz demonstrierte, war von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg noch kaum die Rede. Als sich in Bad Segeberg ihr niemand anschloss, stellte sich Nina erst allein vor das Landeshaus, plötzlich waren es 500 Leute. Übrigens: Nina selbst hat noch keinen Leistungseinbruch erlebt, seit sie auf den Freitagsunterricht verzichtet. „Beste Noten“, meint ihre Mutter zufrieden.   

Wolfgang Glombik

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