Schulzentrum Leezen: Lehrer machen den Corona-Schnelltest selbst
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Segeberg Abstrich unter Kollegen: Am Schulzentrum Leezen wird der Corona-Test selbst gemacht
Lokales Segeberg

Schulzentrum Leezen: Lehrer machen den Corona-Schnelltest selbst

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18:30 26.02.2021
Schulsozialarbeiterin Evelyn Kakkuri testet Lehrer Daniel Blank im Schulzentrum Leezen.
Schulsozialarbeiterin Evelyn Kakkuri testet Lehrer Daniel Blank im Schulzentrum Leezen. Quelle: 54° / Felix Koenig
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Leezen

Eben noch hatte sich Evelyn Kakkuri, Schulsozialarbeiterin an der Grund- und Gemeinschaftsschule Leezen, geärgert. Da hatte sie endlich eine Apotheke gefunden, die die Corona-Schnelltests an der Schule vornehmen wollte und kurz darauf brach sich ein Apotheken-Mitarbeiter ein Bein und alles wurde wieder abgesagt. Als sie dann Volker Eckstein von der Löwen-Apotheke in Bad Segeberg anrief, klagte sie ihm ihr Leid. „Am liebsten würde ich die Schnelltests einfach selber machen“, sagte sie. Ecksteins überraschende Antwort: „Das ist kein Problem.“ Schon war der Plan geboren, dass an der Schule in Leezen sich die Lehrer, Sozialarbeiter oder Reinigungskräfte einfach gegenseitig selber testen.

Zu wenig Apotheken für zu viele Schulen

Für den Apotheker hat das Projekt in Leezen Vorbildfunktion. „Wir haben zu wenig Apotheken für zu viele Schulen und Kindergärten. Deshalb ist es die beste Lösung, wenn wir als Apotheke das Personal so schulen, dass es die Tests selber machen kann. Wir stellen dann das Material zur Verfügung und beraten“, berichtet Volker Eckstein, als er am Freitagvormittag frische Schnelltests für die zweite Testrunde an der Schule vorbeibringt.

Fieber messen, Abstrich machen, Test auswerten.

Freiwillige fanden sich schnell

Die Tests woanders durchführen zu lassen, kam für die Schule nicht in Frage. „Das Prozedere ist schwierig, die Kollegen müssten dann entweder zwei Mal die Woche zum Arzt oder in die Apotheke, um sich dort testen zu lassen“, sagt Schulleiter Thomas Pachaly – und Kakkuri ergänzt: „Wir sind hier ja auf dem Land, da kommt man nicht auf dem Weg nach Hause an einem Testzentrum vorbei. Wenn wir wollen, dass möglichst viele mitmachen, müssen wir das hier in der Schule anbieten.“ Es war für Kakkuri auch nicht schwer, noch zwei Mitstreiter zu gewinnen, die mit ihr zusammen die Tests machen. „Nach zwei Minuten war das Team komplett“, sagt sie lachend. Zusammen mit der Koordinatorin der Offenen Ganztagsschule, Conny Reichert (56), und der studentischen Aushilfe Nina Samad (21) machte sie die Fortbildung, um die Kollegen testen zu können.

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Zweieinhalb Stunden Schulung

Rund zweieinhalb Stunden dauerte die Schulung bei der Löwen-Apotheke. „Vor allem haben wir geübt, wie wir den Nasenabstrich bei den Kollegen machen oder diese anleiten, dass sie ihn alleine machen, das geht auch“, berichtet Kakkuri. Das Vertrauen in die testenden Kollegen ist an der Schule groß, rund 80 Prozent aller Mitarbeiter würden sich testen lassen, schätzt Kakkuri. Bei einer ersten Runde wurden bereits 35 Tests vorgenommen, alle zum Glück negativ. Zwei Mal die Woche soll die freiwillige Testung in Zukunft an der Schule angeboten werden.

Die meisten Lehrer und andere Mitarbeiter haben die Möglichkeit genutzt, den Abstrich bei sich selber vorzunehmen. „Alle waren sehr tapfer, nur manchmal musste ich sagen, dass das Stäbchen etwas tiefer rein muss und am Ende gerne noch mal gedreht werden kann“, sagt die Sozialarbeiterin mit einem Augenzwinkern. Für alle, die Angst vor einem Nasenabstrich haben, hat der Apotheker noch einen guten Tipp. „Beim Einführen des Stäbchens einatmen, dann kommt man ganz ohne Widerstand rein und ist schnell die erforderlichen vier bis sechs Zentimeter drinnen.“ Mitmachen dürfen übrigens nur die Schulmitarbeiter, die keine Krankheitssymptome haben, denn sonst müssen sie ohnehin zu Hause bleiben. Bei den Tests geht es vor allem darum, diejenigen zu finden, die schon infiziert und ansteckend sind, ohne selbst Symptome zu haben.

Mitmachen ist selbstverständlich

Lehrer Daniel Blank geht an diesem Freitag mit gutem Beispiel voran und lässt sich als erstes testen. Es ist sein erster Nasenabstrich. „Puh, etwas unangenehm“, sagt er danach und ist froh, dass er den Abstrich nicht selbst gemacht hat. „Ich hätte sonst auf halben Wege aufgehört. Bei Evelyn weiß ich, dass sie nicht aufhört, wenn es für mich unangenehm wird“, sagt er scherzend. Er findet es toll, dass seine Schule ihm und seinen Kollegen dieses Angebot macht. Dass er daran teilnimmt, sei für ihn selbstverständlich. „Wenn ich mich privat nur mit einem Menschen treffen darf, hier in der Schule aber gefühlt mit hundert Haushalten zu tun habe, dann finde ich das wichtig“, sagt Blank. Währenddessen nimmt Schulleiter Pachaly auf dem Stuhl Platz und bringt den Nasenabstrich hinter sich. Ihm ist anzusehen, dass es ihm keine Freunde macht, aber als Schulleiter ist er Vorbild. „Wat mutt, dat mutt“, bringt Pachaly es auf den Punkt.

Von Sven Wehde