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Segeberg „Soko Wohnung“ kann Erfolge verbuchen
Lokales Segeberg „Soko Wohnung“ kann Erfolge verbuchen
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09:55 12.03.2019
Der Einbrecher kam über die Terrasse und schlug die Türscheibe ein. Die Ermittler haben festgestellt, dass immer mehr Täter Lärm beim Einbruch in Kauf nehmen. Quelle: Fotos: Wolfgang Glombik/Polizei
Bad Segeberg/Norderstedt

Am helllichten Tag das Fenster eingeschlagen, die Tür aufgebrochen, die Wohnung durchwühlt: Es gebe für die Opfer einer Straftat kaum ein Delikt, das so „problematisch“ ist wie Einbruchsdiebstahl, erklärte auf einer Pressekonferenz Andreas Görs, Leiter der Polizeidirektion Bad Segeberg. Dabei gehe es gar nicht in erster Linie um Schmuck oder Geld. Oft genug verkauften Geschädigte wegen der traumatischen Erlebnisse, die auf sie wie eine erlittene Gewalttat wirkten, ihr Haus oder verließen sogar ihren Wohnort. Besonders dramatisch sei es für die Geschädigten, wenn Täter auf der Suche nach Schmuck oder Geld Kinderzimmer oder Schlafzimmer durchwühlten, ergänzte Kriminalrätin Sarah Lampe. „Wenn die intimsten Bereiche durchsucht werden, hat das noch eine ganz andere Qualität.“

Die Täter scheuen oft auch nicht den Lärm durch Glasbruch. Quelle: Polizei Segeberg

Sie ist für die „Sonderkommission Wohnung“ verantwortlich und kann jetzt mit Staatsanwalt Sören Pansa erste Erfolge durch über die Landesgrenzen hinaus koordinierte Fahndung und auch internationale Zusammenarbeit vermelden. Die „Soko Wohnung“ wurde zum 1. Oktober 2017 gegründet. Ihre 50 Mitarbeiter bekämpfen den Einbruchsdiebstahl. Die Soko solle auch 2019 weiter bestehen bleiben, kündigte Görs an.

Am Beispiel eines Fahndungserfolges lässt sich deren Arbeit gut darstellen. So wurde in Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei ein 49-Jähriger aus Litauen auf frischer Tat ertappt, der von Juni 2018 bis Januar 2019 sechs Einbrüche in Hamburg und Norderstedt begangen haben soll. Am 22. Januar konnte der Verdächtige unmittelbar nach einer Tat bei einem Wohnungseinbruch im Bereich der Straße Querpfad in Hamburg-Ochsenzoll festgenommen werden. Hier half ein aufmerksamer Nachbar, der die Polizei alarmierte. Ein weiterer Tatverdächtiger sei noch flüchtig, berichtet Sarah Lampe.

Wem gehört diese Uhr?

Die „Soko Wohnung“ sucht Zeugen: Der tatverdächtige Litauer, dem bislang sechs Einbruchsdelikte zur Last gelegt werden, trug bei seiner Festnahme in Hamburg eine wertvolle Uhr der Marke „Glashütte“. Die Polizei geht davon aus, dass er sie bei einem Einbruch erbeutet hat. Die Uhr sei nicht registriert oder als gestohlen gemeldet worden, teilte Sarah Lampe von der Kripo mit. Die Ermittler wollen nun den Besitzer ausfindig machen und so dem Beschuldigten möglicherweise einen weiteren Einbruchsdiebstahl nachweisen.

Es sei längst nicht mehr so, dass Täter nur im Schutze der Dämmerung in Häuser einstiegen. Der erwischte Tatverdächtige schnappte sich mutmaßlich am helllichten Tag einen Feldstein, warf ihn durch die Terrassentür und stieg ein. Die Kinder waren in der Schule, die Eltern arbeiteten. Das laute Knallen der zerplatzenden Scheibe regis­trierte niemand im Norderstedter Wohngebiet mit Einfamilienhäusern.

„Wir stellen zunehmend fest, dass Lärm von den Tätern in Kauf genommen wird und die Tat nicht entdeckt wird“, erklärt Sarah Lampe. Immerhin konnte die Kripo bei Einbrüchen am 25. und 26. Juni sowie am 1. Juli vergangenen Jahres an allen Tatorten DNA des Täters sichern. Und landete einen Treffer: Eine europäische Gen-Datenbank lieferte ein Ergebnis. Der Tatverdächtige kommt aus Litauen, war dort schon mit Eigentumsdelikten aufgefallen und erkennungsdienstlich erfasst worden. Ein Foto existiert, doch angemeldet mit Wohnung seien derartige Täter selten, zumal sie sich oft auch verschiedene Identitäten zulegten.

Um ihnen etwas nachweisen zu können, hilft nur Puzzle-Arbeit. Sarah Lampe: „Da hat uns eine aufmerksame Nachbarin geholfen, die einen Mann mit Rucksack in der Nachbarschaft beobachtete und ihn mit ihrem Handy fotografierte.“ Sie hatte das Bersten einer Scheibe gehört und sah einen fremden Mann beim Nachbarn. Der markante Hinterkopf auf den Handyfotos fand sich auch in der litauischen Verbrecherdatei.

Ließ sich die Tür nicht ohne großen Aufwand aufhebeln, schlug der Täter mit einem Feldstein die Scheibe ein. Quelle: Polizei Segeberg

Auch mithilfe von Überwachungskameras konnte der Täter identifiziert werden. Auf seinem Zug durch die Häuser auf der Suche nach Bargeld, Schmuck und allem, was sich schnell zu Geld machen lässt, trug der 49-Jährige aus Litauen fast schon kurios wirkende, ins Auge fallende weiße Handschuhe. Zu den Tatorten fuhr der tatverdächtige Mann mit Bus und Bahn. Die Beute brachte er bei seinen Blitz-Einbrüchen in einem Rucksack unter. Auf seinen Beutezügen habe der Tatverdächtige Wertgegenstände und Geld in einem „fünfstelligen Bereich“ mitgehen lassen, erklärte Staatsanwalt Pansa bei der Pressekonferenz.

Immerhin habe sich die Zahl der Einbruchsdiebstähle seit 2015 bis 2018 fast halbiert. Werde ein Täter erwischt, zeige sich das gleich in der Statistik. Laut Pansa verübten Täter etwa drei bis vier Einbrüche pro Woche in einem Gebiet.

Wolfgang Glombik

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