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Segeberg Sparkasse Südholstein schaltet SB-Terminals ab
Lokales Segeberg Sparkasse Südholstein schaltet SB-Terminals ab
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20:00 20.05.2019
SB-Überweisungsterminal, Symbolbild Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Schöne neue Online-Welt. Die Möglichkeit, Bankgeschäfte vom heimischen Computer oder vom Smartphone aus tätigen zu können, macht das Leben heute durchaus leichter – und den Kundenservice für die Banken günstiger. Nur: Nicht alle, insbesondere ältere Menschen, wollen oder können mit dieser Technik auch umgehen, wenn sie zum Beispiel eine Überweisung tätigen müssen. Als Alternative – neben dem persönlichen Besuch am Schalter – stehen in vielen Filialen Selbstbedienungsterminals bereit. Das aber offenbar nicht mehr lange: Die Sparkasse Südholstein hat ihre Kunden jetzt darüber informiert, diese Terminals Mitte Juli in allen Filialen abzuschalten.

„Das ist für mich ein Unding“, sagt Sparkassen-Kunde Albrecht Schiller aus Bad Segeberg. Damit nicht genug, dass er von seinem Haus im Habichtshorst nun immer den weiten Weg in die Innenstadt machen müsse, weil die Filiale bei Möbel Kraft vor zwei Jahren geschlossen worden war. „Jetzt nehmen sie uns diese Möglichkeit auch noch weg, weil wir alle nur noch Online-Banking machen sollen“, kritisiert der 71-Jährige.

Sparkasse: Geändertes Kundenverhalten der Grund

Er selbst habe einen Computer mit Internet, das sei in seinem Fall nicht das Problem. „Aber Bankdaten will ich nicht auf meinem PC haben, das ist mir zu unsicher“, sagt Schiller. Und so wie ihm gehe es vielen, ist der Rentner überzeugt. Für die meisten Älteren sei Online-Banking einfach nichts. Die Terminals seien eine gute Alternative. „Da geht man hin, wann man möchte, steckt seine EC-Karte rein und macht seine Überweisung fertig.“

Die Sparkasse Südholstein bestätigt die Entscheidung auf LN-Anfrage. Insgesamt würden an den Standorten im Kreis Segeberg 22 dieser Geräte abgebaut. Man reagiere damit auf das in den vergangenen Jahren nachhaltig geänderte Kundenverhalten, die deutliche Mehrheit greife inzwischen per Online-Banking auf ihre Konten zu. „Unsere Selbstbedienungsterminals sind oft nur noch zu bestimmten Stoßzeiten richtig ausgelastet. Viele Banken und Sparkassen haben diese Geräte bereits abgebaut“, sagt Unternehmenssprecher Stephan Kronenberg. Hinzu komme, dass die Selbstbedienungsterminals zum Jahresende hin technisch nicht mehr unterstützt würden.

„Entscheidung ist seniorenunfreundlich“

„Das ist doch nichts weiter als eine Ausrede. Die EDV ist das Problem – wir können nichts dafür“, ärgert sich Jörn-Peter Dau, Vorsitzender des Seniorenbeirats in Bad Segeberg. Aus seiner Sicht habe das rein wirtschaftliche Gründe. „Die Automaten sind teuer, deswegen sollen sie weg.“ Er wisse von vielen, die diese Terminals benutzen. „Und ich selbst mache das auch.“ Diese Entscheidung sei seniorenunfreundlich, kritisiert der pensionierte Rechtsanwalt. Bei der nächsten Sitzung des Seniorenbeirats am Mittwoch werde man deshalb beraten, was man dagegen tun könne, kündigt Dau an.

Die Sparkasse sieht indes keine Nachteile für Kunden. Neben Online-Banking, dem klassischen Besuch am Schalter und das Ausfüllen von Überweisungs-Formularen per Hand gebe es inzwischen auch die Möglichkeit, viele Bankgeschäfte telefonisch zwischen 8 und 19 Uhr bei der sogenannten Online-Filiale zu erledigen, stellt Stephan Kronenberg klar.

Für Kunde Albrecht Schiller ist das nicht befriedigend. Er traut diesem Angebot nicht. „Es sieht doch niemand, wer dort anruft. Das kann ja irgendwer sein, der an die Kontodaten gekommen ist.“ Die Terminals seien dagegen durch die EC-Karte und die Pin-Nummer gesichert.

Auch telefonische Bankgeschäfte seien sicher, beruhigt Kronenberg. Es würde im Vorwege Passwörter festgelegt, um sicherzustellen, dass ein Anrufer auch der ist, der er vorgibt zu sein.

VR Bank Neumünster investiert in neue Geräte

Aber wie halten es andere Segeberger Banken? Bei der Raiffeisenbank Leezen gibt es solche Geräte überhaupt nicht. „Vor zehn Jahren hatten wir so ein Terminal in der Bad Segeberger Filiale“, sagt Vorstandsmitglied Annette Kaufhold. Das sei aber nur wenig genutzt worden. Als es defekt war, habe man es nicht ersetzt – und es sei von den Kunden auch nicht weiter vermisst worden.

Anders bei der Commerzbank Wahlstedt, die zwei Geräte vorhält. „Neben Online werden dort auch die meisten Überweisungen von Kunden getätigt“, sagt Mitarbeiter Nils Albrecht. Pläne zur Abschaltung gebe es deshalb nicht. „Eher schaffen wir noch ein drittes Gerät an, weil sie oft sehr stark genutzt sind.“ Auch die VR-Bank Neumünster hegt keine Abschalt-Pläne. „Wir investieren derzeit in mehreren Filialen sogar in neue Geräte“, sagt Mirco Lange, Leiter des Vorstandstabs. Aus Sicht des Unternehmens handele es sich dabei noch immer um einen guten Kompromiss für Kunden, die kein Online-Banking machen und auch nicht unbedingt an den Schalter möchten. Von vielen Kunden werde dieses Angebot auch gerne genutzt.

Die Abschaltung von Terminals war auch andernorts schon umstritten: In Obernburg in Bayern sammelte eine Bürgeriniative 600 Unterschriften gegen die Pläne der örtlichen Sparkasse; in Schwerte (Nordrhein-Westfalen) knickte die Sparkasse nach Protesten von Kunden ein, stellte die Automaten wieder auf.

Oliver Vogt

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