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Segeberg Segeberg will sich als Fairtrade-Kreis bewerben
Lokales Segeberg Segeberg will sich als Fairtrade-Kreis bewerben
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17:34 27.09.2019
Den Weltladen gibt es in Bad Segeberg über 20 Jahre: Violetta Weber-Sundergeld mit fair gehandeltem Kaffee aus Tansania. Quelle: Irene Burow
Segeberg

So fair ist die Region bereits: Norderstedt, Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und Neumünster sind Fairhandelsstädte, Blunk ist seit 2014 Fairtrade-Gemeinde.Bad Oldesloe und Reinfeld (Kreis Stormarn) sind dabei, genauso wie Eutin und Stockelsdorf (Ostholstein), Oldenburg in Holstein bewirbt sich gerade.

Bedingung: Fairer Kaffee beim Landrat

Segeberg erwägt nun, das Label für das gesamte Kreisgebiet zu gewinnen. „Die Voraussetzungen sind da, es fehlt nur noch der Wille“, sagt Albert Röhl vom Verein Transfair, der das Siegel vergibt. Im Wirtschaftsausschuss des Kreises erklärte er, was dafür nötig ist. Dazu gehöre fair gehandelter Kaffee künftig ins Büro des Landrates. Genauso soll das Getränk auf politischen Sitzungen im Kreishaus angeboten werden. 38 Einzelhandelsgeschäfte müssten fairen Kaffee anbieten. Dazu ein weiteres Produkt wie Kekse, Tee oder Saft. „Das dürfte allein schon in Norderstedt erfüllt sein“, sagt Röhl.

Transfair-Referent Albert Röhl berichtete, was für das Siegel nötig ist. Quelle: Irene Burow

Darüber hinaus müssten 19 Gastronomiebetriebe das Gleiche tun, zwei Schulen, zwei kirchliche Stellen und zwei Vereine auf entsprechende Projekte und Produkte setzen. Formale Bedingungen gibt es auch: den Kreistagsbeschluss, eine Arbeitsgruppe, die koordiniert, und mediale Begleitung.

Betriebe und Produkte als Vorbilder

Dann dürfte Segeberg als Fairhandelskreis werben. „Die Bewegung ist derzeit stark im Aufwind“, erklärt Röhl, der seit über 20 Jahren in dem Bereich aktiv ist. „Für Segeberg ist es nicht schwer, die Kriterien zu erfüllen. Zumal es hier sehr gute Vorbilder gibt. Unter anderem ist der Wildpark Eekholt in Großenaspe in diesem Jahr mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden.“

Schon 2003 sei mit „fairflixt goot!“ der erste „Faire Stadt-Kaffee“ des Landes in Norderstedt auf den Markt gekommen. Zwei Schulen seien ausgezeichnet: das Gymnasium Harksheide – als erste im Land – und das Lessing-Gymnasium Norderstedt.

Siegel muss alle zwei Jahre erneuert werden

631 Kommunen gibt es in Deutschland. In diesem Jahr feiert die Kampagne in Deutschland zehnjähriges Jubiläum. Bundesweit sind mehr als 630 Schulen ausgezeichnet. Weltweit gibt es 2200 Fairtrade-Kommunen in 36 Ländern. Mit Wales und Schottland gibt es inzwischen ganze Nationen mit dem Label.

In Schleswig-Holsteintragen 25 Kommunen den Titel, darunter auch die Insel Fehmarn und die Hallig Hooge. Erste Fairtrade-Stadt war Lübeck 2011, auch Kiel ist dabei. Zwei Unis tragen das Siegel und 20 Schulen. Das Siegel muss alle zwei Jahre erneuert werden.

Mehr Details gibt es auf www.fairtrade-towns.de

An der Volkshochschule Kaltenkirchen wird ein Weltladen mit Café betrieben. Den Weltladen am Bad Segeberger Marktplatz gibt es schon seit über 20 Jahren. „Neben fairen Produkten sind fast hundert Prozent bio“, sagt Ehrenamtlerin Violetta Weber-Sundergeld. Was es hier gibt, gebe es zum Teil auch schon in örtlichen Supermärkten. Wer möchte, kann hier erfahren, wie man umrüsten kann – auch als Großverbraucher.

Bad Oldesloe: Produkte mit eigenem Stadtlabel

Für Aktionen lohnt der Blick in den Nachbarkreis Stormarn. Hier hat die Steuerungsgruppe 2017 den „Beste Trave Stadt-Kaffee“ eingeführt, 2019 das „Beste Trave Olivenöl“, ein Direkt-Import aus Palästina. In Arbeit ist eine „Beste Trave Schokolade“. Angestrebt ist es, Hauptstadt des Fairen Handels zu werden.

Die „Beste Trave Schokolade“ wurde kürzlich in Bad Oldesloe vorgestellt. Quelle: Susanna Fofana

Im Wirtschaftsausschuss des Kreises Segeberg ist die Idee der Fairhandelsregion mehrheitlich angenommen worden. Einzige Bedingung ist, dass die Verwaltung nicht mehr Arbeit aufgebrummt bekommt. Eine Lenkungsgruppe soll koordinieren. Der Kreistag stimmt am kommenden Donnerstag, 26. September, endgültig darüber ab.

Henstedt-Ulzburg verlor Titel 2016

Kritik am Vorstoß kam von Sven Wendorf (AfD). Im Kreishaus fairen Kaffee oder Tee anzubieten, sei ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. Zudem belegten Studien keine langfristig positiven Effekte in Entwicklungsländern.

„Ich bin sehr dafür, solange wir Lieferketten oder Zusammensetzungen nicht selbst zurückverfolgen müssen“, meinte hingegen Rainer Schuchardt (Freie Wähler) im Ausschuss. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist zu scheitern“, so Stephan Holowaty (FDP). Die Initiative sei nicht immer von Erfolg gekrönt. 2016 war Henstedt-Ulzburg an den Mindestanforderungen gescheitert, weil sich nicht genug Akteure fanden.

„Ich denke, über die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft und die Geschäftsleute werden im Kreis genug Aktivitäten entstehen“, meinte Rita Marcussen (SPD). Die Erfahrung macht auch Transfair-Referent Albert Röhl: „Es gibt immer mehr Produkte. Die Unternehmen machen es von sich aus.“

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Von Irene Burow

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