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Segeberg So groß wird das Werner-Rennen
Lokales Segeberg So groß wird das Werner-Rennen
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21:48 04.06.2018
2018: Rötger „Brösel“ Feldmann gegen Holger „Holgi“ Henze (r.). Wer gewinnt diesmal? Quelle: Hfr
Hartenholm/Wacken

Es werde „ein größeres Fass aufgemacht, als für sonst ein Festival in Europa“, kündigt Bastian Ohrtmann, Projektleiter für das Werner-Rennen beim Veranstalter ICS in Wacken (Kreis Steinburg), im Gespräch mit den LN an. Allein die Verkehrsplanung gehe deutlich über das normale Maß hinaus. Genaue Details, wie die Zehntausenden erwarteten Festival-Besucher zum Gelände gelotst werden sollen, will Ohrtmann zwar noch nicht preisgeben, das soll zuerst den Anwohnern mitgeteilt werden. Zudem sei auch das Genehmigungsverfahren in dem Punkt noch nicht abgeschlossen. Nur soviel: „Wir wollen die B 206 für die Dauer des Festivals sperren.“ Der Durchgangsverkehr, insbesondere der zwischen A 20, A 21 zur A 7, solle dann großräumig umgeleitet werden. Ziel sei, den Gästen die bequeme An- und Abreise zu ermöglichen und Verkehrsbehinderungen in der Region zu vermeiden.

Eine provisorische Fußgängerbrücke über die B 206, wie sie beim Werner-Rennen 1988 gebaut worden war, sei allein aus Gründen der Sicherheit nicht praktikabel. Das Festivalgelände erstreckt sich an beiden Seiten der Bundesstraße. Besucher sollen die Möglichkeit haben, schnell und gefahrlos überall hinzukommen.

Das größte europäische Motorsportfestival steigt weder am Nürburgring noch in Monaco, sondern ab 30. August im Kreis Segeberg: Das Werner-Rennen soll ein viertägiges Ausnahme-Event werden. Den LN gaben die Veranstalter vorab einige neue Einblicke.

Apropos Besucher: 200000 wie bei der ersten Auflage von 1988, die die Gegend um den Flugplatz Hartenholm für Tage ins Chaos stürzten (die LN berichteten mehrfach), werden es definitiv nicht werden. „Die absolute Obergrenze liegt bei 70 000“, stellt Ohrtmann klar. Eine solche Zahl könne auf den gemieteten und reservierten Ackerfläcken campieren. „Realistischerweise werden wir diese Zahl aber nicht erreichen.“ Nach derzeitigem Stand werde sich die finale Besucherzahl an den vier Festivaltagen zwischen 45000 und 50000 bewegen. Dazu kommen allerdings noch einige tausend Teilnehmer der verschiedenen Rennveranstaltungen inklusive Tross – 1100 Fahrzeuge sind gemeldet – sowie 3500 bis 4000 Frauen und Männer Personal für Organisation, Aufbau, Gastronomie, Reinigung, Service und Sicherheit.

Dass 2018 ein anderer Wind weht als noch 1988, verraten bereits die Preise. Vor 30 Jahren war die Karte für das Festival für 55 Mark zu haben. 2018 werden 149 Euro verlangt – für vier Tage inklusive Camping und Parkplatz. Das ist aber nur Minimum. Auf einem separaten Campingbereich, dem „Nobelacker“, stehen auch bequeme Hütten zum Preis von 1319 Euro zur Verfügung. Dazu gibt es kostenpflichtige Extras wie der „Kasten Bölkstoff“ (30 Euro), eine Fleecedecke (29 Euro) oder der Zugang zum Fahrerlager (25 Euro). Auch wilde 80er-Jahre-Rocker werden offenbar älter und gemütlicher. „Der Nobelacker wird tatsächlich sehr gut angenommen“, sagt Ohrtmann. Denn insgesamt sei die Zielgruppe auch ein eher älteres Publikum, verglichen zum Beispiel mit dem Hurricane-Festival oder Rock am Ring.

Klicken Sie hier, um die ersten bestätigten Bands zu sehen, die beim "Werner"-Rennen 2018 in Hartenholm auftreten werden.

Als Menetekel schwebt das Werner-Rennen ’88 aber noch heute drohend über Hartenholm und Hasenmoor. „Nie wieder ein Werner-Rennen oder Ähnliches in unserer Gegend!“, steht zum Beispiel noch in der Dorfchronik von Hasenmoor geschrieben. Klaus-Wilhelm Schümann, Bürgermeister der Gemeinde, sieht die Dinge nach anfänglicher Skepsis inzwischen entspannter, zumal auch die Jüngeren in der Gemeindevertretung ausnahmslos dafür waren. Er ist überzeugt: „Die Leute wissen, was sie tun.“ Auf Einladung des Veranstalters ICS hätten sich er und andere aus dem Dorf im vergangenen Jahr beim Wacken-Open-Air selbst davon überzeugt, wie professionell so ein Festival heutzutage organisiert sei. „Ich sehe deshalb nicht, warum das bei uns anders werden sollte.“ Die Skepsis sei aus Hasenmoor allerdings nicht ganz verschwunden. „Gerade bei denen, die direkt am Flughafen wohnen, gibt es noch Sorgen“, sagt Schümann. „Wir haben da schon sehr kontroverse Diskussionen geführt.“ Ein Riss durchs Dorf gehe deshalb aber nicht.

Projektleiter Ohrtmann versucht, die Sorgen zu zerstreuen, Teile des Wachschutzes seien eigens für die Anwohner abgestellt. Während des Festivals werde die Organisation für die Bewohner zudem jederzeit erreichbar sein, um eventuell auftretende Probleme sofort abzustellen. Auch die Segeberger Polizei bereitet sich für Ende August auf einen Großeinsatz rund um Hartenholm vor. Mit wie vielen Beamten die Polizei auflaufen werde, konnte Dirk Scheele, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg, noch nicht sagen. Die Planungen liefen zurzeit noch.

Werner-Erfinder Rötger „Brösel“ Feldmann sei übrigens in die Organisation eng eingebunden, sagt Bastian Ohrtmann. Er kümmere sich vor allem darum, dass an den vier Tagen das richtige Werner-Feeling wie damals 1988 aufkomme. Wie damals wartet auf den Verlierer des ewigen Duells zwischen Holgis Porsche und Brösels „Red Porsche Killer“ übrigens wieder der Schmähturm – und der Bewurf mit „Katzenscheiße“.

Diese Bands und Künstler sind schon dabei

Knapp 70 verschiedene Bands und Interpreten sind für das Werner-Rennen bereits verpflichtet, der ein oder andere „große Name“ könnte in den nächsten Wochen noch dazu kommen, kündigt die Veranstaltungsfirma ICS in Wacken an. Als bisherige Top-Acts während des Festivals sind die Kölschrocker von „Niedeckens BAP“ dabei, „Fury in the Slaughterhouse“, „Santiano“, Comedy-Altstar Otto Waalkes und seine Friesenjungs, Roger „Chappo“ Chapman, „Queen of Metal“ Doro Pesch, „Extrabreit“ und die Männer von „Torfrock“.

Außerdem: „Stahlzeit“, „Hämatom“, Daniel Wirtz, „Russkaja“, „Rose Tattoo“, „Knorkator“, „Betontod“, „Flogging Molly“, „Kornfield“, „Heavysaurus“, die „Kneipenterroristen“, „Kapelle Petra“, „Mambo Kurt“, „Bar B.Q.“, „Waltons“, „Bruuce“ (Bruce-Springsteen-Cover), „Heart of Stones“ (Rolling-Stones-Cover), „Fischer-Z“, „Quo“ (Status-Quo-Cover), „D-A-D“, „Kaiser Franz Josef“, „Lotto King Karl“, „Big Country“, „Stanfour“, „Wohnraumhelden“, Uli Jon Roth, „Tanzwut“, „Dr. Feelgood“, „Mr. Hurley und die Pulveraffen“, „Ohrenfeindt“, „John Diva & The Rockets of Love“, „Beyond the Black“, Björn Paulsen, „Cliff Barnes and the Fear of Winning“, „Cab Trouble“, „Blaas of Glory“, „Serum 114“, „Torpus & The Art Directors“, „Bröselmaschine“, „Bannkreis“, „Hanns Wendt Band“, „Da Rocka & Da Waitler“, „The Linewalkers – a Tribute to Johnny Cash“, „Die Kassenpatienten (Ärzte-Cover), „Illegal 2001“, „Zöller und Konsorten“, „Hannes Bauers Orchester Gnadenlos“, „The New Roses“, „The Rockit Bäähm“, „Fro-Tee Slips“, „Coverment“, „Tears for Beers“, „Dirt-a-Gogo“, „Skyline“, „Drunken Swallow“, „Antiheld“, „Dead Shepherd“, „Nerd School“, „Jeden Tag Silvester“, „Stinger, „Die Muskelscheine“

und – last not least – der Feuerwehrmusikzug Hartenholm.

 Oliver Vogt