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Segeberg So wirkt sich der Klimawandel im Kreis Segeberg aus
Lokales Segeberg So wirkt sich der Klimawandel im Kreis Segeberg aus
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10:27 27.08.2019
Die Striche zeigen die Abweichung von der Jahrestemperatur. Quelle: GreenAdapt/hfr
Segeberg

Die Herbststürme 2017 waren massiv. Im vergangenen Jahr 2018 kam erst die Dürre, und Starkregenereignisse häuften sich. Die Auswirkungen sind sichtbar. Und auch messbar: Der Kreis Segeberg hat den Klimawandel vor der Haustür analysieren lassen, um besser gewappnet zu sein. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des 80-seitigen Berichts:

Ist es wärmer geworden im Kreis Segeberg?

Zwar schwanken die Werte naturgemäß jährlich. Doch der Trend ist: Die mittlere Jahrestemperatur nimmt deutlich zu. Statistisch gesehen ist es zwischen 1951 und 2018 jährlich um 0,025 Grad Celsius wärmer geworden. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,6 Grad. Im Jahr 2014 war die Jahresmitteltemperatur im Kreis am höchsten – gefolgt vom Jahr 2018.

Sie werden sichtbar durch Stürme, Hitze, Blitzschlag

Wann war es am heißesten?

Die heißesten Sommer gab es 1997, 2003, 2006 und 2018. Der kälteste Sommer ist schon über hundert Jahre her: 1907. Die Zahl der Eistage nimmt hingegen stetig ab. Es ist ein jährlicher Rückgang von 0,15 Tagen mit Höchsttemperatur unter dem Gefrierpunkt zu verzeichnen.

Regnet es mehr?

Der mittlere Jahresniederschlag hat nur leicht zugenommen. Deutlich auffälliger sind in diesem Zusammenhang die trockenen Jahre: 2018 zählt dabei zu den drei trockensten Sommern seit 140 Jahren. Es fielen lediglich 109 Millimeter Niederschlag – etwa die Hälfte der üblichen Menge. Lediglich in den Sommern 1976 und 1983 war die Menge mit 82 und 67 Millimetern noch geringer. In wärmeren Wintern fällt der Niederschlag zudem häufiger in Form von Regen. Die Tage mit Schneefall gehen deutlich zurück: um 0,3 Tage pro Jahr.

Neben Hitze zählt Starkregen zu den Hauptthemen des Klimawandels im Kreis Segeberg. Quelle: dpa

Welche Folgen sind zu erwarten?

Ohne nennenswerte Bemühungen zum Schutz des Klimas könnten bis zum Jahr 2100: die Jahresmitteltemperatur in Segeberg um 3,8 Grad steigen, der Jahresniederschlag um zwölf Prozent zunehmen und Kälteereignisse um 85 Prozent abnehmen. Bei Hitzeereignissen ist laut Risikobericht eine Steigerung um bis zu 435 Prozent möglich, Starkregentage könnten sich mehr als verdoppeln. Hitze und Starkregen sind die Hauptthemen.

Mit welchen Regionen ist das vergleichbar?

Die Gutachter haben sogenannte Klimaanaloge ermittelt. Das sind Regionen, in denen jetzt schon Werte vorherrschen, wie sie in Segeberg zu erwarten sind. Bei Temperatur und Niederschlag ist der Kreis mit der Region Antwerpen vergleichbar. Bei den Sommerwerten wird die Region Niederösterreich an der Grenze zur Slowakei genannt.

Welche Gemeinden in Segeberg sind besonders betroffen?

Es gibt räumliche Muster: Auffällig ist die Häufigkeit von Medienberichten über Extremwetterschäden in Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und in Bad Segeberg. Demnach sind die meisten Schäden durch Stürme entstanden. Vor allem der Südwesten des Kreises ist von Schäden durch Starkregen, wie Überschwemmungen, betroffen. Grund sind dem Bericht zufolge stärker versiegelte Flächen in den Gemeinden. Je mehr Einwohner, desto mehr Schäden. Aber auch in Schmalensee, Bornhöved und Groß Kummerfeld, in Wahlstedt, Klein Rönnau und Geschendorf, Itzstedt, Nahe und Seth sowie Großenaspe und Schmalfeld wurden in den vergangenen 20 Jahren mehrere Extremwetterschäden bekannt.

Wo ist das Hitzerisiko in Bad Segeberg am größten?

Mehrere größere Flächen haben einen sehr hohen Versiegelungsgrad. Dazu gehören laut Gutachten die Parkplatzflächen um Möbel Kraft, der Innenstadtbereich mit Hamburger Straße, Kirchstraße, Kurhausstraße und Marktplatz. Auch die Karl-May-Spiele sind im Fokus. „Nicht nur das Festspielgelände selbst, sondern insbesondere der Platz davor ist stark versiegelt“, heißt es. Das gilt genauso für die Flächen um die Supermärkte Kaufland, Edeka Burmester und Penny sowie den Busbahnhof.

Datengrundlage

Der Kreis Segeberg gilt als Vorreiter der Klimaanpassung in Schleswig-Holstein. Die Verwaltung hat seit 2014 das Klimakonzept „Anpassung an den Klimawandel“ aufgestellt. Darin sind 21 Maßnahmen formuliert, mit denen Klimawandel und Klimafolgen begegnet werden sollen. Eine davon ist die Risikoanalyse.

Dafür beauftragt wurde das Berliner Umweltplanungsbüro GreenAdapt Gesellschaft für Klimaanpassung. Zusammen mit Segebergs Kreisverwaltung, Stellungnahmen aus den Gemeinden und weiteren Fachleuten aus dem Kreis wurde die Analyse von September 2018 bis Juli 2019 erstellt. Die Auswertung wurde gefördert vom Bundesumweltministerium. In Zukunft sollen daraus Möglichkeiten abgeleitet werden, Risiken für Bürger und Umwelt zu minimieren.

Wo sind Risiken durch Starkregen in Bad Segeberg am größten?

Das Schadenrisiko gilt als relativ gering. Kritisch werden könnte es im Bereich des Städtischen Gymnasiums und rund um das großflächige Senkengebiet des Ihlsees. Ähnliches gilt für den Kleinen Segeberger See, der von einer bebauten Senke umgeben ist. In der Lübecker Straße könnte bei Starkregen der Verkehr beeinträchtigt werden. Eine Senke wurde zudem nördlich der B 206 auf Höhe der Geschwister-Scholl-Straße ermittelt – nahe der Kita Christiansfelde.

Diese Empfehlungen werden ausgesprochen

Dachbegrünungen, helle Oberflächen, Verschattungen und Wasserspiele können bei Hitze helfen. Genauso Entsiegelung und Pflanzen/Begrünung aller Art. Konkret werden Wasserläufe und Trinkbrunnen in der Innenstadt vorgeschlagen, eine überdachte Tribüne bei den Karl-May-Spielen, eine Unterführung zwischen Bahnhof und Zob sowie Kühlräume für Risikogruppen. Nachgedacht werden sollte darüber, große Ausfallstraßen wie B206 sowie Burgfeldstraße, Theodor-Storm-Straße, Hamburger Straße, Bramstedter Landstraße sowie Ziegel- und Eutiner Straße (wieder) zu Alleen umzugestalten. Notfallpläne für Überschwemmungen, Notwasserwege und Überschwemmungsflächen könnten Starkregenschäden vorbeugen. Bürger sollten generell gezielt aufgeklärt, die Datenlage für Rettungskräfte verbessert werden.

Hier geht es zur ganzen Analyse.

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