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Segeberg Tödlicher Unfall auf der A7: Fahrer erneut freigesprochen
Lokales Segeberg Tödlicher Unfall auf der A7: Fahrer erneut freigesprochen
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16:53 21.05.2019
Der Unfall ereignete sich am 18. Januar 2017 auf der A 7 bei Bad Bramstedt. Quelle: Danfoto
Kiel/Bad Bramstedt

Mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer konnte nicht endgültig nachgewiesen werden: Ein 72-jähriger Unfall-Fahrer ist vor dem Kieler Landgericht erneut freigesprochen worden. Ihm wurde vorgeworfen, dass er auf der Fahrt in Richtung Norden bei 120 Stundenkilometern sein Handy bediente, um eine Whatsapp-Nachricht zu beantworten.

Eine 33-Jährige war bei dem Unfall Anfang 2017 auf der A7 bei Bad Bramstedt ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass der Mann beim Überholvorgang den Blick nicht dort hatte, wo er hingehörte. Das Gericht folgte dieser Ansicht nicht. „Wir können nicht ausschließen, dass der Unfall für den Angeklagten unvermeidbar war“, begründete der Vorsitzende der Berufungskammer, Gunther Döhring, das Urteil. Selbst wenn man dem Angeklagten die Nutzung seines Handys vorwerfen könne, sei die Kammer nicht von seiner Schuld überzeugt. Denn das Fahrverhalten des Opfers sei ungeklärt geblieben. „Wie sich der Unfall tatsächlich ereignet hat, wissen wir nicht.“

Tödliche Ablenkung durch Smartphone-Nutzung am Steuer? Der Angeklagte (l.) beim Prozessauftakt im Kieler Landgericht. Quelle: hfr

Damit wurde das Urteil des Schöffengerichts in Neumünster bestätigt, das den Mann vor einem Jahr freigesprochen hatte. Gegen den Freispruch im Juni 2018 hatten Staatsanwaltschaft und Angehörige des Opfers Berufung eingelegt.

Ein Kfz-Sachverständiger hatte aus dem Spurenbild am Unfallort geschlossen, dass der gelbe Polo der Frau mit einer Geschwindigkeit von nur 52 bis 62 Stundenkilometern vom Standstreifen auf die rechte Fahrbahn wechselte, als der Angeklagte ihn mit doppelter Geschwindigkeit von der Überholspur kommend erfasste.

Es gibt keine Augenzeugen

Für den Crash gab es keine Augenzeugen. Laut Urteil ist nicht auszuschließen, dass die Fahrerin des Kleinwagens mit dem außergewöhnlich langsamen Tempo abrupt vom Standstreifen auf die rechte Fahrspur wechselte. Dem Angeklagten, der kurz zuvor mit Tempo 120 einen Kleintransporter überholt hatte, blieben laut verkehrstechnischem Gutachten im ungünstigsten Fall nur 1,2 Sekunden Reaktionszeit.

Mit einem solchen Manöver hätte der Angeklagte nicht rechnen müssen, erklärte der Vorsitzende und verwies auf die erhöhte Sorgfaltspflicht des nicht vorfahrtsberechtigten, zum Warten verpflichteten Opfers. Ein solches Szenario ist laut Urteilsbegründung nicht bewiesen, aber auch nicht auszuschließen.

Staatsanwaltschaft forderte Freiheitsstrafe auf Bewährung

Die Staatsanwaltschaft verwies auf die gutachterlich belegte zeitnahe Handy-Nutzung des Angeklagten, der kurz vor dem Unfall auf eine Whatsapp-Nachricht reagiert habe. Sie forderte wie in erster Instanz ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 5000 Euro Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen. Der als Nebenkläger am Prozess beteiligte Witwer reagierte betroffen auf den Freispruch. Gegenüber Medienvertretern wollte er das Urteil jedoch nicht kommentieren.

Angeklagter: „Ich habe nicht fahrlässig getötet“

Der Angeklagte hatte im Berufungsprozess geschwiegen. In seinem letzten Wort bedauerte der 72-Jährige blass und sichtlich bewegt, aber mit fester Stimme „aufrichtig und zutiefst“ jenes Geschehen, das das Leben des Nebenklägers und auch sein eigenes auf den Kopf gestellt habe. Gleichzeitig will er jedoch „absolut keine Möglichkeit“ gehabt haben, den Unfall zu vermeiden: „Ich habe keine Schuld auf mich geladen. Ich habe nicht fahrlässig getötet.“

Zahlreiche Verkehrsverbände haben die Ablenkung durch das Smartphone zur Unfallursache Nummer 1 erklärt. Laut dem Verein „Automobilclub Mobil in Deutschland“ sterben bei 100 000 Unfällen im Jahr mehr als 500 Menschen. Rund 25 000 werden verletzt, weil sie ihre volle Aufmerksamkeit nicht dem Verkehrsgeschehen widmen. Der Verein will mit einer bundesweiten Kampagne gegensteuern.

Verkehrswacht: Urteil zu Handynutzung ist überfällig

Ein Urteil zur Handy-Nutzung am Steuer sei längst überfällig, meint die Geschäftsführende Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein, Elisabeth Pier. „Es ist so gefährlich, und es wird so banalisiert.“ Auch wenn sie den Einzelfall nicht bewerten will. „Die Gerichte haben gute Gründe für ihre Entscheidungen.“

Trotzdem glaubt sie, dass Zeichen gesetzt werden müssen. „Man sieht viele Menschen mit Telefon am Ohr. Nicht nur bei stehendem Verkehr, sondern auch beim Fahren. Da kann man sich nur wundern, dass so wenig passiert“, sagt Pier. So einen gravierenden Fall könne man durchaus zum Anlass nehmen, die richtigen Signale für Autofahrer zu senden. „Urteile haben nicht nur den Wert zu bestrafen. Sie sollen andere auch warnen, dass es so nicht geht.“

Auch Ulf Evert, Sprecher des ADAC in Schleswig-Holstein, will das Urteil nicht kommentieren. Dem Problem müsse aber mehr Beachtung geschenkt werden. „Jedes Gesetz ist nur so gut wie seine Kontrollen.“ Wer mit dem Mobiltelefon am Steuer erwischt werde, bekomme einen Punkt und ein Bußgeld. Bei Gefährdung oder Unfall entsprechend mehr.

Weniger Alkohol, mehr Bildschirme

Kontrollen seien de facto aber nicht gegeben. Es gebe lediglich Zufallstreffer und wenige Schwerpunktkontrollen. Dabei liegt für ihn das Problem auf der Hand: „Jeder, der sich zehn Minuten an eine beliebige Kreuzung stellt, sieht, dass unendlich viele Menschen das Telefon benutzen“, sagt Evert.

Auch die Polizeidirektion Bad Segeberg sieht das immense Verkehrsrisiko. „Fahrzeuge neigen dazu, komplizierter zu werden“, sagte Matthias Wendt von der Polizeidirektion Segeberg in der vergangenen Woche im Kreishaus. Fahrer hätten ihre Augen dort: Bildschirme, Telefone und Nachrichtendienste. Der Alkoholmissbrauch am Steuer sinke sogar. Die eigene Darstellung in sozialen Netzwerken aber habe sich wettbewerbsmäßig verfestigt – dabei sei es auch dienlich, auf die eigene Gesundheit zu achten. Die Polizei hatte im Zuge ihrer Unfallstatistik verstärkte Kontrollen angekündigt.

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Irene Burow

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