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Segeberg Spiel über Segeberg von 1989 aufgetaucht
Lokales Segeberg Spiel über Segeberg von 1989 aufgetaucht
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07:00 10.02.2019
Jessica Quitschau aus Fahrenkrug entdeckte das Spiel in einer alten Kiste im Keller. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Basses Blatt hatte damals eine Auflage von 34 000 Zeitungen, an der Stelle des Modehauses M & H befand sich das Bekleidungsgeschäft Schwager und die Segeberger Eisenhandlung hatte gerade ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Wer sich mit seiner Spielfigur weiter über die Felder würfelt, bekommt einen Eindruck von der Segeberger Firmenlandschaft vor 30 Jahren. Die Fahrenkrugerin Jessica Quitschau hat ihrem Keller entrümpelt und mit „Bad Segeberg Tycoon“ ein Spiel von 1989 gefunden, in einer alten Kiste der Schwiegereltern aus Schieren. „Ich habe die Kiste schon vor Jahren übernommen. Woher sie das Spiel hatten, daran konnten sie sich leider nicht mehr erinnern“, erzählt die 31-Jährige.

Made in West Germany

In „Tycoon“ sind Dutzende heimische Unternehmen mit Firmenlogo verewigt. Der Versicherungsfachwirt Detlef Huppe hat sogar ein Foto von sich einfügen lassen. Nicht nur Bad Segeberger, auch Wahlstedter Firmen und Betriebe aus Fahrenkrug, Klein Rönnau oder Bühnsdorf sind dabei. „Es sieht so ähnlich aus wie Monopoly“, sagt Jessica Quitschau. Und so ähnlich funktioniert es auch. „Wichtigstes Ziel jedes Spielers ist es, einen oder mehrere Konzerne zu bilden. Dazu muß er soviel Firmenkarten mit gleicher Farbcodierung in Besitz bringen wie möglich“, heißt es in der Anleitung von vor 30 Jahren – „Made in West Germany“. Nur, dass die Straßenzüge nicht nebeneinander, sondern quer verteilt auf dem Spielfeld liegen. Betritt man fremdes Firmengelände, wird man umsatzpflichtig. Der Spieler mit dem meisten Vermögen wird am Ende Tycoon.

Viele Geschäfte und Firmen gibt es heute nicht mehr. Quelle: Irene Burow

Beim Firmenstreik aussetzen

Geht es nach dem Spiel, könnte man mit Mietrach Omnibusreisen, der Tischlerei Adolf Tödt und dem Reiterladen am Turnierplatz gemeinsame Sache machen. Genauso würden die Sicherheitstechnik Menck, der Friseur Voss in Klein Rönnau und Wilken Textilpflege einen Konzern bilden. Zwischenzeitlich fordern Ereigniskarten dazu auf, das Firmengelände zu renovieren, beim Streik auszusetzen oder Geld von der Versicherung einzuziehen – wegen Hochwasserschaden im Lagerhaus.

Von der Bildfläche verschwunden

Interessant ist dabei nicht nur, dass die Summen im Spiel ohne Währung angegeben sind. Von den 43 Betrieben sind viele inzwischen verschwunden. Bei Pix in der Kurhausstraße werden schon längst keine Schuhe mehr verkauft, im Kühneweg gab es offenbar einen Blumenladen namens Pusteblume und das Heimtextilgeschäft Harald Dohm ist für immer geschlossen. Das Schlankheits- und Sonnenstudio („ohne zu hungern, ohne zu leiden, ohne zu schwitzen“) ist genauso von der Bildfläche verschwunden, wie der Geschenkartikel-Laden Holzkiste. Das Antiquariat Die Schatulle im Speicher Lüken ist längst selbst antiquiert. Die Heizungstechniker Warn in Wahlstedt hingegen gibt es noch, genauso wie bei den Gerstand Bühnsdorfer Fleischwaren bis heute Wurst produziert wird.

Heute eher undenkbar: Werbetechnisch war das 1989 für die Firmen der neuste Schrei. Sie konnten das Spiel an ihre Kunden verschenken. Quelle: Irene Burow

Neues Marketing auf Spielfeldern

Das Spiel war damals ein Werbegag. „Im Gegensatz zu den typischen Zeitungsanzeigen, Plakaten und Telefonwerbung“, erinnert sich Bastian Berchtenbreiter, Betriebsleiter bei Tycoon in Asbach-Bäumenheim. Das Internetzeitalter steckte noch in der Kinderschuhen, im selben Jahr wurden gerade einmal die ersten deutschen Anschlüsse in Betrieb genommen. Über das Spiel größere Bekanntheit zu erlangen, war neues Marketing. „Das gab es damals in ganz Deutschland, immer mit regionalem Bezug“, sagt er. Erfinder seien Peter und Eva Müller-Meerkatz gewesen, die heute noch im Spielegeschäft aktiv sind. Wie er berichtet, konnten sich Firmen bei dem Spiel einkaufen und haben im Gegenzug eine bestimmte Anzahl an Exemplaren erhalten, die sie als Kunden- oder Werbegeschenk weitergeben konnten.

Spiel zu vergeben

Die Fahrenkrugerin Jessica Quitschau hat zu Hause eine Menge Spiele, wie Tabu oder Rommé. Sie spielt viel und regelmäßig mit Freunden und der Familie. „Allerdings geht es bei uns eher gesellig zu und weniger wirtschaftsstrategisch“, erzählt sie. Aus diesem Grund wurde „Tycoon“ aussortiert. Doch wegwerfen wollte sie das Fundstück nicht. Wer Interesse daran hat, kann sich gern an die LN-Redaktion unter der E-Mail an redaktion.segeberg@ln-luebeck.de wenden.

Postleitzahl noch vierstellig

Datenschutztechnisch würde das heutzutage sicherlich etwas anders laufen. Auf den Kärtchen anno 1989 sind Adressen und Telefonnummern gedruckt. Bad Segebergs Postleitzahl lautete noch 2360. Erst 1993 wurde sie fünfstellig. „Die Beteiligung der Firmen war immer unterschiedlich, je nach Gewerbe vor Ort“, sagt Bastian Berchtenbreiter. „In Großstädten gab es mehrere Auflagen. Ich bezweifle aber, dass es in Bad Segeberg mehr als eine gegeben hat. Das Spiel wurde für dort nur im Jahr 1989 hergestellt.“ Entsprechend wenig Exemplare dürfte es heute noch im Kreisgebiet geben. „Außer, ein Betrieb hortet noch eine gewisse Anzahl im Keller“, schmunzelt der Betriebsleiter.

Irene Burow

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