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Segeberg Die Welt im Streichholz-Format
Lokales Segeberg Die Welt im Streichholz-Format
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18:00 15.05.2019
FF-Museum Norderstedt Franz Grubers Streichholzwelt Quelle: E-Mail-LN-Segeberg
Norderstedt

Eine schwere Krankheit hat den heute 70 Jahre alten Franz Gruber auf sein ungewöhnliches Hobby gebracht. Mit 17 Jahren erkrankte der gebürtige Österreicher aus dem Zillertal an einer Gelbsucht, die ihn vier Monate lang an das Zuhause fesselte. „Aus Langeweile fing ich an, unser Elternhaus mit Streichhölzern nachzubauen“, erzählt Gruber.

70 000 Stück habe er dafür verbaut – so viele wie für kein anderes seiner späteren Modelle. „Da habe ich 1967 aber auch Tag und Nacht dran gearbeitet.“

50 historische, weltbekannte Gebäude hat der geschickte Mann, der heute bei Frankfurt lebt, im Laufe der Jahre aus Streichhölzern nachgebaut. Diese ungewöhnliche Modell-Ausstellung ist zurzeit im Norderstedter Feuerwehrmuseum zu sehen, die sie bis zum 23. Juni dort zeigt.

Ikonische Gebäude aus tausenden Streichhölzern

Außer dem Elternhaus Grubers sind dort unter anderen architektonischen Prachtexemplaren das Lübecker Holstentor und der Hamburger Michel, die gerade fast abgebrannte Hauptkirche Paris, Notre Dame, und ihr schneeweißes Pendant Sacré-Cœur am Vergnügungsviertel Montmartre zu sehen. Gruber hat das Weiße Haus und das Lincoln-Memorial aus Washington, den Buckingham Palace in London, das neue Fußballstadion vom SV Darmstadt 98, die zerstörte Nikolaikirche von Hamburg oder den Petersdom von Rom aus Streichhölzern nachgebaut.

Franz Grubers mit seinem Modell des Lübecker Holstentores. Quelle: FUCHS

Für den Petersdom sei er gerade dabei, den Petersplatz nachzustellen, berichtet der Hobbybastler. „Doch die 240 Säulen machen mir etwas zu schaffen“, sagt Gruber schmunzelnd, der insgesamt 750 000 Streichhölzer und 12 000 Arbeitsstunden in sein Hobby investiert habe, wie er sagt.

Das sind 500 Tage Arbeitszeit, fast zwei Jahre seines Lebens. „Meine Frau Renate macht Patchwork. Ich bastele im Keller an den Streichholzmodellen. Da haben wir keine Zeit uns zu streiten“, erzählt der Hobbykünstler lachend.

24 000 Streichhölzer – 300 Stunden Arbeit

Wer sein Hobby als aufwendig oder gar teuer erachte, für den macht Gruber diese Rechnung auf: „Wenn ich für ein Objekt beispielsweise 24 000 Streichhölzer brauche, kostet mich das 22 Euro an Material und rund 300 Stunden Arbeit“, sagt Gruber. Jedes einzelne Streichholz werde nur mit abgebranntem Zündkopf eingebaut. Auch dafür hat der Hobbybastler eine eigene Technik entwickelt. So klebt er mehrere Streichholzschachteln neben- und übereinander und macht sie nur soweit auf, dass der Zündkopf herausschaut. Dann zündet er die Hölzer der ersten Schachtel an, wobei nur die Zündköpfe anfangen zu brennen und von alleine die nächsten Schachteln anzünden. Vom Rauch wird die jeweils vorherige Schachtel gelöscht und Gruber kann sicher sein, dass jedes Streichholz schwefellos, gleich lang und unversehrt für seine Bastelei verwendet werden kann.

Ausstellung bis 23. Juni

Die Ausstellung „Franz Grubers Streichholzwelt“ im Norderstedter Feuerwehrmuseum ist bis zum 23. Juni zu besichtigen. Das Feuerwehrmuseum ist mittwochs bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Kinder unter zwölf Jahren haben freien Eintritt. Vom 21. bis 23. Juni ist der Hobbybastler Franz Gruber vor Ort in Norderstedt, um den Besuchern sein Werk aus erster Hand zu erklären. Infos: https://feuerwehrmuseum.squarespace.com/

Seine wahre Schaffenskraft entwickelte der Frankfurter erst nach seinem Arbeitsleben. Jahrzehntelang arbeitete Gruber, der eine Hamburgerin geheiratet hat und zu ihr in den Norden gezogen war, beim früheren Neckermann-Konzern. Das führte ihn Ende der 1970er Jahre zeitweise in das Herold-Center nach Norderstedt und später in die Firmenzentrale nach Frankfurt. „Als ich dann vor 13 Jahren in Rente ging, fiel ich in ein tiefes Loch“, erzählt Gruber. Da erinnerte er sich wieder an das Hobby aus seiner Jugendzeit, aus Streichhölzern Gebäude zu bauen.

3-D-Modelle aus dem Computer als Vorlage

Jetzt konnte er auf einiges zurückgreifen, was ihm die Bastelei erleichterte. So gebe es heute für fast alle historischen Gebäude und Kirchen genaue Vorlagen und computer-animierte 3-D-Modelle oder auch maßstabgetreue Puzzle-Bilder, die das Nachbauen erheblich leichter machten, erzählt Gruber. Für den besseren Halt hat jedes Streichholzmodell einen Unterbau aus Sperrholz bekommen, auf das Gruber die Streichhölzer mit Holzleim Stück für Stück aufeinander klebt. Sieben bis 15 Kilogramm schwer sind seine Modelle.

Ausstellung im Feuerwehrmuseum Norderstedt zeigt historische Gebäude aus tausenden von Streichhölzern.

Inzwischen hat Gruber seine gesamte Garage voll mit Zündhölzern. Firmen und Privatleute, die von seinem Hobby erfuhren, schenkten ihm ihre Bestände. Gut eine Million Streichhölzer warteten nun bei ihm zu Hause, sicher verwahrt, auf den Einbau für ein berühmtes Haus- oder Kirchenmodell.

Burkhard Fuchs

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