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Segeberg Ab 2020: Stadt verbietet Plastik-Einweg-Geschirr
Lokales Segeberg Ab 2020: Stadt verbietet Plastik-Einweg-Geschirr
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19:12 23.05.2019
Annelie Eick (Grüne) zeigte in der Stadtvertretersitzung Ess-Geschirr und Besteck aus biologisch abbaubarem Material. Quelle: Glombik
Bad Segeberg

 Einstimmig gegen die Müllflut: Stadtfeste, Jahrmärkte und andere Veranstaltungen in Bad Segeberg locken jedes Jahr Tausende Besucher in die Stadt. Zurück bleibt am Ende oft ein Berg von Abfall: Plastikteller, Plastikmesser, Getränkebecher. Dem will die Stadtpolitik nun ein Ende setzen. Die Stadtvertretung folgte einstimmig einem Antrag der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Danach soll bei Veranstaltungen auf städtischen Anlagen die Verwendung von Mehrweg-Geschirr im Pfandrückgabesystem oder recycelbaren und biologisch abbaubarem Geschirr verordnet werden. Die Bestimmung soll erst zum 1. Januar 2020 gelten und nicht, wie von den Grünen anfangs gewünscht, schon in sechs Wochen. So eine schnelle Umsetzung des Beschlusses sei von der Verwaltung gar nicht zu leisten, hieß es.

Tatsächlich führt Bad Segeberg etwas ein, was ohnehin kommen werde, betonte die Grüne Fraktionsvorsitzende Annelie Eick. Plastikteller, Trinkhalme und andere Wegwerfprodukte aus Kunststoff sollen schon 2021 in der EU verboten werden. Darauf haben sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten kürzlich geeinigt. Es ist also ohnehin nicht aufzuhalten, Bad Segeberg geht nur voran. 2,8 Millionen Kaffeebecher würden jährlich in den Müll geworfen, hieß es von den Grünen. Dabei gebe es doch recycelbare und biologisch abbaubare Materialien.

Kein Einweg-Plastik bei Karl-May-Spielen

Michael Hintz (CDU) forderte, dass die Bad Segeberger Satzung „auch alle Veranstaltungen“ mit abdecken sollte. Ute Thienel, Geschäftsführerin der Karl-May-Spiele, teilte auf LN-Nachfrage mit, „dass wir kein Einweggeschirr, -besteck und -getränkebehältnisse aus Plastik verwenden. Für den Bereich Geschirr und Besteck werden recycelbare oder biologisch abbaubare Materialien aus Pappe, Holz oder pflanzlicher Stärke (essbare Pommestüten) verwendet. Bei den Getränkebehältnissen verwenden wir Mehrwegbecher aus Kunststoff, Glas oder bei Heißgetränken aus Porzellan oder gegebenenfalls aus Pappe.“

 Schon im Bau- und Hauptausschuss war das Thema ausgiebig diskutiert worden. CDU-Fraktionschef Torben Fritsch hatte dort verlangt, bei den betroffenen Beschickern des Wochenmarktes die Mehrkosten zu berücksichtigen, zumal der gastronomische Betrieb nebenan weiterhin Plastikbecher oder Einweg-Geschirr verteilen dürfe. Fritsch: „Wir dürfen nicht zu viel von den Marktbeschickern fordern.“

Schönfeld: Hygiene muss gewährleistet bleiben

Aber es geht auch um Müllvermeidung bei der Regio-Schau, dem Kultursommer und anderen möglichen Veranstaltungen. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) verweist zumindest „auf die Chance“, beim ohnehin geplanten Umbau des Marktplatzes auch Wasser- und Schmutzwasserleitungen zu verlegen. Es gehe nicht, dass der Imbissbetreiber „mit einer großen Waschschüssel kommt und dort sein Pommes-Geschirr wäscht“. Das müsse alles unter Beachtung hygienischer Vorschriften organisiert werden. Und Dirk Wehrmann (SPD) witzelte in die Runde: „Nicht, dass noch der Marktbrunnen eine Zweitnutzung erfährt.“

Müllvermeidung am Imbissstand: Klaus Gohla wird bald auf Plastikspieße für Pommes verzichten. Quelle: Glombik

Imbissbetreiber Klaus Gohls auf dem Bad Segeberger Wochenmarkt sieht das Ganze gelassen. Schon jetzt habe er biologisch abbaubare Wurst-Pappen. Und für das Käffchen direkt am Imbiss gebe er Porzellantassen heraus. Die schmutzigen Tassen würde er nicht im Brunnen, sondern zu Hause waschen. Den Plastik-Kaffeebecher für den eiligen Kunden gebe er ab 2020 nicht mehr heraus. Doch wenn die Stadt von ihm verlangen würde, eine Industrie-Spülmaschine für Mehrweg-Geschirr anzuschaffen, dann würde er passen. Die koste mindestens 2000 Euro. Wenn das verlangt werde, „dann bin ich hier weg“, so Gohla.

Wolfgang Glombik

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