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Segeberg Schafzüchter uneins über Wölfe
Lokales Segeberg Schafzüchter uneins über Wölfe
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12:49 22.12.2018
Andreas Fick (50) aus Langniendorf hält seine Jakob- oder Vielhornschafe zusammen mit Lamas. Mit denen ist nicht zu spaßen, wenn es um den Schutz der Herde geht. Quelle: Heike Hiltrop
Leezen

Die immer mehr werdenden Wildgänse in Dithmarschen koten die Schafwiesen voll, was Krankheiten bringt. Die Kolkraben und Krähen sehen in frisch geborenen Lämmern leichte Beute – und nun auch noch der Wolf: Schafzüchter in der Region fühlen sich nicht ernst genommen in der Sorge um ihre Tiere und deren Bedrohung – weder von der Politik, noch von denjenigen, die sich freuen, dass Isegrim in den Norden zurückkehrt.

„In den sozialen Netzwerken tobt ein großer Shitstorm. Wir werden beschimpft und fertiggemacht“, umschreibt es ein Schafhalter aus Kisdorf, der seinen Namen nicht nennen möchte. Zur Konferenz des Bezirks Südholstein in Leezen sind etwa 15 der 74 Mitglieder aus dem Lauenburgischen, den Kreisen Segeberg und Stormarn sowie aus Lübeck in Teegens Gasthof gekommen. Und eines wird deutlich: Eine sachliche Diskussion zum Thema Wolfsmanagement hinzubekommen, wird immer schwieriger. Längst wird sie von allen Seiten hoch emotional geführt. „Es gibt so viele Wolfsbefürworter, da sind die Fronten verhärtet“, sagt Schafzüchter Andreas Pirdzuhn aus Todesfelde.

„Es gibt so viele Wolfsbefürworter, da sind die Fronten verhärtet“, Andreas Pirdzuhn aus Todesfelde züchtet seit über 25 Jahren Schafe. Quelle: Heike Hiltrop

„Ich bin fest davon überzeugt, dass man uns zugunsten des Wolfes nicht die Wahrheit sagt“, glaubt Hans-Dieter Busack aus Wakendorf II. „Wenn sie den Wolf unbedingt hier haben wollen, dann muss er auch in die Jagdliste aufgenommen werden.“ Auch Pirdzuhn sieht die Entwicklung kritisch: „Dass wir entschädigt werden, darauf kommt es gar nicht an. Ich züchte seit 25 Jahren. Das ist alles hin, wenn der Wolf einmal in der Herde war.“ Pirdzuhn glaubt nicht, dass die vom Land aufgezählten Maßnahmen erfolgversprechend sind. „Der Wolf ist da, eine wolfsfreie Zone wird niemand hinbekommen. Ich kann diejenigen gut verstehen, die mit Angst auf die Koppel gehen. Der Wolf verbreitet Panik. Das erste Schaf bremst noch am Schutzzaun, aber die anderen trampeln ihn nieder – und dann?“

Andreas Fick: „Ich habe Lamas in der Herde, die werden mit jedem Wolf fertig.“

Gelassener ist lediglich Züchter Andreas Fick aus dem Kreis Stormarn, wenn er auf seine 40 Mutterschafe und Bock „Jakob“ schaut: „Ich geh’ beruhigt auf meine Weide: Ich habe Lamas in der Herde, die werden mit jedem Wolf fertig. Das ist für sie kein Problem.“ Schon bevor Isegrim ein Thema war, gehörten die Andenkamele bei dem 50-jährigen Landwirt aus Langniendorf zum Tierbestand. Und seit er beobachten konnte, wie aggressiv sie einen frei laufenden Hund attackiert haben, ist er sich sicher, das seine Schafe bestens geschützt sind. „Ich glaube nicht, dass der Wolf geschossen werden muss. Das ist der falsche Weg, auch wenn ich die Sorgen der Kollegen verstehen kann.“ Man müsse Alternativen ausprobieren, „vielleicht sind Lamas eine davon, aber es gibt bestimmt auch andere Möglichkeiten, als einen Zaun zu ziehen.“

Weidemastprojekt für Schafe/Südholstein

Schleswig-Holstein ist das drittgrößte Schaf-Bundesland. Der Landesverband schleswig-holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter hat im Bezirk Südholstein, zu dem die Kreise Segeberg und Stormarn, das Herzogtum Lauenburg und die Hansestadt Lübeck gehören, 74 Mitglieder mit 927 Herdbuchschafen. Schafhaltende Betriebe gibt es nach Verbandsangaben mehr (Stand 2016): Die meisten sind es mit 72 und 2843 Schafen im Segebergischen, gefolgt von Stormarn mit 49 Betrieben und 1191 Schafen. In Lauenburg sind es 46 Betriebe mit sogar 3376 Schafen und in Lübeck zwölf mit 1050 Tieren.

Wie gut die Qualität der Schafe ist, wenn sie sich nur auf der Weide ernähren und kein Kraftfutter dazu bekommen, dem soll ein Projekt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaften (EPI) nachgehen. Nach einem erfolgreichen Weidemastversuch mit Weißkopf-Lammböcken sollen für das neue Projekt namens „Tiergenetische Ressourcen“ neben 40 Weißkopf- auch jeweils die gleiche Anzahl Charollais-, Suffolk- und Texelschafe eingebunden werden. Geleitet wird das Projekt von der Arche Warder in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität Kiel und verschiedenen Tierzuchtorganisationen. Ziel sei es, Vererber zu identifizieren, die sich unter den Bedingungen einer Gebrauchsschäferei besonders gut entwickeln.

Unsicherheit herrscht offenbar bei vielen, was diese Einzäunung generell angeht: „Ich habe unterschiedliche Infos bekommen. Da ändert sich ständig irgendwas“, sagt ein Schafzüchter aus Lauenburg, dem klare Ansagen fehlen, was genau den Mindestschutz definiert und was wolfssicher ist. Denn nur letzteres sei maßgeblich für mögliche Entschädigungen in einem ausgewiesenen Wolfsgebiet, wie dem Herzogtum Lauenburg. Zudem müsse genau definiert werden, was ein Problem-Wolf sei, ergänzt Janine Bruser, Geschäftsführerin beim Landesverband Schleswig-Holsteiner Schaf- und Ziegenzüchter.

Aktuell gilt für das Land ein Elektro-Netzzaun mit 300 bis 5000 Volt als geeigneter Standard beim Herdenschutz. Er sollte mindestens 106 Zentimeter hoch sein. Als wolfssicher gelten vier- bis fünfzügige sogenannte Litzenzäune mit einer Mindesthöhe von einem Meter, aber das Land empfiehlt eine Höhe von 120 Zentimetern. Der Abstand zwischen dem Boden und der untersten Litze soll nicht mehr als 20 Zentimeter betragen. Innerhalb von ausgewiesenen Wolfsgebieten zahlt das Land – und auch gut bemessene Entschädigungen bei einem Riss. 400000 Euro hat das Land Schleswig-Holstein 2018 zusätzlich für Herdenschutzpakete ausgegeben, im kommenden Jahr soll diese Summe erhöht werden.

Mehr Infos über Wölfe: www.wolfsinfozentrum.de. So berichtete die LN bisher über Wölfe: www.ln-online.de/woelfe.

Heike Hiltrop

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