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Segeberg So gefährlich ist es im Löwenkäfig von Circus Krone
Lokales Segeberg So gefährlich ist es im Löwenkäfig von Circus Krone
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20:18 23.08.2019
Eine Gefahr ist immer dabei: Martin Lacey mit 16 Löwen in der Arena. Quelle: Felix König
Bad Segeberg

Standing Ovations im Bad Segeberger Zirkuszelt: „2000 Besucher ist ein guter Schnitt für den Auftakt“, sagt Krone Sprecher Andreas Kielbassa in der Pause Donnerstag. „Wir kommen wieder.“ Werktags sei erfahrungsgemäß weniger los. Die Verkaufszahlen kündigen für dieses Wochenende mehr Besucher an. „Da freut man sich. Dann wissen wir, dass sich all die Mühe gelohnt hat.“

Tausende wollen die Geschichte erleben. Und die Löwen. Werden alle dasselbe sehen? Als Martin Lacey jr. am Donnerstag seine Tiere in die Manege führt, kann man staunen. Nur über die pure Anwesenheit so vieler Raubtiere auf engstem Raum. „Wir bitten alle Personen in der ersten Reihe, sich zurückzulehnen“, kündigt die Lautsprecherstimme an. „Kinder werden gebeten, ihre Plätze nicht zu verlassen.“

Löwen im Angriffsmodus?

Die schützenden Gitter werden hochgezogen. Die Löwen, zumeist Weibchen, nehmen ihre Plätze ein. Mehr oder weniger. Sie laufen im Kreis und springen über Requisiten. Zwischenzeitlich wird die Stimmung beängstigend: Ihr Fell ist gesträubt. Die Löwen beobachten genau. Sie sind im Angriffsmodus.

Premiere der Show „Mandana“

Es folgen lautes Gebrüll, Anlauf auf den Tiertrainer und der Versuch, ihn mit den Pranken zu treffen. Mehrfach springt der Zirkusdirektor deutlich zurück und wird laut. Sehr laut. Als es scheinbar etwas viel wird, legen sich die Tiere nebeneinander. Der Gruppenauftritt ist vorbei. Fast wirkt es wie ein Plan B.

„Kein Tag in der Manege ist gleich“, sagt Tourneeplaner Hans-Ludwig Suppmeier. Er ist 30 Jahre im Geschäft. „Es ist auf jeden Fall gefährlich.“ Auch wenn die Tiere ein Leben im Zirkus gewohnt sind, ist höchster Respekt gefragt. „Wenn Löwen ihre Krallen ausfahren, hat man es mit fünf Dolchen zu tun.“ Er sagt aber auch: „Eine echte Eskalation könnte man nicht mehr unter Kontrolle bringen. Das wäre nicht mehr händelbar.“ Also ist alles nur Show?

Exklusiv: Videoszenen aus Circus Krone 

„Es ist alles Show“, sagt Krone-Sprecher Andreas Kielbassa. Jedes Tier agiert nach seinem Charakter. „Der eine Löwe springt lieber, der andere greift eher an“, erklärt er – wie „King Tonga“. „Clio“ kuschelt lieber. Anderen kommt man besser nicht zu nahe.

„Vertrauen zwischen Mensch und Tier“

Und Löwen-Männchen „Baluga“ sitzt nicht ohne Grund auf dem Podest. Er ist gemächlich, um nicht zu sagen, der Faulste von allen. Und nicht ohne Grund rollt eben jener sich zum Schluss in der Manege, völlig unbeeindruckt von Martin Lacey, der sich „mutig“ auf ihn legt.

Löwe „Beluga“ gähnt: Das ist kein Zufall. Quelle: Agentur 54°

So gibt es zwei Betrachtungsweisen: Reißt „Baluga“ sein Maul auf, kann das durchaus als Zähnefletschen gedeutet werden. Oder als Gähnen. Doch eigentlich macht er es nur, weil sein Tiertrainer es ihm vormacht. Mit dem Rücken zum Publikum fällt das nur nicht auf. „Das ist Königsklasse. Wir haben es mit einem absoluten Vollprofi zu tun“, erinnert Andreas Kielbassa. „Es ist das Ergebnis von Vertrauen zwischen Mensch und Tier.“

Verletzt worden sei Martin Lacey noch nie. Gefährlich wurde es nur einmal, als er in Monte Carlo stolperte. „Alles hängt davon ab, ob er selbst einen Fehler macht.“ Bewusst sei er sich immer: „Raubtier bleibt Raubtier.“ Sollte es wider Erwarten anders kommen, gebe es ein Sicherheitskonzept. Zum Beispiel öffnen sich die Tore zu den Gehegen. Denn nichts sei gefährlicher, als den Tieren nahe zu sein, wenn sie es nicht wollen.

Die Show von Martin Lacey ist laut Krone die größte Raubtiernummer der Welt. Das kann man gut finden – oder auch nicht. Es ist jedoch nur ein Höhepunkt vom aktuellen Programm „Mandana“. Bis zum Einmarsch der Löwen spielen die Tiere insgesamt sogar eher eine untergeordnete Rolle.

Löwen stehlen Hochzeitsfinale die Show

Schnell im Gedächtnis bleibt „Magier“ Steve Eleky aus Ungarn. Wohl kein anderer Artist im Ensemble kann so gut überzeugen, ohne tatsächlich etwas Verblüffendes zu zeigen. Seine Parodie auf sich selbst ist hinreißend komisch.

Wer wissen möchte, wie man mit elf Bällen jongliert oder was Clowns unterm Schottenrock tragen, kann sich die Show in Bad Segeberg noch bis Montag ansehen. Wer jedoch auf die groß angekündigte Traumhochzeit zwischen Pferdeprinzessin und Löwenprinz hofft, könnte enttäuscht werden: Die Löwen stehlen dem Finale die Show, das mit dem Ausmarsch des Ensembles verschwimmt.

Weitere Vorstellungen

Weitere fünf Shows sind geplant: Am Sonnabend um 16 und 20 Uhr, Sonntag um 14 und 18 Uhr. Am Montag, 26. August, findet nur die 16 Uhr-Show statt. Familien zahlen am 23. August um 16 Uhr den halben Preis. Tickets kosten zwischen 16 und 55 Euro. Karten gibt es auch in der Geschäftsstelle von Lübecker Nachrichten und Basses Blatt in der Kurhausstraße Bad Segeberg. Telefon: 045 51/9 90 00. Nächster Gastspielort ist Neumünster – ab 28. August.

Wer mehr wissenmöchte über das Leben im Zirkus oder die Tierhaltungsbedingungen kann täglich von 10 bis 13 Uhr kostenlos den „Krone-Zoo“ besuchen. Zoodirektor Martin Lacey jr. beantwortet alle Fragen.

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