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Segeberg Segeberger radeln am meisten
Lokales Segeberg Segeberger radeln am meisten
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06:00 03.12.2019
Sie gehören zu den fleißigsten Stadtradlern (v.l.): Anja Rössner (Kaffeeradler), Dirk Ehling, Horst Raczkowski, Michael Mootz (alle RSC Kattenberg) und Helmut Storjohann. Quelle: Sven Wehde
Bad Segeberg

„Ich bin elektrisch unterwegs, mit meinem E-Bike“, sagt Helmut Storjohann aus Kaltenkirchen und schmunzelt, „in meinem Alter darf man das auch schon.“ Recht hat er. Storjohann ist 84 und einer der treuesten Stadtradler im Kreis Segeberg. „Seit drei Jahren bin ich dabei“, sagt der begeisterte Fahrradfahrer. 1182 Kilometer in nur drei Wochen ist er diesmal gefahren. Kein Problem für ihn. „Ich fahre viel Rad, so an die 10 000 Kilometer im Jahr“, erzählt er stolz. An diesem Tag bekommt er für seine Leistung eine Urkunde im Segeberger Kreistagssaal, denn es steht die Preisverleihung des diesjährigen „Stadtradelns“ an.

Zum ersten Mal fast 1000 Teilnehmer

Das Stadtradeln, das bundesweit zum zwölften Mal stattfand, ist eine Kampagne des Klimabündnisses, einem großen Netzwerk von Städten, Gemeinden und Kreisen zum Schutz des Klimas. Es ging darum, das Teams an 21 aufeinanderfolgenden Tagen irgendwann im Aktionszeitraum von Mai bis September privat und beruflich möglichst viele Kilometer mit dem Rad zurücklegen. Dabei können sich Kommunalpolitiker genauso wie Schüler, Unternehmen, Vereine oder Freunde zu Teams zusammenschließen. Bei dem Wettbewerb geht es zwar auch um Preise und Platzierungen, aber das steht nicht im Vordergrund. „Es geht darum, dass wir mehr Menschen für das klimafreundliche Radfahren begeistern wollen, in dem die Leute einfach mal ausprobieren, wie es ist, das Auto stehen zu lassen“, sagt Heiko Birnbaum, der Klimaschutzmanager des Kreises Segeberg. Und die Begeisterung wächst tatsächlich. „Der Kreis macht zum fünften Mal mit und wir haben dieses Jahr zum ersten Mal fast 1000 aktive Teilnehmer“, sagt Birnbaum. Das zeigt sich auch an den gefahrenen Kilometern. Wurden im Jahr 2018 noch 208 367 Kilometer insgesamt von allen Segeberger Teilnehmern zurückgelegt, so waren es dieses Mal schon 236 911 Kilometer. Das freut auch Segebergs Landrat Jan Peter Schröder: „Damit wurden von den Segebergern 34 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Eine tolle Leistung.“ Und die Kreisverwaltung hat sogar noch etwas von der Aktion. „Wir holen uns von den Teilnehmern Rückmeldungen über den Zustand der Radwege und Schlaglöcher“, sagt Birnbaum.

Bebensee und Bad Bramstedt radeln am fleißigsten

Gewinner gibt es aber dieses Jahr natürlich auch. Im Vergleich der teilnehmenden Kommunen liegt Norderstedt mit 120 206 gefahrenen Kilometern vorn. Ein gutes Ergebnis, das aber natürlich an der hohen Einwohner- und Teilnehmerzahl liegt. Deshalb hat die Metropolregion Hamburg bei ihrer Prämierung am Freitag die Preise auch in den Kategorien „meiste geradelte Kilometer je Teilnehmer“ und „höchster Anteil von Teilnehmenden an der Einwohnerzahl“ vergeben. Die Metropolregion geht weit über den Kreis Segeberg hinaus, insgesamt nahmen in der Region 71 Kommunen am Stadtradeln teil. Die Gewinner kamen trotzdem allein aus dem Kreis Segeberg. So überreichte Dr. Gabriele Hoffmann, Leiterin der FAG-Klimaschutz und Energie der Metropolregion Hamburg aus dem Energie-Ministerium Mecklenburg-Vorpommern, den Preis für die meisten gefahrenen Kilometer pro Teilnehmer an Bad Bramstedts Bürgermeisterin Verena Jeske. Im Durchschnitt brachte es jeder Bad Bramstedter Teilnehmer in dem dreiwöchigen Aktionszeitraum auf stolze 385,5 Kilometer. Die meisten Menschen gemessen an ihrer Einwohnerzahl konnte die Gemeinde Bebensee zum Mitmachen motivieren. Für sie nahm Bürgermeister Hans-Joachim Berg den Preis entgegen. Die Gemeinde konnte rund 24 Prozent ihrer Bevölkerung für das Stadtradeln mobilisieren, ein großer Abstand bis zum Zweitplatzierten mit einer Quote von 11 Prozent. Die Bad Segeberger schafften es zwar nicht aufs Treppchen, konnten mit 7372 gefahrenen Kilometern (171 pro Teilnehmer) aber trotzdem zufrieden sein, schließlich sparten sie damit über 1000 Kilogramm CO2 ein. Die Preise dürften übrigens für alle Bad Bramstedter und Bebenseer Radler interessant sein, denn die beiden Kommunen erhalten eine Fahrradreparaturstation. An ihr können Radfahrer im öffentlichen Raum kleinere und größere Reparaturen durchführen. Die Reparatur-Station stellt dafür geeignete Werkzeuge und eine Luftpumpe mit Adaptern für alle Ventile zur Verfügung.

RSC Kattenberg und die Kaffeeradler liegen vorn

Unter den Teams im Kreis Segeberg hatte der „RSC Kattenberg & Friends“ aus Tangstedt mit 41 Radlern und insgesamt 30 493 Kilometern die Nase vorn. Kein Wunder, handelt es sich doch um einen Radsportclub. „Bei uns kann eine Ausfahrt am Wochenende oder Abend schon mal 200 Kilometer lang werden“, erzählt der Vorsitzende Dirk Ehling schmunzelnd. Nur bei den Kilometern pro Kopf wurden die Kattenberger noch ganz knapp abgehängt, denn das Team „Kaffeeradler“ brachte es zwar „nur“ auf 1587 Kilometer, aber das zu zweit. Damit liegen sie mit 793 Kilometern pro Kopf bei den Teams vorne. Nur Rentner Storjohann düste als Einzelteilnehmer mit seinen 1182 E-Bike-Kilometern an den meisten Teilnehmern vorbei...

So gesund ist die Radfahrt

Mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, ist eine der einfachsten Arten, etwas für die Gesundheit zu tun. „Das Schöne daran ist, dass Radfahren eine Ausdauersportart ist, die unkompliziert ist und von fast allen Menschen betrieben werden kann. Vor allem kann der Schwierigkeitsgrad durch Gangschaltungen und die E-Bikes an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden“, sagt Dr. Ronja Westphal, Chefärztin der kardiologischen Reha im Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken. Wer bisher immer Auto gefahren sei und nun regelmäßig auf das Radfahren umsteigen will, solle jedoch vorher einmal bei seinem Hausarzt checken lassen, ob das problemlos möglich ist. „Dann kann es losgehen, und das hat gleich mehrere positive Auswirkungen auf unseren Körper“, sagt Westphal und zählt auf: „Das Radfahren ist ein gutes Muskeltrainig für die Beine, und das hilft uns auch im Alltag beim Laufen und Treppensteigen. Außerdem stärkt die Bewegung an der frischen Luft das Immunsystem und sorgt für ordentlich Vitamin D, was gegen Winterdepressionen hilft.“ Ein richtiges Herz-Kreislauftraining ersetzt die Radfahrt zur Arbeit in den meisten Fällen aber nicht. „Dafür muss man schon 20 bis 25 Minuten unter einer bestimmten gleichbleibenden Belastung durchfahren. Meist hält man auf dem Weg zur Arbeit aber an Ampeln und Kreuzungen immer wieder an, dann ist das Radfahren eher gesunde Bewegung als Ausdauertraining.“ Und auch wenn es kalt ist, können Radler, wenn nicht gerade Eis und Schnee die Unfallgefahr erhöhen, mit dem Rad zur Arbeit fahren, wenn sie ein paar Regeln beachten. „Atmunsgaktive Kleidung ist wichtig, denn Radfahren kann anfällig für Infekte machen, wenn man zu sehr ins Schwitzen kommt und zu viel kalte Luft durch den Mund einatmet. Und wenn man erstmal krank ist, ist Radfahren ohnehin tabu“, so Westphal. Man sollte dann mit dem Radfahren warten, bis kein Fieber mehr besteht und die Erkältung wirklich abgeklungen ist und man sich wieder richtig „gut“ fühlt.

Lesen Sie hierdenSelbsttest einer LN-Reporterin beim Stadtradeln

Von Sven Wehde

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