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Lokales Segeberg Segeberger wollen Beirat für Behinderte
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18:35 30.06.2019
Wolfgang Arnhold von der Lebenshilfe, Bürgervorsteherin Monika Saggau, Sozialverbandsvorsitzende Kirsten Grundmann und Behindertenbeauftragte Marianne Böttcher (v.l.). Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Gibt es im Kreis Segeberg bald Behindertenbeiräte? Eine Initiative aus Bad Segeberg arbeitet daran. „Wir sprechen Gemeinden an, strukturell solche Beiräte zu entwickeln“, sagt Bad Segebergs Bürgervorsteherin Monika Saggau.

„Wir wollen das hier in der Stadt modellhaft ausprobieren.“ Grundlage sei ein Beschluss der Stadtvertretung im vergangenen November. Die Stadt hatte dem Modellprojekt der Lebenshilfe Bad SegebergWir entscheiden mit. Politische Partizipation von Menschen mit Behinderung im Kreis SegebergUnterstützung zusagt.

In einer Zukunftswerkstatt ist ermittelt worden, was getan werden kann und was gewollt ist. Daraus resultierte auch die Idee für Behindertenbeiräte.

Bisher kein Beirat im Kreis

„Die Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 in Deutschland gilt, wirkt nur sehr zögerlich. Im Kreis gibt es keinen Beirat für Menschen mit Behinderungen“, bedauert Wolfgang Arnhold, der das Projekt der Lebenshilfe leitet.

In Bad Segeberg seien Menschen mit Behinderung keine Randgruppe: 2248 Personen seien als schwerbehindert registriert, 1421 hätten einen Behinderungsgrad von 20, 30 oder 40. „Bei 17 000 Einwohnern bedeutet das einen Anteil von mehr als 21 Prozent. „Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen.“

Bei einer Auftaktveranstaltung am 14. August soll das Thema im Bad Segeberger Rathaus auf den Tisch. Bürger, Politiker, Organisationen und Selbsthilfegruppen sind angesprochen. „Wir hoffen auf eine große Beteiligung“, sagt Kirsten Grundmann, Vorsitzende des Sozialverbandes in Segeberg. Dabei soll ausgelotet werden, ob so ein Beirat gewollt ist. „Das Größte wäre für uns, wenn sich dabei schon Leute finden, die mitwirken wollen.“

Möglichst viele Behinderungsarten sollen in einem Beirat zusammenkommen. Quelle: dpa

„Politisch ist das etwas Neues“

Finden sich genug Befürworter, könnte ein entsprechender Antrag zur Gründung eines Beirates in die Stadtvertretung eingebracht werden. „Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. In Werkstätten für Behinderte gibt es bereits Werkstattbeiräte. Aber im politischen Bereich ist das etwas Neues“, sagt Wolfgang Arnhold. Wunsch sei es, dass in so einem Gremium verschiedene Behinderungsarten vertreten sind: Sehbehinderte, psychisch Kranke, Autisten, Mehrfachbehinderte und Angehörige von Behinderten.

Offen für kritische Fragen

Bürgervorsteherin Monika Saggau, die selbst mit einer Behinderung lebt, hofft auf viele Zweifler bei der Veranstaltung im Rathaus. „Subtil wird ja öfter kritisiert, ob man wirklich immer mehr Beiräte und Beauftragte braucht.“ Man sei offen für kritische Fragen.

Programm am 14. August

Die Versammlung für Betroffene, Interessengruppen und Interessierte findet am 14. August um 18 Uhr im Bürgersaal im Bad Segeberger Rathaus statt. Nach einer Einführung in die Thematik werden rechtliche Grundlagen besprochen, die Rechte und Pflichten eines Behindertenbeirats und die Erwartungshaltung an so ein Gremium. Es soll geklärt werden, warum es wichtig ist, Teilhabe zu praktizieren.

Eingeladen ist auch der Vorsitzende des Behindertenrates Kiel, Michael Völker. Er wird seine Erfahrungen schildern. „Den Beirat gibt es seit 20 Jahren. Er hat sich pausenlos konzeptionell weiterentwickelt“, sagt Wolfgang Arnhold. „Er besteht aus Politikern und Menschen mit Behinderung. Die Mischung macht’s.“ Der Chor Schillerlocken gibt im Bürgersaal Musik zum Besten. Um 20 Uhr soll die Veranstaltung beendet sein.

„Mir geht es darum, dass die Probleme dieser Menschen nicht einfach so abgetan werden. Es sind einfach Bürger dieser Stadt“, so Saggau. „Wir wollen keine Sterne vom Himmel holen, sondern nur das machen, was den Menschen naturgemäß zusteht.“ Sicherlich finde man nicht für alles Lösungen.

„Jede Behinderung hat ihre Grenzen“, weiß nicht nur Marianne Böttcher. „Wichtig ist, dass man gleichwertig ist und die Stadt sich auf den Weg macht.“ Mit einem Beirat sei eine Schwerbehindertenvertretung natürlich nicht mehr nötig. Und das größte Ziel sei es, dass so ein Beirat gänzlich überflüssig wird.

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