Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Segeberger Verein „Farbenfroh und buntgenäht“ hilft schwerkranken Kindern
Lokales Segeberg Segeberger Verein „Farbenfroh und buntgenäht“ hilft schwerkranken Kindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:51 23.12.2018
Antje Gotzmann (2. Vorsitzende) mit dem „Muthasen", mit dem alles anfing: Der Verein „Farbenfroh und buntgenäht“ (Sitz Bad Segeberg) macht das Leben von schwererkrankten Kindern mit genähten und gestrickten Geschenken und Helferlein etwas bunter.  Quelle: Fotos: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

 Das Surren von Nähmaschinen mischt sich mit fröhlichem Geplauder in einem Großraumbüro an der Kurhausstraße von Bad Segeberg. An einer langen Tafel aus Tischen sitzen 14 gut gelaunte Frauen zwischen bedruckten Stoffen, Klammern und Garnen, halb fertigen und gerade zugeschnittenen Arbeiten. Es ist Nähtag für die Mitglieder des Vereins „Farbenfroh und buntgenäht“. Das Jahr über sitzen sie zu Hause an ihren Maschinen, um zu schneidern, aber einmal im Jahr kommen sie zusammen. Immer das Ziel: schwerkranken Kindern und ihren Geschwistern die Welt mit Handgemachtem ein bisschen bunter, das Leben kleiner Patienten mit selbstentwickelten „Helferlein“ etwas leichter zu machen.

Franzi aus Jork (Niedersachsen), eigentlich Franziska Walberer, aber man duzt sich, schaut von halb fertigen Kirschkernkissen auf, kontrolliert kritisch die Nähte: „Ich habe immer etwas gesucht, bei dem ich nähen und mich gleichzeitig engagieren kann.“ Ute nickt: „Man kann sich ja nicht immer selbst benähen, und die Familie hat oft auch schon genug." So entstehen Kuscheltiere, Schals, Shirts, aber auch weiche Polster, die um Venenkatheter passen, oder Baby-Bodies mit speziellen Öffnungen für Sonden und Katheter. Alles bei hoher Temperatur waschbar und Hygienevorschriften angepasst. „Es macht einfach Spaß und kommt direkt bei den Kindern an“, sagt Simone Grundmann aus dem thüringischen Seelingstädt.

Kooperation mit

Kinderonkologie am UKE

Die 50 Mitglieder als "Nähfrauen" abzutun, das wird ihrem Engagement nicht gerecht. Sie leisten Charity mit Nadel und Faden. Davon profitieren bisher die kleinen Patienten der Kinderonkologie und -kardiologie im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) und die Jungen und Mädchen, die vom ambulanten Kinderhospiz „Die Muschel“ betreut werden. Vereinsvorsitzende Kristin Best möchte den Kontakt zu weiteren Kliniken ausdehnen: „Wir würden gerne auch anderswo helfen.“

Der Verein sieht es als seine Aufgabe, die Welt schwerkranker Kinder farbenfroher und bunter zu gestalten.

Angefangen hat alles 2014 mit dem kranken Jonas aus Hamburg, erzählt die 40-jährige Bad Segebergerin, die selbst seit 2016 dabei ist. Schmerzlich habe dessen Familie die Erfahrung machen müssen, wie die Krankheit des Jungen sie in dem Moment mit voller Wucht traf, als er vom bunten Kinderzimmer ins trotz aller Bemühungen sterile Krankenhaus kam. „Seine Mutter fing an, Dinge zu nähen, um ihm dem Klinikaufenthalt etwas bunter zu machen“ , sagt die Unternehmerin und Chefin über 80 Versicherungsexperten. Schließlich habe sie auch für andere Kinder genäht und fand Mitstreiterinnen.

Der „Muthase“, ein gehäkeltes Kuschel-Maskottchen mit kleinem Supermann-Umhang, entstand hundertfach in ganz Deutschland. Außerdem wurden Mützen gefertigt, fröhliche bedruckte Überzieher für Infusionsbeutel und vieles mehr. Das Angebot wuchs, mittlerweile wird auch gehäkelt und gestickt. „Pro Jahr kommen wir locker auf 1000 Geschenke“, rechnet Kristin Best hoch. Das größte sei eine bunte Patchworkdecke für das Spielzimmer der Kinderonkologie im UKE gewesen.

Gut vernetzt und

digital bestens aufgestellt

Die Frauen nutzen moderne Kommunikationswege, digitale Transformation haben sie lange hinter sich: Es gibt eine offizielle Facebook-Seite und in einer zweiten, nicht öffentlichen, tauschen sie sich aus. Hier werden Schnittmuster entwickelt, standardisiert und weitergegeben, Aufgaben verteilt und Wichtiges besprochen. Kristin Best: „Das ist sozusagen unser Vereinsheim.“ Und die Homepage des Vereins ist mit passwortgeschütztem Null-Euro-Bestellshop ausgestattet, der Eltern und Kindern das Aussuchen erleichtert.

Designer Xin Long unterstützt den Verein „Farbenfroh und buntgenäht“. Quelle: Heike Hiltrop

„Ich bin davon überzeugt, dass das, was hier gemacht wird, die Welt ein bisschen besser macht“, sagt Xin Long. Der 38-Jährige ist Designer und Kommunikationsexperte. Er lobt, dass die Vereins-Mitglieder nicht nur Herz und Verstand haben, sondern auch eine gute Strategie verfolgen. Darum unterstützte er den Verein mit seinem Wissen. Andere können und werden es mit Spenden oder als Mitglieder tun, hofft Kristin Best.

Heike Hiltrop