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Segeberg Historisches Spektakel: Siegesburg erneut vernichtet
Lokales Segeberg Historisches Spektakel: Siegesburg erneut vernichtet
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11:41 13.08.2019
Die Siegesburg ist gesprengt, die Schnapphähne ziehen zum Rathaus. Quelle: Foto: Irene Burow
Bad Segeberg

Reine Rachegelüste der Schweden haben einst dazu geführt, die Siegesburg hoch oben auf dem Kalkberg in die Luft zu jagen. „Militärisch war die Zerstörung völlig zwecklos“, erklärt Historiker Nils Hinrichsen. Die Burg war leer. Doch die Schweden waren dahintergekommen, dass die Schnapphähne, Segebergs Freiheitskämpfer, von hier aus ihre Befehle bekamen. Nach gewaltigen Explosionen loderte das Feuer tagelang.

Reenactment-Gruppe stellt am 12. August 2019 Zerstörung der Siegesburg vor 375 Jahren nach.

„Seit dem Verlust der Burg am 12. August 1644 kommt Segeberg bis ins 19. Jahrhundert nicht mehr auf die Füße“, sagt Hinrichsen. Es war ein schwarzer Tag in der bald 800 Jahre alten Geschichte Segebergs. Aus einer fürstlichen Residenz wurde eine Handwerkerstadt. Fortan war kein Adel mehr anzutreffen. „Es ist etwas merkwürdig, dass Segeberg bisher nichts aus dieser Robin-Hood-Story gemacht hat.“

Das wird nun anders: Historienliebhaber haben diesen schicksalhaften Wendepunkt jetzt am Kalkberg nachgestellt – die Eroberung und Zerstörung der Burg durch die Schweden. Nils Hinrichsen mimte dabei den Nicolaus Christoffel Börgersen – einen Bauern, der vor 375 Jahren gegen die Schweden aufbegehrte. So wie rund 180 andere. Sonderlich elektrisiert schienen die Bad Segeberger von der Aktion am Montag jedoch nicht. Nur etwa 50 Interessierte sahen vom Karl-May-Platz aus zu, wie die imaginäre Siegesburg auf dem Gipfel erneut „gesprengt“ wurde.

Kommandant unter Folter verraten

Die Schnapphähne selbst hielten sich zumeist in der Segeberger Heide versteckt. Die Siegesburg war jedoch Amtssitz des Segeberger Amtmannes Caspar von Buchwald. Lange blieb das unbemerkt, die Burg also ignoriert. Bis zu jenem Tag, als zwei Schnapphähne gefangen genommen und gefoltert wurden. Sie hatten ihren Kommandanten verraten.

Über Monate hatten die einfachen Bauernsöhne das schwedische Heer, 16 000 Mann, gepiesackt: es wurde geraubt und gemordet. Anordnung, Befehle, Waffen und Schießpulver kamen aus der Siegesburg. Es wurde schließlich als heimliches Hauptquartier, als Munitions- und Waffendepot entlarvt. Lennart Torstensson, Feldherr der schwedischen Armee, tobte vor Wut.

„Wir gehen von Pulverfässern aus. Man wusste damals bereits, wie das vonstatten geht. Man war längst in der Zeit des Schwarzpulvers angekommen“, berichtet Hinrichsen. Er hatte vor etwa einem Jahr die Reenactmentgruppe – zur authentischen Nachstellung der Geschichte – „Segeberger Schnapphähne“ mitgegründet. Je tiefer die Geschichtsfreunde in die Vergangenheit eintauchen, desto mehr wird darüber bekannt.

Verhörprotokolle im alten Tagebuch

„Wie lange die Zerstörung dauerte, wissen wir nicht genau“, sagt er. Doch einige Details sind überliefert – Dank eines alten Tagebuchs, entstanden nach dem Schwedisch-Dänischen Krieg von 1643 bis 1645.

Böllerschütze Chris Saxon kurz vor der "Sprengung" der Burg. Quelle: Irene Burow

Hinrichsen war im Staatsarchiv Hamburg auf das „Diarium Tychopolitanum“ aufmerksam geworden. „Es ist offenbar von den Dänen geführt worden. Es stammt aus Glückstadt – der einzigen Festung, die nicht von den Schweden zerstört wurde.“ Hinrichsen hat die Passagen über die Schnapphähne extrahiert und studiert. Enthalten sind Verhörprotokolle, Berichte von Folter und sogar Namen der Guerilla-Kämpfer.

Böllerschützen simulierten lautstark die Sprengung

In Anlehnung daran ist die Siegesburg am Montag erneut vernichtet worden. Die Original Segeberger Böllerschützen haben auf dem Kalkberg lautstark die Sprengung der Burg simuliert. Die geschlagenen Schnapphähne holten ihre Fahne ein, trugen sie „zum Schutz vor den Schweden“ umrahmt von Trommelschlägen zum Rathaus. Bürgervorsteherin Monika Saggau und der stellvertretende Bürgermeister Heino Pfeiffer erfuhren vom Verlust der Siegesburg und nahmen die Fahne zur sicheren Verwahrung symbolisch in Obhut.

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