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Segeberg See-Verkauf an Gemeinde ist geplatzt
Lokales Segeberg See-Verkauf an Gemeinde ist geplatzt
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22:10 11.05.2017
Der idyllische Itzstedter See. Ein Privatmann aus dem Amtsbereich hat für sich und seine Familie jetzt den Traum vom eigenen See erfüllt. FOTOS*: PRIVAT/HIl/SD
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Itzstedt

Die Gemeinden, die eigentlich beschlossen hatten, das Natur-Areal zu erwerben, haben damit das Nachsehen. Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen.

Itzstedt und Nahe dürfen den Itzstedter See doch nicht kaufen. Das Land machte jetzt den Weg für einen privaten Interessenten frei.

Dass ein privater Käufer jetzt vorgezogen wird, liegt an einer Entscheidung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Da es sich beim Itzstedter See um ein Naturschutzgebiet handelt, hätte es ein Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen und auf die Gemeinden übertragen können. Davon hat die Behörde aber Abstand genommen, wie die LN erfuhren. Der Käufer hatte in einer Anhörung offenbar weitreichende Zugeständnisse gemacht, den Naturschutz zu gewährleisten. Eine Notwendigkeit, das Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen, war aus LLUR-Sicht damit nicht mehr gegeben.

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„Insofern kann ich mit dieser Entscheidung gut leben“, sagt Helmut Thran (SPD), stellvertretender Bürgermeister von Itzstedt, der sich zuvor vehement für einen Kauf eingesetzt hatte. Ein dafür nötiger Kredit in Höhe von rund einer Million Euro – der exakte Kaufpreis unterliegt der Verschwiegenheit – sollte aus den Zentralortmitteln bedient werden, die Itzstedt und Nahe vom Land für übergemeindliche Aufgaben erhalten.

„Natürlich werden bei uns im Dorf viele enttäuscht sein. Und auch in meiner Brust schlagen zwei Herzen. Eines davon hätte den See gern im Gemeindebesitz gesehen“, sagt Thran. Der seit Langem gehegte Wunsch nach einem Wanderweg um den See werde jetzt wohl unerfüllt bleiben. Andererseits hätte der Kauf nicht nur die hohe Investition, sondern auch umfangreiche Folgekosten für die Gemeinden bedeutet, räumt Thran ein. Dass sich ein Privatmann aus eigener Tasche für den Naturschutz einsetzen will, sei an sich aber sehr begrüßens- und unterstützenswert.

Ähnlich sieht es Holger Fischer, Bürgermeister in Nahe: „Grundsätzlich ist das eine Entscheidung, die wir gut akzeptieren können.“ Einerseits sei es „schade“, denn auch in Nahe hatten sich viele den Kauf gewünscht. Anderseits würden Steuergelder gespart, ohne dass die Gemeinden tatsächliche Nachteile erlitten. „Das ist wiederum der große Vorteil dabei.“ Der Name des Käufers bleibt weiter unbekannt. Bei ihm soll es sich um einen naturverbundenen Privatmann aus dem Amt Itzstedt handeln, der das Areal als Rückzugsort für seine Familie kaufen will. Eine Kooperation mit den Gemeinden habe der Käufer schon angekündigt, verriet Helmut Thran den LN. Anfang Juni wollen sich Käufer und Gemeinden an einen Tisch setzen und ihre jeweiligen Vorstellungen besprechen. Die Badestelle stehe aber in keinem Fall zur Disposition, versichert Thran. Die sei im Grundbuch festgeschrieben.

Der See ist bislang im Besitz der Immobilienkauffrau Sabina Grillo, die das etwa 15 Hektar große Areal mit See, Wald und Haus von ihrer Familie geerbt hatte. Ihr Großvater, Besitzer mehrerer Kinos im Norden, hatte den See 1956 gekauft. Als Rückzugsort – und um dort seinem Hobby, dem Angeln, frönen zu können. Seit 20 Jahren lebt Grillo allein in ihrem eigenen Naturidyll, entschloss sich dann aber zum Verkauf. Wie die 56-Jährige kürzlich in einem Interview mit der „taz“ verriet, seien nicht nur gute, sondern auch schlimme Erinnerungen mit dem See verbunden. Vor 13 Jahren war in der Nähe von Itzstedt ihr Sohn tödlich verunglückt. Noch heute kämen die Bilder von der Unfallnacht immer wieder hoch. „Das möchte ich nicht mehr“, sagte sie der Zeitung.

Wasser zum Baden zu kalt

Die Badesaison am Itzstedter See muss wegen der niedrigen Wassertemperaturen um eine Woche nach hinten verschoben werden. Das teilte die Gemeinde gestern mit. Mit nur zehn bis elf Grad sei es zum Baden noch eindeutig zu kalt. In der kommenden Woche solle das Quecksilber aber noch weiter nach oben klettern. Die offizielle Eröffnung der Saison in Itzstedt sei deshalb für Sonnabend, 20. Mai, ab 9 Uhr angesetzt. Fertig ist bereits das Badestättengebäude, das eine neue Fassade und ein neues Dach bekommen hat.

 Oliver Vogt

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