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Segeberg Tesa-Umsatz nur leicht gestiegen
Lokales Segeberg Tesa-Umsatz nur leicht gestiegen
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22:10 29.03.2017
Laborleiterin Cai Rong Lim prüft im Forschungszentrum von Tesa in Norderstedt ein transparentes Klebeband. Quelle: Fotos: Charisius/dpa, Fuchs (2)
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Norderstedt

Das Wachstum bei Norderstedts künftig größtem Gewerbesteuerzahler machte 2016 eine kleine Pause. Der Klebemittelhersteller Tesa, der im Jahr davor mit 1000 Mitarbeitern in sein neues Hauptquartier im Süden der Stadt gezogen ist, das er für 170 Millionen Euro an der Niendorfer Straße neu errichtet hat, konnte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr nur leicht um 0,5 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro steigern. Auch das Jahresergebnis ist mit immer noch beachtlichen 186 Millionen Euro (minus 2,8 Prozent) leicht gesunken, stellte Tesa-Vorstandschef Robert Gereke jetzt bei der Jahresbilanz dar.

Norderstedter Unternehmen gleicht Asien-Schwäche durch Automobilgeschäft aus.

Die Umsatzrendite sank somit von 16,8 auf 16,2 Prozent. Dass jeder sechste eingenommener Euro auf der Gewinnseite zu verbuchen war, lässt Gereke über das gesamte Geschäftsjahr urteilen: „Wir sind zufrieden.“ Zumal seit 2013 zum vierten Mal hintereinander die Umsatzrendite oberhalb der 16 Prozent-Marke geblieben ist.

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Diese insgesamt stagnierende Entwicklung liegt vor allem daran, dass das erste Vierteljahr 2016 schlecht verlaufen sei, erläuterte Tesa-Finanzvorstand Jan Christoph Teetz. Der chinesische Markt war rückläufig, der gesamte Elektronikbereich ist in 2016 um 20 Prozent gesunken. Vor allem der Tablet-Markt sei „deutlich eingebrochen“, so der Tesa-Vorstandschef Gereke. Dies sei „schade“, da der Klebeanteil bei einem Tablet-Computer weitaus höher und profitabler sei als bei einem Smartphone. Aber die drei folgenden Quartale seien wieder durch ein steigendes Geschäft gekennzeichnet gewesen, so Gereke. Allein von September bis Dezember sei der Umsatz um 6,7 Prozent gestiegen, doppelt so schnell, wie sich der gesamte Markt entwickelt habe.

Diese Entwicklung im Elektronikbereich, die Gereke auch als kleine Krise bezeichnete, sei aber gut für Veränderungen, zu denen sich ein Unternehmen in guten Zeiten kaum entschließen könnte. So habe Tesa sein Kundengeschäft von den bisher führenden Smartphone-Herstellern Apple und Samsung auf die stark wachsenden chinesischen Anbieter ausgeweitet. Gereke: „Wir haben den Kundenmix gedreht und sind jetzt im chinesischen Markt drin.“

Das Brot-und-Butter-Geschäft für Tesa bleibe der Automobilbereich, der 2016 allein um 14 Prozent gewachsen sei. Bei den Kabelbaum-Umwicklungen im Fahrzeug sei der Norderstedter Klebemittelhersteller absoluter Marktführer. Hinzu kämen jetzt weitere Klebelösungen für den Antriebsbereich und sogar für Kupplungssysteme, kündigte Vorstandschef Gereke an. Auch von den Zwei-Farb-Lackierungen, die bei vielen Herstellern gerade im Trend lägen, sei die Firma Tesa „Weltmarktführer“, weil sie der Automobilindustrie dafür „automatische Systeme“ anbieten könne. Zudem würden im Fahrzeuginnenraum immer mehr kantige Stellen mit Klebesystemen bestückt, um die Insassen vor Verletzungen zu schützen.

Im Konsumentenbereich, der nur ein Fünftel des Gesamtumsatzes ausmacht, sei Tesa um rund fünf Prozent gewachsen. Hierbei konzentriere sich Tesa jetzt auf Haltesysteme und habe dafür gerade eine europaweite Kampagne gestartet, die das Verschrauben und Dübeln von Borden, Schränken oder Bilderrahmen vollkommen überflüssig mache. Dafür sei nun auch die das Unternehmen „nie wieder Bohren AG“ von Tesa als wichtigster Zulieferer in diesem Segment aufgekauft worden.

Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand der Norderstedter ein Umsatzplus von drei bis vier Prozent und eine leicht rückläufige Umsatzrendite.

 Burkhard Fuchs