Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Gefährlich für Hühner, gemütlich für Gäste
Lokales Segeberg Gefährlich für Hühner, gemütlich für Gäste
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 02.11.2019
Chabos sind japanische Zwerghühner. Nach denen benannte Dieter Lütjens sein Lokal in der kleinen lauenburgischen Gemeinde Borstorf. Quelle: Norbert Dreessen
Borstorf

So ganz leicht sei sein Lokal nicht zu finden, sagt Dieter Lütjens, der Wirt des Restaurants Chabos: „Wir liegen in der Mitte von gar nichts“, erklärt er schmunzelnd. Etwas präziser geht es aber schon: Der frühere Bauernhof befindet sich am westlichen Rand des 300-Seelen-Dörfchens Borstorf, knapp zehn Kilometer von Mölln entfernt.

Das Haus wurde 1813 erbaut, etliche Jahre später wurde noch ein Kuhstall angefügt. Ende der 90er Jahre gab der letzte Landwirt, der hier lebte und arbeitete, den Hof auf. Das Gebäude stand erst einmal leer.

Heimweh nach Norddeutschland

Zu jener Zeit hatten Dieter Lütjens und seine Frau Ulrike gerade ihre Zelte in Deutschland abgebrochen und waren auf ihre Trauminsel Mallorca umgezogen. Doch dann wurde bei Ulrike Lütjens das Heimweh so groß, dass die gebürtige Bremerin zurück nach Norddeutschland wollte. Durch eine Zeitungsanzeige wurde die Familie auf das Objekt in Borstorf aufmerksam, besichtigte es – und unterschrieb ohne langes Zögern den Kaufvertrag.

Der Zustand des Gebäudes war allerdings beklagenswert, so dass von Anfang 1999 bis Mitte 2000 erst einmal eine grundlegende Sanierung anstand. Unter Denkmalschutz stand das Haus nicht, so dass die neuen Besitzer beim Umbau weitgehend freie Hand hatten.

Dieter Lütjens ist Klempner von Beruf und auch sonst handwerklich sehr begabt, also konnte vieles in Eigenarbeit erledigt werden. Im Juni 2000 war es schließlich so weit: Vier Wohnungen waren in das Haus eingebaut worden, eine davon bezogen die Eigentümer selbst. Und dann war da noch die große Diele samt einiger Nebenräume, die zu einem Café wurden, in dem es aber auch gute Weine zu trinken gab.

Aus dem „Hühnerhof“ wurde das „Chabos“

„Hühnerhof“ hieß das Lokal zunächst, doch nach zwei Jahren wurde es in „Chabos“ umbenannt. Das wiederum sind japanische Zwerghühner, die einige Zeit auch zur Belustigung der Gäste in größerer Zahl auf dem Hof herumliefen, doch leider einigen Füchsen aus der Gegend zu gut schmeckten. „Inzwischen halten wir nur noch zwei alte Hähne, die sind dem Fuchs wohl zu zäh“, erzählt Dieter Lütjens.

Zwerghühner aus Japan

Chabos sind aus Japan stammende Zwerghühner. Sie sind vor allem bei Kindern und Hobbyhaltern beliebt, weil sie sehr zutraulich werden können. Chabos werden auch gerne in Stadtgärten oder Siedlungen gehalten, weil die Hähne aufgrund ihrer Größe ein ziemlich leises Krähen von sich geben. Bei den friedlichen Chabos kann man auch mehrere Hähne halten, da es unter ihnen fast nie zu Streitigkeiten kommt.

Die Hennendieser Rasse, die seit etwa 150 Jahren auch in Deutschland verbreitet ist, werden nur 500 bis 600 Gramm schwer, die Hähne etwa 100 Gramm schwerer. Auffallend an diesen Hühnern sind vor allem ihre sehr kurzen Beine, mit denen sie sich langsam und zugleich watschelnd fortbewegen.

Auch das Café-Konzept wurde verändert, heute ist das Chabos ein Restaurant, das sich auf Steaks vom Grill und typisch spanische Tapas spezialisiert hat. Die Weine spielen aber immer noch eine wichtige Rolle, wie der Wirt betont: „Dem Wein gilt unsere besondere Leidenschaft. Deshalb haben wir das Sortiment mit Sorgfalt ausgewählt und beziehen unsere deutschen Weine direkt von ausgewählten Spitzenwinzern, unsere guten spanischen Weine über einen spanischen Direktimport“.

Speisen im Gülle-Behälter

Lütjens legt Wert darauf, dass in seinem Haus „nichts von der Stange ist“. Jeder Stuhl, jeder Tisch und jede Lampe sind ein Unikat, vieles von der Gastgeberfamilie selbst geschaffen. Zahlreiche dunkle Balken sorgen für eine gemütliche Atmosphäre, Wärme spendet zusätzlich ein knisternder Kamin. Bei schönem Wetter können Besucher jedoch auch draußen sitzen – in einem aufgeschnittenen ehemaligen Gülle-Behälter. So etwas findet man ja auch nicht alle Tage.

Geöffnet ist das rustikale Restaurant nur freitags, sonnabends und sonntags ab 17.30 Uhr. Gruppen, die hier feiern möchten, können aber auch andere Zeiten buchen. Die Gäste kommen vor allem aus den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn sowie aus Hamburg. Das Haus „in der Mitte von gar nichts“ wird doch von erstaunlich vielen Kunden gefunden.

Von Norbert Dreessen

Mit den Nazis endete das friedliche Leben der jüdischen Bürger. Axel Winkler zeigt das in seiner Ausstellung am Beispiel der Bad Segebergerin Selly Baruch und ihrer drei Geschwister, die alle umgebracht wurden.

02.11.2019

Viele Menschen haben Angst vor schlecht beleuchteten Straßen. Durch neue LED-Lampen sollen Städte wie Bad Segeberg und Bad Oldesloe bald heller werden – und jede Menge Energie einsparen.

01.11.2019

Auf dem Festplatz in Kaltenkirchen gehen am Sonnabend 50 Teams aus ganz Deutschland an den Start der 50. ADAC Rallye Atlantis. Mit vielen verschiedenen Automarken und Typen und dem letztmaligen Gewinnerteam.

01.11.2019