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Segeberg Sülfelds Jugendliche schieben Frust
Lokales Segeberg Sülfelds Jugendliche schieben Frust
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14:45 08.12.2018
Sie hoffen, dass sich die Zeiten in Sülfeld für Jugendliche wieder ändern: Kevin Stahlberg, Lena Bärwald, Jugendpfleger Olaf Köppen, Justin Spitzmacher, Jonas Sensen (vorne, v. li.) , Robin Hellwich, Michel Voß und Marvin Lange (oben, v. li.). Quelle: Petra Dreu
Sülfeld

 Was ist gute Jugendarbeit? Sind das 30 lachende Kinder, denen der Teig vom Keksebacken im Jugendzentrum noch an der Nase klebt? Oder sind es 30 Jugendliche und junge Erwachsene, die aufstehen, in einer Ausschusssitzung das Wort ergreifen und sagen: „So nicht“?

Was gute Jugendarbeit ist und was nicht, darüber gehen in Sülfeld die Meinungen weit auseinander. Und das geht nicht nur dem Jugendpfleger Olaf Köppen gehörig gegen den Strich, der die Gemeinde inzwischen um einen Auflösungsvertrag gebeten hat, sondern auch den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, für die er in zehn Jahren zu einer wichtigen Bezugsperson geworden ist. Ein Versuch, den Mitgliedern des Kulturausschusses genau dieses begreiflich zu machen, war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Jetzt soll am Dienstag, 11. Dezember, um 18 Uhr im Jugendraum der Sporthalle, Oldesloer Straße 9, ein zweiter Versuch unternommen werden, eine Lösung im Sinne einer Offenen Jugendarbeit zu finden. Nicht nur die Ausschussmitglieder, sondern auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Eltern und Olaf Köppen haben zugesagt, dabei zu sein.

Seit zehn Jahren Jugendpfleger

Seit zehn Jahren arbeitet Olaf Köppen als Jugendpfleger in der Gemeinde Sülfeld. Er leitet den Jugendtreff und ist darüber hinaus Schulsozialarbeiter in Sülfeld und Seth. Er ist nicht nur ein Bindeglied zwischen beiden Schulstandorten, sondern begleitet die Schüler quasi von der fünften Klasse an. Er sieht sie aufwachsen, ist Ratgeber, Kummerkasten, Schulter zum Anlehnen und baut auf, wenn gerade der Himmel zusammenzustürzen droht.

Olaf Köppen ist keiner, der auf Biegen und Brechen mit dem Strom schwimmt, sondern auch mal aneckt, wenn ihm seine Erfahrung sagt, dass etwas falsch läuft. Die ersten Jahre in Sülfeld seien sehr positiv gewesen. Der damalige Bürgermeister habe ihn als seinen Berater gesehen. Man habe sich über Jugendarbeit ausgetauscht. Das sei inzwischen nicht mehr so. „Ein Jugendtreff ohne Internetzugang geht gar nicht. Seit Jahren kämpfen wir um freies WLan. Es passiert nichts. Dann darf sich niemand darüber wundern, dass die Jugendlichen entweder bei Edeka oder an der Bushaltestelle sitzen. Dort gibt es WLan“, sagt Köppen. Er hat Angst um all das, was er in den zehn Jahren aufgebaut hat. „Während der Bauarbeiten für den Kindergartenanbau werden die Kleinen für acht Monate hier einziehen. Falls der Jugendtreff deshalb geschlossen wird, fängt man wieder ganz von vorne an“, befürchtet er.

25 Jugendliche protestieren beim Kulturausschuss

Es sei eine Vielzahl von Kleinigkeiten gewesen, die ihn dazu veranlasst hätten, die Reißleine zu ziehen. „Ich bin noch nicht mal nach dem Warum gefragt worden“, zeigt sich der Jugendpfleger enttäuscht. Wie er sind auch die Jugendlichen frustriert. „Wenn er geht, wäre das für viele Jugendliche eine Katastrophe. Ich brauche lange, um mich öffnen zu können. Zu ihm aber habe ich Grundvertrauen“, verrät Marvin (15) während eines Gesprächs mit den Lübecker Nachrichten im Jugendtreff. Ähnlich ergeht es Kevin (15): „Seit sechs Jahren unterstützt und begleitet er mich in allen Lebenslagen. Ich konnte mit jedem Problem zu ihm gehen. Er wusste immer Rat.“

Um ihren Jugendpfleger gebührend zu verabschieden und den Kommunalpolitikern begreiflich zu machen, was ihnen wichtig ist, besuchten rund 25 Jugendliche die letzte Sitzung des Kulturausschusses und schoben am Ende weiteren Frust. „Ich habe gedacht, dass ich mitreden darf, wurde aber immer wieder unterbrochen“, zeigt sich Marvin enttäuscht vom ersten Ausflug in die Kommunalpolitik. Noch schlimmer hat es Michel (14) empfunden: „Viele Reaktionen waren für mich einfach respektlos.“

Politik bietet Gespräch an

Das jedoch hat Joachim Kaufhold, der seit der Kommunalwahl im Mai 2018 den Sozial- und Kulturausschuss leitet, anders erlebt: „Die Gemeinde muss Jugendliche bei Entscheidungen beteiligen, die sie betreffen. Deshalb bin ich froh, dass so viele von ihnen zur Sitzung gekommen sind. Ich würde mich freuen, wenn das auch in Zukunft so bleibt.“ Er könne die Ungeduld der Jugendlichen verstehen. Die Bereitschaft der Politik zum Austausch mit den Jugendlichen sei aber auf jeden Fall gegeben. „Deshalb kommen wir ja auch am Dienstag alle zusammen“, so der Vorsitzende, der Vieles anders machen möchte und die Kündigung von Olaf Köppen bedauert. „Vielleicht wäre besser gewesen, vor einem solchen Schritt die nächsten paar Monate abzuwarten.“

Petra Dreu

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