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Segeberg Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Kuhherde - aber war es auch die richtige?
Lokales Segeberg Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Kuhherde - aber war es auch die richtige?
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12:28 16.03.2013
Von Heike Hiltrop
Melker Thomas Kruse (47) im leeren Kuhstall. Er kann nicht verstehen, warum die Rinder seines Chefs Manfred T. beschlagnahmt worden sind. Quelle: hil
Todesfelde

Die Kuhställe auf dem Hof von Manfred T. am Dorfrand von Todesfelde sind leer. Melker Thomas Kruse mistet die verlassenen Unterkünfte aus. Die Kälber, die 58 Milchkühe, die Bullen — alle 151 Schwarz- und Rotbunten sind weg. Am Mittwoch wurden sie unter der Aufsicht von Staatsanwaltschaft, Polizei und Veterinäramt auf Viehtransporter verladen und offenbar Richtung Tönning geschafft. Beschlagnahmt, weil dem Bauern Vergehen gegen Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes vorgeworfen werden. Bestraft wird danach, wer „einem Wirbeltier aus Rohheit, wiederholt oder länger anhaltend, erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“, heißt es darin. „Es wurden Lahmheiten, Lungenerkrankungen und Mangelernährung festgestellt“, so die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Manfred T. ist außer sich: „Mein Hof ist seuchenfrei und ich habe hier keine BVD (Bovine Virusdiarrhoe, eine Virusinfektion), auch die Milch war immer einwandfrei.“ Der letzte Kontrollbesuch des Veterinäramtes sei im August gewesen. „Wir akzeptieren keine Tierschutzverstöße, aber wenn wirklich der letzte Kontrollbesuch durch das Veterinäramt im August war, dann ist das Vorgehen aus meiner Sicht äußerst fragwürdig“, wundert sich Hans-Georg Otten, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Der Kreis Segeberg sei auffällig in seinem Handeln, das sei auch der Eindruck, den andere Landwirte hätten. Otten: „So eine Vorgehensweise habe ich nirgendwo anders in der Wahrnehmung.“ Das Kreisveterinäramt wollte sich nicht äußern, verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Oberstaatsanwältin Birgit Heß dagegen verweist auf das Kreisveterinäramt.

Kurios wird der Fall mit Blick auf Landwirt P., er hat seinen Hof wenige Kilometer weiter. Auf ihn hätten die Behörden ebenfalls ein Auge geworfen, sagt P. Ursprünglich seien es eigentlich seine 400 Rinder gewesen, die beschlagnahmt werden sollten, aber er habe einen Tipp bekommen, so Nachbar P. Darum habe er die Tiere vorher verkauft.

Damit die bestellten Viehtransporter nicht unbeladen wieder hätten abziehen müssen, sei der Tross kurzerhand auf den Hof von Manfred T. gefahren, mutmaßt er. „Vorher war jemand bei mir, aber ich war nicht da und die Tiere auch nicht“, so P. Außerdem hätten ihm das am Transport Beteiligte auf dem Hof von Manfred T. gesagt. Die Staatsanwaltschaft widerspricht dem nachdrücklich: „Ich gehe davon aus, dass es im Vorwege Ermittlungen gegeben hat, die zu einer Anzeige geführt haben“, so Birgit Heß.

Bauer T. räumt im LN-Gespräch ein, es habe Auflagen vom Veterinäramt gegeben. Die seien von ihm jedoch immer erfüllt worden, beteuert T. Jeden Mittwoch sei der Tierarzt vorbeigekommen und wenn es etwas zu beanstanden gab, habe er sofort gehandelt. „Mitte Februar wurden Klauen beschnitten, die jungen Rinder wurden alle entwurmt, alle Tiere sind gegen Läuse behandelt worden. Ich kann das belegen“, so der Bauer, der sich Rechtsbeistand gesucht hat. Er sei sich keines Vergehens bewusst und fühle sich von den Behörden seiner Existenzgrundlage beraubt.

Heike Hiltrop