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Segeberg Gedenkstein für Naziopfer Selig gefordert
Lokales Segeberg Gedenkstein für Naziopfer Selig gefordert
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06:00 16.08.2019
Das Grab von Emil Selig wurde nach über 84 Jahren aufgelöst. Gefordert wird jetzt ein Gedenkstein für das erste Opfer der Nazis in Bad Segeberg. Quelle: Glombik
Bad Segeberg

Über Emil Waldemar Selig der 1934 von den Nazis in den Selbstmord getrieben wurde, kommen durch intensive Recherchen nach dem Verschwinden des Grabsteins immer mehr Informationen ans Licht. Jetzt stellt sich heraus, dass Selig zwar jüdischer Abstammung war, aber aus einem christlichen Elternhaus stammte. Er war kurz nach der Geburt getauft worden. Das hat inzwischen Bad Segebergs Stadtarchivar Dr. Georg Asmussen in einer Internetrecherche herausgefunden, berichtete Günther Gathemann den LN. Er ist Experte für die lokale Kirchengeschichte. Die Eltern von Selig waren danach schon getaufte Christen und stammten aus dem dänischen Apenrade.

Bad Segeberger Nazi-Propst ging zur SS

Trotz seines christlichen Glaubens und Verankerung in der Bad Segeberger Kirchengemeinde blieb Selig vom Terror der hiesigen Braunhemden nicht verschont, zumal bis 1934 auch der berüchtigte Nazi-Propst Ernst Szymanowski in Bad Segeberg das Sagen hatte. Der war gleichzeitig Kreisschulungsleiter der NSDAP. Er verließ nach internen Querelen Bad Segeberg, ging zur SS und wurde später in der Ukraine zum Kriegsverbrecher und Massenmörder. Von einer Bad Segeberger Kirche in diesem Zustand hatte Selig im Jahr 1934 keine Hilfe oder Solidarität zu erwarten.

. Quelle: Irene Burow

Wie berichtet, war der Selbstmord des Anwalts eindeutig auf den Nazi-Terror in Bad Segeberg zurückzuführen. Der gerade bei der Landbevölkerung rund um Bad Segeberg beliebte Anwalt habe nach Hitlers Machtergreifung 1933 um seine Anwaltslizenz gekämpft. Klienten waren sogar am Betreten der Kanzlei gehindert worden. Mai 1934 brachte er sich in seiner Privatwohnung am Klosterkamp mit Gas um. Das Interesse an diesem ersten Opfer des Naziterrors in Bad Segeberg wurde jüngst geweckt, weil die Friedhofsverwaltung den Grabstein der Familie Selig offenbar versehentlich beseitigt hatte.

Günther Gathemann erklärt nun, dass das Grab als nicht erhaltenswert galt, es deshalb nicht an das Kieler Innenministerium gemeldet worden war. Denn Selig war in einem Familiengrab bestattet worden ist. Derartige Gräber könnten nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht zu geschützten Gräbern erklärt werden, so Gathemann. An Seligs Grabstätte waren 1958 und 1963 noch drei Frauen beigesetzt worden. Demgegenüber hat der verstorbene Buchautor Friedrich Gleiss in seinem 2002 erschienen Buch über jüdisches Leben geschrieben, dass die Kirchengemeinde Segeberg den Grabstein „erhalten will“. Dieses Versprechen hat sie offenbar nicht erfüllt.

Kirche will jetzt an die Nazigreuel erinnern

Gedenkstein für Selig gefordert: Günther Gathemann Quelle: Glombik

Doch inzwischen sei man bei der Kirche einsichtig, die Geschichte aufzuarbeiten und für Selig als Mitglied der Kirchengemeinde einen Gedenkstein aufzustellen, kündigt Gathemann gegenüber den LN an. Für ihn sei es unerlässlich, dort an die Nazigreuel zu erinnern. Inzwischen haben sich Peter Sauer und Axel Winkler, die den Schwund zahlreicher Grabsteine wegen der Auflösung alter Grabstätten beklagen, bereit erklärt, den Friedhof auf unbedingt erhaltenswerte alte Gräber zu überprüfen. Wie berichtet, hatte sich der Friedhofsverwalter beklagt, hier am Beispiel des Naziopfers Selig nicht informiert worden zu sein.

Aufgeklärt werden muss offenbar auch über die Kirchengeschichte in Bad Segeberg unter Propst Szymanowski. In einigen Kirchen saßen offenbar die Scharfmacher. „Er war ein Rüpel ohne großen Intellekt“, berichtet Gathemann den LN. Nach seinem Ausscheiden als Propst ging der Geistliche ins Reichskirchenministerium, später zur SS, trat zwischenzeitlich aus der Kirche aus, leitete später als Chef des Einsatzkommandos Rostow die Hinrichtungen von 2000 bis 3000 Menschen, darunter viele Juden. Stephan Linck hat ein Buch über den Umgang der Evangelischen Kirche mit der NS-Vergangenheit geschrieben. Szymanowski gestand den Massenmord nach dem Krieg ungerührt, wurde zum Tode verurteilt und musste dennoch nur acht Jahre absitzen. 1958 wurde er zeitweise in der Kirche wieder angestellt, obwohl man wusste, was er in der Ukraine angerichtet hatte. Er war damals nicht der einzige Nazi-Geistliche im Kreis: Chronist Axel Winkler berichtet, dass hier schon lange vor der Machtergreifung Hitlers Pastoren in und um Bad Segeberg Hakenkreuzfahnen weihten.

Von Wolfgang Glombik

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