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Segeberg Thies Teegen: Leidenschaftlicher Einsatz für Menschen mit Behinderung
Lokales Segeberg Thies Teegen: Leidenschaftlicher Einsatz für Menschen mit Behinderung
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18:00 23.11.2019
Thies Teegen (55) engagiert sich für die Belange von Menschen mit Behinderung. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Geschäftiges Treiben in der „Industriegruppe drei“. Ein Mann mit Basecap lenkt einen Hubwagen, auf dem Kartons gestapelt sind, Richtung Lagerhalle. „Das gehört zu meinen Aufgaben“, sagt Thies Teegen und zeigt auf eine Maschine, mit der dicke Stahlseile aufgerollt und auf Länge gebracht werden. „Das mache ich auch. Für die Firma Grundfos.“

Seit 36 Jahren arbeitet der 55-Jährige hier. Er liebt seinen Job. „Er erfüllt mich.“ Alles ist so, wie in tausenden anderen Betrieben. Bis auf die Tatsache, dass die „Industriegruppe drei“ Teil der Segeberger Wohn- und Werkstätten ist. „Ich habe eine Schädigung mittleren Grades. Das ist was im Kopf. Ich bin nicht so geschickt wie andere, und eine gewisse Schwerhörigkeit habe ich auch“, sagt Teegen.

Ehrenamtlich für Inklusion unterwegs

„Manche fühlen sich erniedrigt und herabgesetzt, wenn man Behinderung sagt. Es ist negativ besetzt. Darum ist es besser, von Einschränkung zu sprechen. Mir macht das aber nichts.“ Und nichts davon spricht dagegen, dass er sich im Werkstattrat für die Kollegen einsetzt. Er berät ehrenamtlich zur ergänzenden, unabhängigen Teilhabe (EUTB), ist Sprecher der „Wir-Gruppe“ im Landesvorstand der Lebenshilfe, engagiert sich als Beisitzer im Ortsverband, gehört zum Inklusionssteuerungkreis 2.0.

Als Schüler wurde ich nicht auf Augenhöhe behandelt

Thies Teegen gehört zu denen, die den Leitgedanken der UN-Behindertenrechtskonvention für eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft aller Menschen voranbringen will. Ausgrenzung erlebe er im Alltag nicht. „Vielleicht, weil man mir meine Behinderung nicht so ansieht. Aber ich kenne andere, da sieht man es mehr, und die erfahren sie. In meiner Schulzeit wurde auf mich herabgesehen. Da wurde ich nicht auf Augenhöhe behandelt. Es war die schwerste Zeit meines Lebens. Meine Mitschüler wussten nicht, wie sie mit mir umgehen sollen.“ Mit dem Eintritt in das Berufsleben sei das anders geworden. Sein Lehrer habe gesagt, dass er in der beschützten Werkstatt gut aufgehoben sei. Teegen: „Das stimmt auch.“

Es ist gibt noch viel zu tun

Man solle Leute mit Beeinträchtigung so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, betont Thies Teegen. „Sie brauchen Akzeptanz. Und ich würde mir wünschen, dass Menschen mit Einschränkungen mehr einbezogen werden.“ Und er weiß, dass da noch viel Luft nach oben ist: „Wir haben einen Taubstummen, der möchte sich in unsere Arbeit in der Lebenshilfe einbringen, aber die Eingliederungshilfe bewilligt keinen Gebärdendolmetscher, den er dafür bräuchte. Die Gesellschaft muss dahin kommen, dass Menschen das tun können, was sie wollen.“

Ängste überwinden für Gleichberechtigung

Der Unsicherheit und Ängste im Umgang mit Menschen mit Einschränkungen, von der Thies Teegen spricht, hat sich Dennis Klein in dem Dokumentarfilm „Menschsein“ gestellt. Als Kind verschreckt von Menschen mit Behinderung, reiste er zusammen mit Oliver Stritzke in 23 Länder und sprach mit körperlich und geistig eingeschränkten Menschen, die ihre Geschichten erzählten.

Die Lebenshilfe und das CinePlanet 5 haben sich zusammengetan um die Doku "Menschsein" zu zeigen und im Anschluss über den Film und das Thema Inklusion zu diskutieren. Quelle: Heike Hiltrop

 Wenn die Doku am 3. Dezember, dem Welttag für Menschen mit Behinderung, auch im Kinocenter Cineplanet 5 gezeigt wird, dann ist Thies Teegen dabei, um im Anschluss gemeinsam mit anderen und dem Publikum zu diskutieren. Er freue sich schon auf die Gespräche, sagt der 55-jährige Fredesdorfer.

Nur auf der Bühne schlüpft er in andere Rolle

Und wenn er mal nicht in der „Industriegruppe drei“ oder in einem seiner vielen ehrenamtlichen Aufgaben eingespannt ist? „Dann fahre ich leidenschaftlich gerne Fahrrad. Und spiele Theater bei der Gruppe Wildes Land.“ Dort habe ich auch das freie Sprechen gelernt, sagt Thies Teegen. „In eine andere Rolle möchte ich aber nur auf der Bühne schlüpfen.“

Tickets zum Film

Der aufrüttelnde Dokumentarfilm„Menschsein“ von Oliver Stritzke wird am Dienstag, 3. Dezember, im CinePlanet 5 in Bad Segeberg gezeigt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt beträgt auf allen Plätzen sieben Euro. 80 Prozent der Plätze sind barrierfrei erreichbar, für Rollis gibt es zwei Plätze.

Von Heike Hiltrop

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