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Segeberg Anti-Drogen-Zug soll durch Segeberg rollen
Lokales Segeberg Anti-Drogen-Zug soll durch Segeberg rollen
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18:40 07.05.2019
Einblick in den Revolution-Train, der, wenn die Kreisverkehrswacht das Geld zusammen bekommt, in Segeberg Station machen soll. Quelle: hfr
Bad Segeberg

 Mit einem aufsehenerregenden Projekt will die Kreisverkehrswacht die Suchtprävention im Kreis Segeberg vorantreiben: dem „Revolution Train“. Sechs Waggons misst der Anti-Drogen-Zug, der – auch mit Unterstützung der Bundesrepublik – in Tschechien konzipiert wurde und dort von einer Stiftung betrieben wird. 140 000 Euro würde es kosten, wenn der „Revolution Train“ durch den Kreis rollen und Station in Bad Segeberg, Norderstedt und Bad Bramstedt machen soll. Finanzielle Unterstützung vom Land gibt es nicht, darum setzt die Verkehrswacht auf Sponsoren und Kommunen.

Täglich 450 Jugendliche können in den Zug einsteigen, der das Thema Drogensucht in acht interaktiven Räumen und vier Kinos auf 165 Metern Länge plakativ aufbereitet. In Thüringen war er schon, in Berlin, Brandenburg und Bayern auch. An manchen Orten war man so begeistert, dass er hier erneut Stopp machen soll. Noch vor drei Jahren wurde er von der Bundesdrogenbeauftragten, Marlene Mortler, zum „Projekt des Monats“ gekürt. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat den Revolution-Train 2018 unterstützt.

„Wir halten das Präventionsprojekt für sehr vielversprechend“, unterstreicht Jürgen Schlichting von der Kreisverkehrswacht. Quelle: Heike Hiltrop

Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Jörg Friedhoff-Schüller und seine Mitstreiter Jürgen Schlichting und Harald Poppe sehen großes Potenzial darin. 6000 Schüler ab der 7. Klasse könnten den Zug besuchen, wenn er in den Kreis käme. Sie seien davon überzeugt, dass die Wirkung des Zuges nachhaltig ist. „Wir halten das Präventionsprojekt für sehr vielversprechend“, unterstreicht Jürgen Schlichting und ergänzt, dass man keine Konkurrenz zu anderen Angeboten schaffen wolle. „Alle sollen mit einbezogen werden.“

Erst wurde der Zug gelobt, nun nehmen Fachleute Abstand

Damit der Zug im kommenden Jahr durch Segeberg rollen kann, werden nun kräftig Klinken geputzt um Sponsoren zu werben, damit das kostspielige Vorhaben finanziert werden kann. Bis Ende Juni muss ein Teilbetrag zusammengekommen sein, der von Firmen, privaten Unterstützer der Kommunen kommen soll. Denn das Land winkt ab. In Kiel und bei vielen Fachleuten aus der Suchtprävention ist das Zug-Projekt umstritten.

Hintergrundinformationen

https://www.kvw-se.de/wir-%C3%BCber-uns/aktivit%C3%A4ten/

http://www.revolutiontrain.cz/de/

https://www.suchtpraevention-sachsen.de/fileadmin/bilder/Service/Stellungnahmen/1807_Stellungnahme_BLS_Revolution_Train.pdf

https://www.drogenbeauftragte.de/presse/projekte-und-schirmherrschaften/projekte-des-monats/archiv-projekte-des-monats/projekt-des-monats-2016/anti-drogen-zug-revolution-train.html?L=0

http://www.cv.suchtpraevention-brb.de/InfoBrief/Info32.pdf

Vollgepackt mit beeindruckend gestalteten Szenen, die eine Drogenkarriere multimedial bis zu deren grausamen Tiefpunkt hautnah miterleben lassen, setz der Anti-Drogen-Zug nämlich vor allem auf Abschreckung. Und genau dafür hagelt es scharfe Experten-Kritik. Die Schüler werden mit einer zum Teil überzeichneten in schockierenden Bildern dargestellten Drogenwelt konfrontiert, der es an einem schlüssigen Konzept zur Vor- und Nachbearbeitung fehle, sagen Kritiker.

Abschreckung ist nicht zeitgemäß und bestenfalls erfolglos

„Auch wenn der Revolution-Train laut eigener Darstellung die Schüler nicht durch Angst einschüchtern möchte, ist es genau dieser Effekt, der durch das Erleben der schockierenden Szenarien erzielt wird“, urteilte zum Beispiel die brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen, nachdem der Zug dort präsentiert worden war. Und weiter: „Ein Präventionsansatz, der auf Furcht und Abschreckung setzt, gilt in der fachlichen Diskussion als überholt und unwirksam. Solche affektiven Programme sind vor allem dann wirkungslos, wenn Kindern und Jugendlichen keine Handlungsalternativen angeboten werden.“

Zahlen und Infos

Der Künstler Pavel Tuma hat den Revolution-Train gestaltet. Der Stiftungsfonds „Neues Tschechien“ betreibt ihn. Im Kreis Segeberg gab es im Vorjahr 1091 polizeiliche Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. 737 Fällen mehr als 2017, eine Steigerung von 48 Prozent. Bei den Unfällen im Kreis spielte 87 Mal Alkohol und 19 Mal Drogenmissbrauch eine Rolle. Informationen und die verschiedenen Präventionsprojekte in Schleswig-Holstein gibt es über die Landesstelle für Suchtfragen (im Internet: lssh.de).

„Die Weichen, ob Menschen zu Drogen greifen oder eben nicht werden häufig schon in Kindheit und Jugend gestellt. Für ein gesundes Leben brauchen Kinder starke Eltern, eine gute Basis und eine klare Orientierung – hier müssen Schule und Elternhaus Hilfestellungen geben und Vorbilder sein“, sagt dagegen Marlene Mortler (CSU). „Mir ist wichtig, dass wir das Thema Suchtprävention in den Schulen wirklich ernst nehmen.“

Ein schlüssiges Konzept für Vor- und Nachbereitung gefordert

Nun ist es an der Kreisverkehrswacht Überzeugungsarbeit zu leisten. Etwa dafür, um dem Zug herum eine Infoveranstaltung mit allen Akteuren aus der Suchtprävention auf die Beine zu stellen, wie es geplant ist. Denn Suchtexperten fordern ein schlüssiges Konzept mit den Schulen zur Vor- und Nachbereitung. Das Projekt dürfe nicht nur ein erhobener Zeigefinger sein.

Verwaltung will sich selbst ein Bild machen

Das sei auch das erklärte Ziel der Kreisverkehrswacht, betont Jürgen Schlichting. Er zeigt sich erleichtert, dass Verantwortliche aus der Kreisverwaltung und aus Norderstedt nicht die aus seiner Sicht „vorgefertigte Meinung“ über das Projekt übernehmen, sondern sich selbst ein Bild machen wollen, wenn der Zug demnächst in Deutschland Station macht.

Heike Hiltrop

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