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Segeberg St. Marien — vom Fundament bis zur Spitze in 3-D
Lokales Segeberg St. Marien — vom Fundament bis zur Spitze in 3-D
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21:25 23.04.2015
Die geomatische Vermessung der Bad Segeberger Marienkirche: Maren Lindstaedt von der Hamburger Hafencity- Universität bediente gestern einen von mehreren Laserscannern. Quelle: Fotos: Kullack
Bad Segeberg

Am Ende ein echtes, dreidimensionales Modell der Marienkirche — so wie es schon eines vom Alt-Segeberger Bürgerhaus (sogar in verschiedenen Bauphasen) gibt: Das wäre der Traum für Museumsleiter Nils Hinrichsen und für Pastor Matthias Voß. Gestern wurden dafür erst einmal die Grundlagen geschaffen: Professor Thomas Kersten, seine Assistentin Maren Lindstaedt und fünf Studentinnen von der Hamburger Hafencity-Universität nahmen das gesamte Kirchengebäude im geomatischen Verfahren auf, das heißt: Laserscanning und Photogrammetrie gleichzeitig. Für die Hamburger Uni ist es ein Studienprojekt — für die Segeberger bedeutet es Daten von nahezu unermesslichem Wert.

„Hätte man die von Terroristen zerstörten Baudenkmäler in Syrien in diesem Verfahren aufgenommen, so wäre man in der Lage, sie eines Tages vielleicht wieder originalgetreu herzustellen“, sagt Professor Kersten. So hatte er es etwa in Berlin erlebt, wo man die Alte Kommandantur in der Straße Unter den Linden, einst vom DDR-Regime geschleift, wiedererstehen ließ. Das Team von der Hafencity-Universität (siehe Info-Text) hat bereits neben vielen anderen Objekten die Schlösser von Glücksburg, Ahrensburg und Celle sowie die Drostei Pinneberg aufgenommen.

St. Marien, ab 1156 als ehemalige Klosterkirche erbaut, Anfang des 13. Jahrhunderts vollendet und um 1470 verlängert, ist heute 67,50 Meter hoch und 50 Meter lang. Um die Kirche komplett geomatisch dokumentieren zu können, muss sie nicht Punkt für Punkt fotografiert werden — bestimmte Messpunkte reichen dafür aus. Küster Thomas Teegen half den Hamburgern dabei, diese Punkte anzubringen. Die wurden gestern nun einerseits mit kalibrierten Spiegelreflexkameras fotografiert (Professor Kersten: „Das liefert uns die Farbe“) und zum anderen mit dem Laserscanner abgegriffen („Das liefert uns die Grauwerte in 3-D“). Zusammengesetzt, so der Professor, erhalte man durch die „Punktwolken“ einen millimetergenauen Überblick über das gesamte Gebäude, von dem sich dann ein virtuelles Modell herstellen ließe.

Vor fünf Jahren waren die Hamburger Hochschüler schon einmal in Bad Segeberg, damals wurde das Alt-Segeberger Bürgerhaus, das älteste Gebäude der Stadt, auf dieselbe Weise vermessen. „Ich habe das Modell gesehen und bewundere die daraus resultierenden Rekonstruktionen des Kalkbergs und der Siegesburg aus alter Zeit, und ich würde mich freuen, wenn wir das von unserer Marienkirche auch eines Tages hätten“, sagt Pastor Matthias Voß. So musste er nicht lange überzeugt werden, als Museumsleiter Hinrichsen anregte, dasselbe Verfahren, das man für das Bürgerhaus verwendet hatte, nun auch für St. Marien zu nutzen. Zum Beispiel könnte man ein Modell der historischen Klosterkirche schaffen, die in östlicher Richtung einst gut 20 Meter länger gewesen sein muss als die Marienkirche heute.

Ursprünglich wollten die Hamburger Wissenschaftler St. Marien noch mit einer Drohne überfliegen. „Doch ich fand keinen Drohnen-Piloten, der rechtzeitig Zeit gehabt hätte“, sagt Professor Kersten.

Luftaufnahmen, die man vom Landesarchiv bekam, erfüllen denselben Wert. Nun wartet alles gespannt auf die virtuelle Ansicht eines mittelalterlichen Gebäudes — älter als sämtliche Bauwerke von Lübeck.

Nur die Hälfte der Studenten hält durch
Die HCU, die Hafencity Universität Hamburg, wurde 2006 aus allen für Bau und Architektur interessanten Studiengängen der Hamburger Universitäten und Fachhochschulen gebildet. Die Institute waren über die ganze Stadt verstreut, je nach Standort der alten Unis.

Der Universitätsneubau direkt in der Hafencity am „Magdeburger Hafen“ wurde 2014 bezogen und hat rund 70 Millionen Euro gekostet. Hier sind nun alle Studiengänge zusammengefasst, vom Architekten bis zu den Geomatikern, die man einst Vermessungsingenieure nannte.

Photogrammetrie, in dieser alten Schreibweise bis heute gebräuchlich, wurde 1867 vom Trierer Albrecht Meydenbauer erfunden. Jahr für Jahr beginnen 40 bis 50 Studenten den Bachelor-Studiengang für Geomatik. Laut Professor Thomas Kersten hält nur die Hälfte durch: „Sie scheitern an der Informatik.“
„Auf dem Friedhof stehen noch Reste der Klosterkirche.“
Pastor Matthias Voß

Lothar Hermann Kullack

Der Autor Horst Eckert liest am Mittwoch, 29. April, ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Kaltenkirchen, Hamburger Straße, aus seinem neuen Thriller „Schattenboxer“.

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