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Segeberg Staatsanwältin vor Gericht: So nahm sie Birgit K. 16 Hunde weg
Lokales Segeberg Staatsanwältin vor Gericht: So nahm sie Birgit K. 16 Hunde weg
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06:45 15.11.2019
Birgit K. (70) mit ihren Hunden heute. Vor sieben Jahren wurde sie von wegen angeblicher Tierquälerei und dem Veracht Hundehandel zu betreiben, angezeigt. Quelle: Heike Hiltrop
Bockhorn/Kiel

Den Rucksack geschultert, die Leinen in der Hand stapft die zierliche Frau durch das knöchelhohe Gras. Birgit K. ist mit ihren Hunden bei einem ihrer vielen Besuche im Hundeauslauf bei Bockhorn unterwegs. Genau hier begegnete sie vor sieben Jahren einer Hartenholmerin, die das Leben der heute 70-Jährigen verändert hat. „Sie hat mich 2012 angezeigt. Ich soll meine ,Blanca’ hier zwei mal über Nacht alleine gelassen habe und würde vermutlich mit Hunden handeln“, sagt Birgit K.

Rechtsbeugung und Diebstahl wird der Staatsanwältin vorgeworfen

Durch die Anzeige war sie in den Verdacht geraten, eine Tierquälerin und Betrügerin zu sein. Was dann passierte, ist derzeit Teil desProzesses gegen eine Kieler Staatsanwältin. Der Vorwurf gegen die Juristin: Sie soll Tiere nach Beschlagnahmungen verkauft haben, ohne ihren Eigentümern das Grundrecht auf Gehör eingeräumt zu haben. Damit wurde ein möglicher Widerspruch von vorn herein vereitelt. Ob die Beamtin dies aus Unwissenheit tat, um ihre Karriere zu befeuern oder ob sie bewusst Recht gebeugt hat, um ihre Vorstellung von Tierschutz durchzusetzen, klärt derzeit die 7. Strafkammer am Kieler Landgericht. Zehn Fälle legt die Staatsanwaltschaft Itzehoe der früheren Tierschutz-Dezernentin zur Last.

Birgit K. engagiert sich im Tierschutz

Einer davon ist der von Birgit K. Die Pensionärin hat sich nach dem Berufsleben dem Tierschutz verschrieben. Straßenhunde aus Osteuropa, vor allem Rumänien zu retten, ist ihr Lebensinhalt. Sie päppelt die Tiere auf, ist Pflege- und Zwischenstation. Sie bietet Hundehaltern Unterstützung aber auch einen gelegentlichen Ferienplatz für den Vierbeiner an.

Im November 2012 leben 16 Hunde bei ihr

K. hat sich zur Tierpsychologin ausbilden lassen und ist nachweislich zertifizierte Lehrerin einer speziellen, gewaltfreien Trainingsmethode für Hunde. Manche bewundern ihr Engagement, andere unterstützen sie. Aber sie eckt auch an, mit ihrem Hunderudel, das Ende 2012 16 Tiere zählte, davon sieben eigene.

Es ist der 2. November 2012, als morgens gegen acht Uhr Polizisten, Ordnungs- und Veterinäramt auf dem Grundstück stehen. „Ich stand da, mit meinem Becher Kaffee in der Hand, die Hunde waren draußen im Garten und ich wusste gar nicht, was los war.“ Ihr wird vorgeworfen, dass sie gegen das Tierschutzgesetz verstoße und Hundehandel betreibe. So steht es jedenfalls in der Anzeige der Hartenholmerin. Nach einem Gespräch mit der federführenden Staatsanwältin werden alle Hunde auf deren Anordnung hin beschlagnahmt und abtransportiert.

Vermutetes Tierleid bestätigt sich nicht

„Die Hunde könnten mit Parasiten, Würmern und Pilzen befallen sein. . .“, so die Ferndiagnose einer Amtstierärztin, mit der die Durchsuchungsaktion begründet wird. Ohne die Tiere gesehen zu haben, kommt sie zu dem Ergebnis, dass „erhebliches Leid“ vorliegt. Bei den Durchsuchungen bestätigt sich das aber nicht. „Die haben sich die Tiere vorher nie angesehen“, beteuert die Hundebesitzerin. „Ich durfte weder meinen Anwalt noch meinen Tierarzt anrufen.“ In ihrer Not droht Birgit K. damit, sich etwas anzutun.

Selbstmordandrohung: Birgit K. kommt in die Psychiatrie

„Ich war verzweifelt und überfordert von der Situation, in der mir einfach niemand zuhören oder helfen wollte“, blickt sie zurück. K. wird zwangsweise in die Psychiatrie eingeliefert. Ein paar Stunden und ein Arztgespräch später habe sie die Klinik wieder verlassen dürfen.

Alle Hunde werden zusammen für 150 Euro verkauft

Am 23. November werden 15 Hunde an den Tierschutz verkauft. Laut den Dokumenten, die den LN ebenfalls vorliegen, für 150 Euro. Darunter auch die Tiere, die gar nicht im Besitz von Birgit K., sondern Feriengäste anderer Halter sind. Ein Mann bricht seinen Urlaub ab, um seinen Hund aus dem Tierheim zu holen. Birgit K.:„Die anderen Leute mussten ihre eigenen Hunde freikaufen.“ Zudem sei sie nicht, wie das Gesetz es vorschreibt, über den Verkauf informiert worden. K. stellt Strafanzeige wegen Rechtsbeugung. Ende 2012 stellt das Landgericht Kiel immerhin fest, dass ein Anfangsverdacht gegen Birgit K. wegen Tierschutzverstößen zwar berechtigt, die Notveräußerung der Hunde jedoch rechtswidrig war.

Nach drei Jahren wird das Verfahren eingestellt

Die Untersuchungen gegen Birgit K. laufen weiter, auch ihr Tierarzt gerät zwischenzeitlich in den Fokus der Ermittler. Drei Jahre dauern die Ermittlungen. Am 11. Februar 2015 wird das Verfahren schließlich eingestellt. Von den anfänglichen Vorwürfen bleibt nichts übrig, was eine Strafverfolgung gerechtfertigt hätte. „Nichts ist danach gekommen. Nichts“, sagt Birgit K.

Sie habe den Glauben an den Rechtsstaat verloren, sagt sie. Auch die Häme und Anfeindungen in den sozialen Netzwerken haben ihre Spuren bei der Pensionärin hinterlassen, die aus diesen Gründen nicht möchte, dass ihr Name bekannt wird, oder ihr Wohnort. „Ich bin so vorverurteilt worden: alte Frau, altes Haus, mehr als drei Hunde – asozial. Ich bin misstrauisch Menschen gegenüber.“ Niemand habe damals ihre Geschichte hören wollen, resümiert Birgit K. In diesen Tagen wird sie Gehör bekommen, wenn sie als Zeugin vor Gericht aussagt. Auf der Anklagebank: Die Kieler Staatsanwältin, die ihre Tiere 2012 verkauft hat.

Weitere Fälle und alles zum Prozess

2019: Kieler Staatsanwältin bleibt vom Dienst enthoben

2019: Zeugen schildern Staatsanwältin als bedrohlich und aggressiv

2019: Rechtsbeugung? Staatsanwältin steht ab Dienstag vor Gericht

2015: Erneut Prozess um Tierquälerei geplatzt

2014: Blanchettes langer Weg in die Freiheit

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2013: Beschlagnahmt Rinder: Rechtsanwalt bezweifelt Rechtmäßigkeit

Von Heike Hiltrop

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