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Segeberg Showdown auf der Felsenburg
Lokales Segeberg Showdown auf der Felsenburg
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22:10 25.06.2018
Gefahr auf der Felsenburg: Aber Winnetou meistert natürlich die brenzlige Situation.
Gefahr auf der Felsenburg: Aber Winnetou meistert natürlich die brenzlige Situation. Quelle: Fotos: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Für Karl-May-Verhältnisse ungewöhnlich gerät schon der Einstieg, wenn sich ein vermeintlicher Zuschauer ins Stadion verirrt und in einen Dialog mit der Off-Stimme des Erzählers tritt. Tapsig, mit Popcorntüte in der Hand, staunt er über die Kulisse, schwärmt davon, selbst gerne einmal bei einem Karl-May-Abenteuer mitzuspielen. So passiert es dann auch. Durch einen Theatertrick steht der Zuschauer, gespielt von Patrick L. Schmitz, eine Sekunde später in der Uniform des Polizeichefs José Sancho Gonzales aus dem mexikanischen Örtchen Guaymas auf der Bühne und die eigentliche Handlung beginnt. Eine an sich charmante Idee, die aber im späteren Verlauf nicht wieder aufgegriffen wird und dadurch etwas in der Luft hängen bleibt.

Die bewährte, inzwischen fast zur Perfektion gebrachte Formel aus Action, Comedy, Romantik und etwas Pathos funktioniert auch bei der neuen Inszenierung „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ wieder tadellos, sogar ein paar neue Wege werden gegangen. Im Detail offenbarte die Premiere aber auch kleine Schwächen.

Tickets

Bis zum 2. September wird „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ gespielt.

Tickets gibt es unter www.karl-may-spiele.de oder telefonisch unter 01805/952111. Karten kosten zwischen 18,50 und 29,50 Euro für Erwachsene, Kinder und Gruppen günstiger.

Über jeden Zweifel erhaben sind aber die Show-Effekte. Hier haben sich die Macher ordentlich ins Zeug gelegt und sogar im Vergleich zur spektakulären Inszenierung des vergangenen Jahres noch eine Schippe draufgelegt. Der finale Sturm auf die namensgebende Felsenburg, wenn an allen Ecken und Enden der Bühne etwas passiert, ein Turm einstürzt, eine Dampflok explodiert, es brennt, knallt und raucht, dürfte wohl eine der aufwendigsten Szenen in 67 Jahren Spiele-Geschichte sein. Und dass der große Schluss-Stunt einmal den Helden und nicht den Schurken vorbehalten ist, bedeutet eine kleine Neuheit am Kalkberg.

Die Darsteller machen ihre Sache allesamt solide. Jochen Horst als Harry Melton und Christine Neubauer als Judith Silberstein geben ein wirklich fieses Schurkenpärchen ab, das in Sachen Brutalität und Kaltblütigkeit hart an die Grenze dessen geht, was einem Familienpublikum zumutbar ist. Diverse Leichen pflastern ihren Weg. In starkem Kontrast dazu steht das Comedy-Duo aus Schmitz und seinem „Gegenspieler“ Stephan A. Tölle als Statthalter Jurisconsulto, das das ernste Geschehen auflockert. Ihre Komik gleitet zwar bisweilen in comicartigen Slapstick ab. Mit Blick auf die vielen Kinder unter den Fans geht das aber in Ordnung. Den inzwischen obligatorischen Part der jungen, selbstbewussten Schönen und ihres heldenhaften Verehrers übernehmen Melanie Böhm als Felisa und Sascha Hödl als Indianerkrieger Yuma Shetar. Daneben gibt es noch den „bösen“ Indianer Veta-Ya (Nicolas König) und den Falschspieler Player (Fabian Monasterios), die ebenfalls ihre eigenen Ziele verfolgen.

Trotz der vielen Figuren ist die Handlung stringent und spannend erzählt. Bei all dem Darsteller-Gewimmel geraten die eigentlichen Helden Winnetou und Old Shatterhand, routiniert gespielt von Jan Sosniok und Joshy Peters, jedoch fast zu Randfiguren. Zwar sind sie es, die am Ende den Tag retten und einige starke Auftritte haben. Das Drehbuch verlässt sich aber zu sehr auf ihren Mythos, ohne ihnen genügend Zeit einzuräumen. Das geht zulasten der emotionalen Bindung.

Auch bei der Musik wäre weniger mehr gewesen. Als Gefühlsverstärker spielt die Szenenmusik nämlich oft und dominant. Von der berühmten Winnetou-Melodie abgesehen erzeugt sie allerdings kaum Stimmung und wirkt beliebig. Weniger 08/15 und mehr Ennio Morricone würden hier Wunder wirken.

Das ist aber Kritik auf hohem Niveau. Die „Felsenburg“ ist sicher nicht das stärkste aller Karl-May-Bühnenstücke, enttäuscht aber auch nicht. Die Zutaten für eine erfolgreiche Saison sind in jedem Fall wieder ausreichend vorhanden.

Keine Friedenspfeife für Daniel Günther

Als Kind habe der Besuch der Karl-May-Spiele für ihn zum „Standardprogramm“ gehört, sagte CDU-Ministerpräsident Daniel Günther. An der Seite von Kalkberg-GmbH-Geschäftsführerin Ute Thienel und Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) durfte Günther nun erstmals den Schuss zur Eröffnung abgeben. An den Souvenirständen hätte er gern eine Friedenspfeife gekauft, sagte er. „Es gab aber nur Kriegsbeile. Und von denen haben wir derzeit leider genug“, spielte er auf den aktuellen Regierungszoff zwischen CDU und CSU an.

Neben Günther waren auch weitere Prominente im Stadion. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) war ebenso dort wie Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) und einige Schauspieler aus vergangenen Stücken, darunter Oliver Strietzel, Tim Demtröder und Tanja Schumann. Ein Weltstar war aber auch dabei: Renato Casaro, Schöpfer zahlreicher legendärer Filmplakate (Der mit dem Wolf tanzt, Rambo III, Es war einmal in Amerika) und seit 1993 auch Zeichner der Karl-May-Plakate.

Die 7500 Premierengäste erlebten trotz kühler Temperaturen, Sprühregen und leichter Smartphone-Ablenkung wegen des parallel laufenden Deutschland-Spiels einen schönen Abend. Musikalischer Gast war der deutsche Tenor Volker Bengl, der zum Abschluss-Feuerwerk seinen Titel „Vorhang auf“ sang.

ov

LN