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Segeberg Trabi-Kult in Goldenbek
Lokales Segeberg Trabi-Kult in Goldenbek
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22:26 25.05.2018
Zur Geburtstagsfeier gibt es eine neue, kultige Idee: Den Trabi-Strandkorb hat Harald Renger über die Pfingsttage fertiggestellt.
Zur Geburtstagsfeier gibt es eine neue, kultige Idee: Den Trabi-Strandkorb hat Harald Renger über die Pfingsttage fertiggestellt. Quelle: Fotos: Irene Burow
Goldenbek

„Wer im Auto schläft, steht in der hinteren Reihe“, sagt Harald Renger und zeigt auf die Rasenfläche an seinem Haus. „Die anderen davor.“ Rund 25 Modelle parken dann auf dem großen Hof oder der Einfahrt der Rengers. 40 Gäste erwartet er aus dem ganzen Norden: aus Hamburg, Heide und Flensburg. Darunter sind ein Trabant 601 Kübel – der offene Geländewagen für die Armee –, zwei Qek Junior-Wohnwagen, Limousinen und Kombis, Tuningfahrzeuge und auch der ehemalige LO 3000-Kleinreisebus, umgebaut zum Wohnmobil.

„Gott sei Dank haben wir sehr tolerante Nachbarn“, sagt Rengers Frau Carola (54) lachend. Es sei ein Kommen und Gehen der Schrauber, alle wollten den Rat ihres Mannes. „Unser Leben dreht sich nur noch um diese Autos. Es gibt fast nichts, was er nicht hat.“ Dann steht der Hof voller Trabis, und es wird bis spät in die Nacht geschraubt. „Und ich renne immer nur mit dem Tablett herum und verteile Cappuccino.“

Mit Aufsitzrasenmäher fing alles an

Manchmal ist Carola Renger sich nicht ganz sicher, ob das eine so gute Idee war damals. Denn ausgerechnet sie selbst hat das verrückte Hobby vor zehn Jahren losgetreten. Mit einem Aufsitzrasenmäher fing alles an. Ein Geschenk zum ersten Hochzeitstag im Jahr 2010 sollte es sein. Gesucht – gefunden, bei einem Landwirt in Bad Oldesloe. „Und dann stand nebenan dieses Trabi-Wrack in einer ollen Scheune“, erinnert sie sich. So einen wollte ihr Mann immer mal haben.

Carola und Harald Renger halten im Kreis Segeberg den Trabi-Kult am Leben. Klicken Sie sich durch die Galerie.

„Da nahm das Drama seinen Lauf“, sagt Carola Renger augenzwinkernd. Wann immer seither Wracks verschenkt oder für kleines Geld angeboten werden, fährt Harald Renger los. Es sind Unfallwagen, Garagenfunde, „immer Schlachtobjekte. Ich weiß nicht, wie viele Scheunenwracks ich schon auseinandergenommen habe“. Mehr als zwei Dutzend bestimmt, schätzt der 60-Jährige.

Einmal holte das Paar einen Trabi aus einem Knick, ein anderes Mal mussten sie ein Fahrzeug aufsägen – weil ein Baum aus der Motorhaube wuchs. Tausende Teile lagern inzwischen in ihren Carports in Goldenbek. Schalter, Schlaufen, Griffe, Leisten. Von Kontrollleuchten, Tachos und Rückblenden bis hin zu Zündspulen, Armaturen, Motoren und Sitzpolstern ist hier alles zu finden. „Ich habe bestimmt das größte Lager im Umkreis von hundert Kilometern. Für mein Rentendasein habe ich ausgesorgt“, feixt Renger.

Das Genie beherrscht das Chaos: „Es sieht nicht so aus, aber ich weiß, wo alles liegt“, sagt der Trabi-Fan. Er schmeißt nichts weg. Und wenn er etwas nicht hat, dann lässt er sich etwas einfallen.

„Er ist ein richtiger Daniel Düsentrieb“, sagt seine Frau. 50 Fahrzeuge hat er inzwischen repariert oder restauriert, aber nur fünf davon sind auch noch auf den Straßen unterwegs. „Er betreibt das schon sehr exzessiv“, sagt Carola Renger, die bald einen eigenen Trabi bekommt, in Grellgrün. Dazu einen passenden Anhänger, gebaut aus einem halben Trabi.

Ein Stück Heimat nach Hause geholt

„Man braucht schon das richtige Grundstück und die richtige Frau“, erzählt Renger. „Man beachte die Reihenfolge“, antwortet sie, und nun lachen beide. „Es ist ein schöner Ausgleich zur Arbeit und hält den Kopf fit“, sagt der Lkw-Fahrer, der sich ein Stück Heimat nach Hause geholt hat. Denn als Kind der DDR schraubte er schon bei seinem Vater, einem gelernten Maschinen- und Motorenschlosser, mit. Sie lebten im brandenburgischen Bad Saarow, kaum mehr als eine halbe Stunde von der polnischen Grenze entfernt.

„Ich konnte noch nicht schreiben, kannte aber den Unterschied zwischen 8er- und 10er-Schraubenschlüsseln“, sagt er. Später wurde er Kfz-Mechaniker. Und so hat Renger sich eine Leidenschaft „von vor 40 Jahren wieder zum Hobby gemacht“. Die Rengers haben sich im Segebergischen kennengelernt, kamen aber vorher aus Berlin – aus „Ost“ und „West“. Und nun freuen sie sich auf eine kultige Geburtstagsfeier nach Osttradition. Ein Extra-Gag darf an diesem Tag nicht fehlen: Zu Pfingsten wurde der Strandkorb-Trabi fertig. „Einen Pool innerhalb von zwei Trabihecks, einen Grill in einem halben Fahrzeug oder einen Trabi als Gartenbank – das gibt es schon. Das brauche ich nicht. Ich will, was keiner hat“, sagt Renger. Hat er erstmal eine Idee, dann geht die Maschinerie in seinem Kopf los – und er ist nicht mehr ansprechbar.

Oldtimerfahrt am 24. Juni

Bei der Bad Segeberger Oldtimer-Rallye sind die Rengers regelmäßig dabei, wie auch in diesem Jahr am Sonntag, 24. Juni. Dort fallen sie auf, nicht nur, „weil wir als einzige Trabi fahren.

Wir kennen das schon. Es will niemand hinter uns fahren“, sagt Carola Renger und lacht.

Der Automobil- und Motorsportclub Bad Segeberg veranstaltet seit 1980 diese Veranstaltung für Oldtimer. In diesem Jahr startet die 38. Oldtimerfahrt. Los geht es um 9.30 Uhr in der Lindhofstraße in Bad Segeberg, pausiert wird gegen 12 Uhr in Leezen, Zieleinfahrt ist um 14 Uhr auf dem Bad Segeberger Marktplatz.

 Irene Burow