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Segeberg Tiny-House am Mözener See: Auch im Winter noch ein Wohntraum?
Lokales Segeberg

Tiny-House am Mözener See in Wittenborn - Wie lebt es sich im Winter?

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12:00 07.11.2021
Im Juli hat Linda Sebrantke ihr fast fertiges Tiny-House am Mözener See bezogen.
Im Juli hat Linda Sebrantke ihr fast fertiges Tiny-House am Mözener See bezogen. Quelle: Heike Hiltrop
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Wittenborn

Das leichte Kleid und die Flipflops sind gegen eine warme Strickjacke, lange Hosen und dicke Socken getauscht. Der im Sommer so idyllische Sandweg zwischen Hecken und alten Bäumen zum Tiny-House von Linda Sebrantke gleicht einer zerfurchten Schlammpiste. Weniger wohnen, mehr leben und das auf wenig Raum ist ein Trend, ausgemalt in den schönsten Farben. Doch wie sieht die Realität im Winter aus, wenn es kalt, düster und nass ist? Ist der Wohntraum dann immer noch so erstrebenswert? Die LN haben die 54-Jährige nach ein paar Monaten erneut besucht und nachgehakt.

„Es gibt auch mal Stromausfall – na und.“

„Mein Vater war Wohnmobilhändler und ich habe jahrelang mit einem Straßenmusiker zusammengelebt: Ich wusste, auf was ich mich einlasse“, fasst Linda Sebrantke knapp zusammen. 15 Quadratmeter misst ihr winziges Eigenheim auf Rädern, das sie, wie berichtet, im Juli, als es erst halb fertig war, bezogen hat. Die kleine Küche ist mittlerweile eingebaut. Einen Fernseher brauche sie nicht. Und seit die Nachbarin mit einer Infrarot-Heizung ausgeholfen hat, weil die eigene erst Ende November kommt, ist es auch warm. „Richtig gemütlich wurde es, als mein Bett kam. Hier ist es nachts richtig dunkel. Ich kann von dort in den Sternenhimmel sehen – herrlich.“

Tiny-House, Bauwagen oder Mobilheim: Hauptsache wenig Ballast

Allerdings herrscht überall noch Umzugschaos. Sich räumlich zu verkleinern, Ballast abzuwerfen, das befreie sehr, sagen diejenigen, die den Schritt wagen. Aber es macht zunächst auch viel Arbeit und sorgt für Kuddelmuddel. „Ich räume momentan einfach viel. Die Sachen müssen noch ihren Platz finden“, sagt die Betreuerin und Sozialpädagogin mit einem Achselzucken. Dass die Dusche knapp 100 Meter Fußweg entfernt ist und der Wind gelegentlich ungemütlich ums Tiny-House pfeift: „Das stört mich überhaupt nicht. Es gibt auch mal Stromausfall. Na und. Ich bin abgehärtet. Der Vorteil eines Campingplatzbades: Ich muss nicht putzen.“

Leben im Rhythmus der Natur

Verändert habe sich nicht nur das Umfeld, mit Nachbarn, die sich gegenseitig helfen und unterstützen, „ohne einem auf die Pelle zu rücken“. Aus der Vorfreude, die Jahreszeiten hautnah zu erleben, sei ein Rhythmus geworden, dessen Takt die Natur vorgebe. Das habe sich im Bezug auf ihr altes Leben sehr verändert, sagt Linda Sebrantke. „Ich stehe früh auf, wenn der Tag beginnt. Das habe ich mein Leben lang nicht gemacht. Und ich gehe ins Bett, wenn es dunkel ist.“ Der Schritt habe sich immer richtig angefühlt. Wichtigste Voraussetzung: „Man muss ein offener Mensch sein.“ Das bestätigt Nachbarin Christa Kröger aus der kleinen Tiny-House-Siedlung, die zum Schnack rübergekommen ist.

Eine überschaubare Welt

Die 82-Jährige lebt seit zwei Jahren auf mobilen 30 Quadratmetern und ist im August mit ihrem hölzernen „Wohlwagen“ – ein Tiny-House de Lux mit Kaminofen, Erker, Veranda und Bauwagenoptik – von Stocksee nach Wittenborn umgesiedelt. „Ich brauche ein bisschen mehr Platz, als Linda.“

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Ein größeres Haus käme für sie nicht mehr infrage. „Es ist alles zu viel, wenn man alt ist.“ Sie sei schon immer anders gewesen, sagt die Frau mit den weißen Haaren und dem direkten Blick. Drei Jahre mit einem Segelboot auf See, Nanny in Paris, Sprachtherapeutin in Italien: „Ich habe alles gemacht, was mir das Leben zu bieten hat.“ Nun der Rückzug auf das Wesentliche. Christa Kröger lehnt sich in ihrem Stuhl zurück: „Das hier ist eine überschaubare Welt. Ich kann mir kein schöneres Leben vorstellen.“ Und wenn es mir nicht mehr gefällt, dann ziehe ich einfach weiter.“ Da ist sie sich mit Linda Sebrantke einig.

Von Heike Hiltrop