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Segeberg Spring Break Open Air: Wer hat Schuld am Desaster?
Lokales Segeberg Spring Break Open Air: Wer hat Schuld am Desaster?
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12:18 04.06.2019
Symbolfoto: Die Festivalsaison findet ohne Bornhöved statt. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Bornhöved

Zum Bedauern aller Seiten ist am Sonnabendabend wider Erwarten kein Feuerwerk am Himmel von Bornhöved zu sehen. Nach der Absage des Spring Break Open Airs wollen Tausende Fans ihr Geld zurück. Sie machen ihrem Unmut bei Facebook Luft – mehr oder weniger sachlich. Für den Veranstalter ein Desaster. Der eine oder andere will von finanziellen Schwierigkeiten gehört haben.

„Mein Gefühl ist, dass das Abzocke war“, schimpft Axel Sesiani, Geschäftsführer des Zelt- und Restaurationsbetrieb Sesiani in Bad Oldesloe. Er hatte am Mittwoch seine Pagoden wieder abgebaut. „Wir konnten wieder abfahren und haben kein Geld gesehen.“ Der Veranstalter sei ein „Schaumschläger“ ohne klare Linie. Sesiani hatte lediglich Material vermietet, weshalb sich sein Schaden nach eigener Aussage in Grenzen hält. Er schätzt ihn auf 10.000 Euro, vor allem Lohnkosten.

Ihm sei zusätzlich ein Angebot gemacht worden, eine dritte Tanzfläche auf dem Spring Break Open Air aufzubauen. Dafür habe er in Vorkasse gehen sollen, um seinen Tanzbetrieb zu bewerben – eine Diskothek in Bad Oldesloe. „Das kam mir komisch vor“, sagt Sesiani.

„In Ausreden verstrickt“

Zudem habe er von DJ’s aus der Region gehört, die nicht bezahlt worden seien. „Normalerweise regelt man das zwei Monate vorher. Der Veranstalter hat alle hingehalten und sich in Ausreden verstrickt.“ Ihn wunderte schließlich, dass am Dienstag vor dem großen Open Air noch immer keine große Aufbautätigkeit zu sehen war. „Ich habe andere getroffen, die den Veranstalter schon bezahlt hatten“, sagt Sesiani.

„Ich habe alle Belege“

Organisator Dennis Usko widerspricht. „Ich möchte wissen, welcher DJ nicht bezahlt worden ist. Culcha Candela wurde vereinbarungsgemäß bezahlt, genauso ,DJs from Mars’. Ich habe alle Belege. Uns werden viele Dinge angedichtet, die einfach nicht wahr sind.“ Er hat dieser Tage nicht nur mit der Abwicklung zu tun. Die Flut an Kommentaren und Anfragen bei Facebook, die Mühe der letzten Monate – er kämpft mit seinen Nerven.

Unternehmer bot Hilfe an

Kritik kommt auch von Caterer Ulfert Georgs aus Neustadt. „Ich bin 30 Jahre im Geschäft. Dabei bin ich einmal in Ungarn auf die Nase gefallen. Dass mir das vor der eigenen Haustür passiert, ist unglaublich.“ Um die Festivalgänger gastronomisch versorgen zu können, sei er in Vorkasse gegangen. Als er festgestellte habe, dass offenbar weder für Wasser, Strom noch Toiletten gesorgt war, habe er das Open Air noch retten wollen. „Bei dieser Hausnummer sind das die Dinge, die mindestens da sein müssen. Ich hätte die Gewerke besorgen können. Es wäre niemandem aufgefallen.“

Dafür habe der Veranstalter die Hälfte der Einnahmen überschreiben sollen. Doch das habe Usko nicht gewollt. „Ich weiß wirklich nicht, warum er das nicht angenommen hat. Es ist nicht zu verstehen.“ Auch er habe Firmen getroffen, die kein Geld bekommen haben sollen, sagt Ulfert Georgs. Darunter ein Steinsetzer und ein Dienstleister, der die Zäune bereitgestellt habe. „Da kommt eins zum anderen.“ Ihm selbst sei ein Schaden im fünfstelligen Bereich entstanden.

Firmen wollten offenbar schwarz arbeiten

Usko verwahrt sich gegen die schweren Anschuldigungen. „Gewerke müssen für ihre Arbeit Rechnungen schreiben und zuschicken. Einige wollten schwarz arbeiten, doch das machen wir nicht. Wir haben uns an Regeln zu halten.“ Er glaubt, das habe für Unmut gesorgt. Vor Ort seien Tausende Euro cash verlangt worden, was er verweigert habe. Außerdem habe der Veranstalter, offiziell die Mehr Management & Entertainment Music and More UG, eine Haftpflicht- und Ausfallversicherung. „Diese tritt in Kraft, wenn etwas sein sollte. Niemand bleibt auf seinen Kosten sitzen“, betont Usko.

Datum seit Jahresbeginn bekannt

Von anderer Seite bekommt er Rückendeckung. „Ich habe Anfang des Jahres von dem Termin gewusst. Ich habe alle Unterlagen gehabt und meine Stellungnahme geschrieben“, sagt Bornhöveds Wehrführer Dirk Stemke, der auch für die Sicherheit beim Feuerwerk Verantwortung zu tragen gehabt hätte. „Wir hatten einen Plan und eine Mannschaft für beide Tage. Auch mit den größeren Auflagen wären wir zurechtgekommen. Aus Sicht der Feuerwehr waren die Vorbereitungen und das Zeitfenster absolut in Ordnung.“

Fortsetzung des Open Airs nicht ausgeschlossen

Die Homepage www.springbreak-bornhöved.de ist inzwischen abgeschaltet. Auf Facebook wird das Prozedere der Rückerstattung erklärt. Demnach erhält jeder den Ticketpreis bei Eventim oder der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurück. Der Festivaltermin muss jedoch erst verstreichen, heißt es. Bei Eventim ist das Open Air bereits mit „abgesagt“ gekennzeichnet.

Der Veranstalter hat zudem angekündigt, am Freitag alle Unterlagen im Netz zu veröffentlichen. Eine Fortsetzung des Open Airs ist fraglich, aber bisher nicht ausgeschlossen.

Der Arbeiter-Samariter-Bund wollte die Veranstaltung mit Notarzt, Rettungswagen und Unfallhelfern absichern. „Wir hätten am Freitag aufgebaut“, sagt Patrick Zygmanowski vom ASB-Regionalverband Stormarn-Segeberg. Nach seiner Auffassung hätten sich die Veranstalter um alle Belange gekümmert.

Konzept für Open-Air kam erst Ende April

Dennis Usko hatte stets betont, dass er für alles Lösungen gehabt habe. Es habe zuletzt jedoch an Zeit gemangelt. Er sei von den Auflagen des Kreises und des Amtes Bornhöved am 16. Mai überrascht worden und habe darum gebeten, die Abnahme vor Ort von Mittwoch auf Freitag zu verlegen. Das sei abgelehnt worden. „Im vergangenen Jahr war es auch ein paar Stunden vorher, so ist es auch üblich“, wundert sich Patrick Zygmanowski.

Das Amt Bornhöved bestätigt das Datum. Sagt aber auch: Das Konzept für das Festival sei erst Ende April eingegangen, sagt Amtsleiter Jörg Tietgen. Der Kreis wurde am 8. Mai informiert; schließlich wurden die Auflagen erarbeitet – je nach Zuständigkeit von Kreis und Amt.

Amt hatte auf Fristen hingewiesen

„Die Anforderungen kamen im eigentlichen Sinne nicht hinzu, sondern müssen bei einer so vorgesehenen Veranstaltung immer beachtet werden“, erklärt Kreissprecherin Sabrina Müller. Der Kreis ist in dem Fall für die Bereiche Abfall, Wasser, Lebensmittel, Infektionsschutz, Brandschutz, Bauaufsicht und Naturschutz zuständig gewesen. „Wäre das Konzept ein halbes Jahr vorher eingereicht worden, wäre niemand überrascht gewesen“, betont Tietgen. Auf Fristen sei immer wieder hingewiesen worden.

Wehrführer Dirk Stemke bestätigt jedoch, dass in den letzten Tagen vom Kreis immer mehr Anfragen gekommen seien, die Auflagen erhöht worden seien. „Wir haben mit den gleichen Gästen gerechnet wie im letzten Jahr. Davon sind wir zunächst ausgegangen, sollten aber das Doppelte an Personal stellen. Das ist etwas merkwürdig.“

Rechtliche Schritte werden geprüft

Mindestens ein Unternehmer prüft eine Anzeige gegen die Festival-Macher wegen Betruges. Die Veranstalter prüfen rechtliche Schritte gegen das Amt Bornhöved. Ein weiterer Beteiligter, der seinen Namen nicht nennen will, sieht es so: „Ich glaube, die Verwaltung hat in dem ganzen Zirkus kalte Füße bekommen. Da hat ganz offensichtlich jemand gepennt. Innerhalb von zehn Tagen sind diese Anforderungen nicht umsetzbar. Ich kann den Veranstalter verstehen. Für die Region wäre das Festival total geil gewesen.“

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Irene Burow

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