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Segeberg Spaß-Mobile made in Norderstedt
Lokales Segeberg Spaß-Mobile made in Norderstedt
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22:17 02.08.2018
Norderstedt

Angefangen habe es vor zehn Jahren mit einer „Schnapsidee“, die sich dann in einer Doppelgarage entwickelte und nun in mehreren Hallen im Norderstedter Gewerbegebiet ausgebaut worden sei, erzählt Firmengründer Maik Wenckstern. „Wir wollten eigene, kleine Fahrzeuge im Hot-Rod-Stil der 1920er und 30er Jahre konstruieren und zugelassen auf die Straße bringen.“

Unternehmer Maik Wenckstern hat in den vergangenen zehn Jahren 350 seifenkistenartige Mobile mit eigenem Motor gebaut. Alle in Handarbeit. Sein Betrieb im Norderstedter Gewerbegebiet wächst kräftig weiter, ist er mit seinen Fun-Cars doch Alleinanbieter in einem Nischenmarkt.

Inzwischen hat Wenckstern 350 dieser seifenkistenartigen Mobile mit eigenem Motor gebaut. Alles in Handarbeit.

Das Unternehmen wächst kräftig. „Wir werden in diesem Jahr allein 300 neue Wenckstern-Automobile bauen“, kündigt der Unternehmer an. Fast so viele, wie in den acht Jahren zuvor.

Neuer Investor eingestiegen

Möglich machen diese Expansion ein neuer Investor und ein neues Marketingkonzept, berichtet Wenckstern, der dafür einen Großteil seiner Anteile an den Hamburger Teilhaber abtreten musste, der nicht genannt werden möchte. „Er ist selbst begeistert von diesen Fahrzeugen und voll auf unserer Linie, ein richtiger Glücksgriff“, sagt Wenckstern erfreut. Doch der Investor wunderte sich, warum kaum jemand diese lustig aussehenden, 150 Kilogramm leichten Boliden kannte, die eine Straßenzulassung besitzen und mit ihren 13,6 PS starken Ein-Zylinder-Benzinmotoren bis zu 88 Kilometer pro Stunde durch die Lande flitzen können. Der Bekanntheitsgrad soll sich jetzt schnell ändern, setzt Wenckstern voll auf das neue Marketingkonzept. Denn statt wie bisher das Geschäft durch Lizenzvergaben weitgehend aus der Hand zu geben, hat das Unternehmen auf Franchising umgestellt. „Wir verkaufen die Fahrzeuge nicht mehr ausschließlich, wir vermieten sie jetzt überwiegend an Verleihstationen.“ Dafür bekämen die Kunden eine Art Rundum-Sorglos-Paket mit Internetauftritt, festem Buchungssystem, Werkstattbetreuung und allen notwendigen Formalitäten. „Sie brauchen nur einen Standort, viel Enthusiasmus und Benzin im Blut“, erklärt Firmengründer Wenckstern seine Devise. In Flensburg, Hamburg, Münster, Norddeich und Aachen können bereits jeweils bis zu 15 Wenckstern-Mobile für geführte Tagestouren ausgeliehen werden. 99 Euro kosten zwei Stunden Fahrt, erklärt Wenckstern das Konzept, das vor allem Touristen, Spaßfahrer und Firmen ansprechen soll, die ihren Mitarbeitern mal ein einmaliges Fahrgefühl auf der Straße bieten wollen. Neu ist auch die Wenckstern-Werbe-Initiative. „Es gibt fast kein besseres Werbemotiv als unsere Fahrzeuge“, erzählt Wenckstern.

Rollende Werbeträger

Überall, wo „die niedrigsten Fahrzeuge der Welt“ auftauchten, seien sie sofort die Attraktion – nicht nur bei Autoliebhabern. „Sie werden bestaunt, fotografiert, die Leute sprechen einen an und stehen sprachlos davor. Es ist unglaublich, man ist sofort bekannt wie ein bunter Hund.“ Darum kümmert sich mit dem Werbetechniker Marco Mielczarek jetzt auch ein Profi um das Anbringen von Werbe-Folien aller Art auf die schmale Karosserie der Fahrzeuge. „Mit den sozialen Netzwerken trägt sich die Werbung um die ganze Welt.“ Autohändler, Gaststätten, Klamottenläden, Getränkehersteller und sogar Abbruchunternehmen nutzen diese Strategie, um gezielt auf sich aufmerksam zu machen.

Sogar in Übersee hat sich die Norderstedter Firma bekannt gemacht. „Ende Mai präsentierten wir uns in New York auf der internationalen Designer-Messe, zu der uns die Deutsche Manufakturenstraße eingeladen hat.“ Dort wurde der neue Wenckstern-Prototyp mit Elektro-Antrieb vorgestellt. Schließlich müsse sich das Unternehmen auf die aktuelle Umweltdiskussion einstellen, die bald alle Verbrennungsmotoren aus den Innenstädten verbannen könnte, wie Wenckstern glaubt. Der Auto-Tüftler hat eigentlich Florist gelernt, Umwelttechnik und Finanzwirtschaft studiert. Heute lenkt er in der Norderstedter Oststraße ein 16-Mann-Unternehmen, das in seiner kleinen, aber feinen Manufaktur in fünf Arbeitsschritten bis zu vier Fahrzeuge am Tag herstellen kann. „Wir sind einzigartig auf dem Markt. Das ist es, was den Wenckstern so reizvoll macht.“

Wer sich so ein Prachtstück in die Garage stellen möchte, müsse zwischen 14 000 und 27 000 Euro anlegen. Dafür erhalte er ein individuelles Fahrzeug nach seinen Wünschen, ganz „old school“ ohne Federung, harter Lenkung und Trommelbremsen.

Vorwärts und rückwärts gleich schnell

Die Ausstattung der Wenckstern-Wagen ist spartanisch. Mit der sogenannten Variomatic sind die Fahrzeuge wie früher der DAF vorwärts wie rückwärts gleich schnell. Variomatic war die Bezeichnung des niederländischen Fahrzeugherstellers DAF für ein stufenlos stellbares vollautomatisches Getriebe, das in den 1958 in Serie ging. In den Niederlanden wurden damals mit den DAFs spezielle Rückwärts-Autorennen veranstaltet.

Burkhard Fuchs