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Segeberg Stolpersteine sollen wieder auffallen
Lokales Segeberg Stolpersteine sollen wieder auffallen
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21:12 10.11.2016
Den Segeberger Jusos schloss sich auch Tamara Dück (hinten) an. „Das darf man niemals vergessen, und es darf niemals wieder passieren“, sagte sie mit Blick auf die Ermordung der Juden in der Nazi-Diktatur. Quelle: Fotos: Dreu
Bad Segeberg

Der 9. November: Als „Schicksalstag der Deutschen“ hat ihn Walter Blender, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, einst bezeichnet. An dem Tag im Jahr 1938 zogen deutschlandweit organisierte Schlägertrupps durch Städte und Gemeinden, jüdische Geschäfte und rund 1400 Synagogen brannten. Als Reichspogromnacht gab dieser Tag das Signal für den größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit, dem auch viele Segeberger Juden zum Opfer fallen sollten. An sie erinnerten am Mittwoch die Segeberger Jungsozialisten (Jusos), die mit Putztüchern, Kerzen und Rosen von Stolperstein zu Stolperstein zogen, um sie zu polieren und an die Menschen zu denken, für die sie gesetzt worden sind.

Die Segeberger Jusos haben die Gedenksteine, die an deportierte Juden erinnern, auf Hochglanz poliert.

Eine Handvoll junger Erwachsener war gekommen, um gemeinsam mit dem stellvertretenden Juso-Kreisvorsitzenden und SPD- Bundestagskandidaten Alexander Wagner direkt am Rathaus den ersten Stolperstein auf Hochglanz zu bringen, den der Kölner Künstler Gunter Demnig 2009 verlegt hatte. „Wir wollen diese Menschen ehren“, so Wagner, der dankbar für die Aktion Demnigs ist, der damit an jedes einzelne Schicksal erinnert. Vier Stolpersteine hatte Demning 2009 verlegt, weitere vier im Jahr 2010 und zuletzt drei Steine im Jahr 2011.

Eine Tube Zahnpasta hatte Jana Stuth mitgebracht. „Zahnpasta ist ökologischer und reinigt genauso gut“, erzählte sie, als sie mit Schwämmen und Lappen den Stolperstein auf Hochglanz polierte. Die anderen Jusos trugen Grablichter unter dem Arm und hatten rote Rosen in der Hand, für jeden Stolperstein und jeden getöteten Einwohner eine.

Der Stolperstein, der an Melanie Annuschat erinnert, war die erste Station des gemeinsamen Geschichts-Spaziergangs durch Bad Segeberg. „Melanie Annuschat war Angestellte bei der Stadt. Deshalb wurde der Stolperstein für sie direkt vor dem Rathaus gesetzt. Nachdem sie von dem nationalsozialistischen Sturmführer entlassen wurde, hat sie sich 1933 in den Freitod geflüchtet. Sie wurde 36 Jahre alt“, erzählte Wagner.

Gegenüber dem Rathaus, vor dem Restaurant „Bürgerstuben“, sind gleich vier Stolpersteine verlegt worden. Dort war das Zuhause von Dina, Moritz, Selma und Paula Steinhof. Sie hatten offenbar schon früh erahnt, zu welchen Taten die Nationalsozialisten fähig sein würden und versuchten bereits im Jahr 1933, sich in Wien in Sicherheit zu bringen. Später flüchteten sie in Todesangst weiter nach Ungarn. Die gesamte Familie starb dennoch 1942 in einem KZ.

Aufmerksam hörten auch drei ältere Segeberger zu, was Alexander Wagner über die verstorbenen Mitbürger erzählte, die, wie Millionen anderer Juden, Opfer des Holocausts wurden. Die Aktion der Jusos fanden sie gut. „Man darf das, was damals passiert ist, nicht vergessen. So etwas darf nie wieder passieren“, sagte Tamara Dück, die sich den jungen Leuten auf ihrem Stolperstein-Spaziergang angeschlossen hatte.

Auch ihr war, wie vielen anderen Segebergern, nicht bewusst, wo genau die Stolpersteine verlegt worden sind. Vor allem in der Fußgängerzone sind wohl viele Menschen so manches Mal gedankenlos über die Steine mit den Messingplatten gegangen, ohne sie überhaupt registriert zu haben. Mit dem brennenden Grablicht und der dort abgelegten Rose aber wurden die Kunden gestern bei ihrem täglichen Einkauf auf die Stolpersteine aufmerksam, die für jeweils ein ausgelöschtes Leben stehen.

Zehn Schicksale

Melanie Annuschat, Lübecker Str. 9 (Verwaltungsangestellte, flüchtete 1933 nach ihrer Entlassung in den Freitod),

Leopold Bornstein, Lübecker Str. 2 (Kantor der jüdischen Gemeinde, Tod 1942 in Theresienstadt)

Frieda Epstein, Bismarckallee 5 (Jüdische Angestellte im Sidonie-Werner -Heim, verschollen in Auschwitz)

Gertrud Katzenstein, Bismarckallee 5 (Vorsitzende Jüdischer Frauenbund, Tod 1942 in Theresienstadt)

Dina, Moritz, Selma und Paula Steinhof, Lübecker Str. 12 (Familie, Tod 1942 in einem Konzentrationslager)

Cäcilie Heilbronn, Hamburger Str. 9 (Familie lebte 200 Jahre in Bad Segeberg, Tod 1942 in Theresienstadt)

Friederike Levy, Hamburger Str. 13 - 17 (mit Ehemann Ludwig Levy anerkannte Wohltäter der Stadt, sie beging 1939 Selbstmord). pd

Petra Dreu

Landesweites Modellprojekt am BBZ des Kreises Segeberg in Norderstedt hilft Förderschülern, einen Beruf erlernen zu können.

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