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Segeberg Somalier wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt
Lokales Segeberg Somalier wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt
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17:05 28.03.2019
Das Kieler Landgericht verurteilte den Angeklagten am Donnerstag. Quelle: dpa
Kiel/Boostedt

Die Jugendstrafkammer ging nach dreitägiger Beweisaufnahme davon aus, dass der 2015 über Schweden nach Norddeutschland eingereiste Afrikaner zunächst in Tötungsabsicht handelte, als er seinen älteren Landsmann nach gegenseitigen Provokationen plötzlich mit einem Messer oder langen Nagel in Richtung Hals und Gesicht stach.

Das Opfer war laut Urteil völlig arg- und wehrlos, als der Angeklagte während des eher harmlosen Wortgefechts um Dickleibigkeit, minderwertige Herkunft und Clan-Zugehörigkeit unbemerkt zur Waffe griff und zustach. In diesem Moment habe der Täter den Tod des erkennbar überraschten Gegners zumindest billigend in Kauf genommen, sagte der Vorsitzende Stefan Becker.

Laut Urteilsbegründung ging der Angeklagte heimtückisch vor – aus rechtlicher Sicht ein Mordmerkmal. Doch dann ließ er vom Opfer ab, obwohl er nicht davon ausgehen konnte, dass es bereits lebensgefährlich verletzt war: Der Verletzte konnte sich aufrappeln und ging langsam zur in Sichtweite gelegenen Polizeistation – ungehindert durch den Angeklagten, der weiter hätte zustechen können.

Rücktritt vom Tötungsversuch

Dieser freiwillige Rücktritt vom Tötungsversuch wirkt laut Gesetz strafbefreiend. Auch Staatsanwalt Benedikt Bernzen und Strafverteidiger Ralf Stelling gingen in ihren Plädoyers davon aus, dass der zur Tatzeit noch 20-Jährige nur wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen war. Die Anklage forderte drei Jahre Jugendstrafe, die Verteidigung zwei Jahre auf Bewährung.

Doch für Bewährung fehlte der Kammer die positive Prognose. Von dem durch die Flucht traumatisierten 21-Jährigen seien ohne Therapie weitere erhebliche Straftaten zu erwarten, sagte Becker. Der Kontrollverlust des für Alkohol und Drogen anfälligen Angeklagten stehe in keinem Verhältnis zu den vorausgegangenen Provokationen.

Zur Tatzeit ließ sich der Heranwachsende sogar völlig nüchtern zu seiner Attacke hinreißen, die „nur durch Zufall“ glimpflich für das Opfer ausging. Ein Stich in den Bauch eröffnete laut ärztlichem Befund den Magen. Ohne Not-Operation im FEK Neumünster hätten dem Schwerverletzten damals innere Blutungen oder eine tödliche Sepsis gedroht.

Abschiebung nach der Haft

Für den nicht vorbestraften Angeklagten sprach, dass er sich beim Opfer entschuldigt hatte. Zudem sei er psychisch deutlich belastet und besonders haftempfindlich, so das Urteil. Keine sozialen Bindungen, keine festen Strukturen, keine Sprachkenntnisse, keine Perspektiven.

Nach der Verbüßung seiner Haft muss er mit der Abschiebung rechnen.

Die präzise Darstellung seiner desolaten Lebensumstände und die persönliche Ansprache des Vorsitzenden in der ausführlichen Urteilsbegründung schienen den auf einen Dolmetscher angewiesenen Angeklagten zu beeindrucken.

Mehrmals nickte er zustimmend. Das Urteil nahm er an.

Thomas Geyer

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