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Segeberg Stammzellenspende: Wittenborner rettet Leben eines todkranken Amerikaners
Lokales Segeberg Stammzellenspende: Wittenborner rettet Leben eines todkranken Amerikaners
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20:00 15.07.2019
"Zusammen sind wir eins", steht auf dem Erinnerungsbild, den Marco Büsen von John Wolf bekommen hat. Quelle: Heike Hiltrop
Wittenborn/New York

Zusammen sind wir eins, „Together we are one“, steht in dem Rahmen mit zwei Fotos und einem Herzen. Ein Geschenk von John Wolf aus den USA an den 29-jährigen Marco Büsen aus dem Kreis Segeberg. Der Satz trifft in ganz besonderer Weise zu, denn Stammzellen des Wittenborners haben dem 78-jährige Amerikaner im Kampf gegen dessen Leukämie geholfen. Im Mai haben sich die beiden in New York getroffen. „Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Das war alles sehr emotional. Wir sind sehr eng miteinander verbunden, das ist wie Familie“, sagt Marco Büsen und kramt in Erinnerungen.

DKMS-Erfolg: Marco Büsen und John Wolf

 

Ende 2015 war in Garbek eine große Typisierungsaktion auf die Beine gestellt worden, um der damals 36-jährige Jana Lenz mit einer Stammzellenspende das Leben zu retten. Denn bis dahin hatte sich in der Datei der weltweit vernetzten DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei), eine gemeinnützige GmbH, kein passender Spender gefunden. Auch Marco Büsen, stellvertretender Leiter einer Aldi-Filiale, hatte davon erfahren und wollte helfen.

Ein Prozent Wahrscheinlichkeit, Spender zu werden

„Mein bester Freund und ich wollten nach Garbek fahren, hörten aber, dass es sehr voll sein würde. Darum haben wir online Kontakt mit der DKMS aufgenommen und uns registrieren lassen.“ Die Typisierung sei kein großer Akt gewesen. „Ich habe zwar gedacht, dass ich vielleicht jemandem damit helfen kann, aber nicht damit gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei knapp einem Prozent, hat man mir gesagt.“ Der sportliche junge Mann sitzt entspannt am Mözener See und lässt alles noch einmal Revue passieren. „Es ist toll. Ein Leben wurde gerettet, aber vom Ablauf der Sache her ist das eigentlich gar kein großes Ding. Es hat mich nur ein bisschen Zeit gekostet, und ich war anschließend etwas kaputt, mehr nicht.“

Die Nadel im Heuhaufen

Es muss Anfang 2016 gewesen sein, als John Wolf die Blutkrebs-Diagnose bekommen hatte. Ärzte prognostizierten ihm eine Lebenserwartung von nur noch drei bis sechs Monaten, wenn sich nicht ein Stammzellenspender finde. Die Suche in den Dateien ergab: Marco war die Nadel im Heuhaufen. Im März bekam er den Anruf, dass er als Spender infrage kommen könnte. Es folgten Tests und Untersuchungen erst beim Hausarzt, dann bei Experten in Köln.

Am 11. Mai bekam John Wolf die Stammzellenpende

„Bei der Gelegenheit hat man bei mir Vitamin-K-Mangel festgestellt. Ich habe immer schon zu wenig Gemüse gegessen. Das ist seither anders.“ Der Mangel wurde behoben, die Produktion von Stammzellen mit Spritzen angekurbelt. „Ich hatte zwar heftige Nebenwirkungen. Sie ähneln einer Erkältung, aber das war nach zwei Tagen vorbei. Am 9. Mai 2016 habe ich in Köln gespendet. Neun Stunden hat das Ganze bei mir gedauert. Am 11. Mai hat John die Stammzellen bekommen. Das ist seither sein zweiter Geburtstag, der eigentlich am 19. Mai ist.“

So funktioniert die Stammzellenspende

Stäbchen rein, Spender sein: So einfach ist es wirklich. Die Chancen des einzelnen, der sich typisieren lässt, Spender zu werden, liegt statistisch bei höchstens einem Prozent. Deshalb sind viele Menschen nötig, die sich typisieren und registrieren lassen. In der Regel handelt es sich um eine sogenannte periphere Stammzellspende. Dabei bekommt der Spender zunächst über ein paar Tage ein Medikament, das die Bildung der Stammzellen stark steigert. So reichern sie sich im Blut an und können dort ambulant entnommen werden. Nebenwirkung können Erkältungssymptome sein.

Stammzellapherese wird das Verfahren genannt, bei dem das Blut über einen Venenzugang entnommen wird, dann werden die Stammzellen herausgenommen und das Blut fließt über einen zweiten Venenzugang wieder in den Körper. Es erinnert an die Dialyse. Die Stammzellengewinnung durch Knochenmark ist aufwendiger und wird nur noch selten angewandt. Unter Vollnarkose wird dabei der Beckenkamm punktiert, um Knochenmarkzellen zu entnehmen.

Wie es dem Empfänger geht, wer er ist, das erfuhr er zu nächst nicht. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen, dürfen sich Spender und Patient erst nach zwei Jahren persönlich kennenlernen, zuvor ist nur eine anonyme Kontaktaufnahme möglich. Es war Weihnachten, als Marco Büsen einen unerwarteten Brief bekam. „Zwei Seiten dicht beschrieben, wie unfassbar dankbar er mir ist und dass er dies kaum in Worte fassen kann. Vieles über sein Leben, seine Familie, und wie sehr er sich freuen würde, wenn wir uns treffen könnten“, erinnert sich der passionierte Bodybuilder. Die beiden Männer pflegen seither herzlichen E-Mail-Kontakt.

Die zweite Chance des „Blutsgroßvaters“

John Wolf setzte zudem alles dran, damit Marco Büsen zum „Bone Marrow Diner“ für Knochenmarkspender und -empfänger der gemeinnützigen Gesundheitsorganisation „Northwell Healts“  eingeladen wird. Es hat geklappt. „Flug, Hotel, alles wurde übernommen. Und ein Freund hatte Zeit, um auf eigene Kosten mitzukommen. Das war ein unglaubliches Erlebnis.“ Noch immer komme ihm das alles unwirklich vor. Unter großem Medienrummel schlossen sich der 29-jährige Marco und der 78-jährige John in New York in die Arme: „Du bist meine zweite Chance. Nun bin ich dein Blutsgroßvater. “

Viel zu wenige Menschen lassen sich typisieren

 Fest steht für beide: Sie haben sich nicht das letzte Mal getroffen. Fest steht auch: Der Freundeskreis und die Familie von Marco Büsen sind für das Thema sensibilisiert: „Ich hoffe, dass unsere Geschichte hilft, dass sich viel mehr Menschen typisieren und registrieren lassen, denn das machen noch viel zu wenige. Es ist wirklich nicht schwierig, kostet nichts und kann Leben retten.“

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