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Segeberg Training für die Chemie-Olympiade
Lokales Segeberg Training für die Chemie-Olympiade
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23:14 03.12.2015
Auch Experimente gehören zur ersten Runde der Chemieolympiade. Hier zeigen Thore Pingpank (l.) und sein Lehrer Michael Külzer Änderungen des pH-Werts mittels Indikatoren. Quelle: Silvie Domann/hiltrop
Bad Segeberg

Ein stechender Geruch zieht durch den Pferdestall. Woher kommt dieser? Um welche Substanz handelt es sich dabei? Wie entsteht sie und in welcher Konzentration liegt sie vor? Das sind nur einige Fragen, die zur ersten Runde der Internationalen Chemie-Olympiade (IChO) im vergangenen Jahr gehörten. „Es war nach Ammoniak gefragt“, sagt Thore Pingpank. Und sein Chemielehrer Michael Külzer ergänzt, dass man über Urinmenge und Proteingehalt die Konzentration des Ammoniaks im Stall berechnen musste.

Auch dieses Jahr nimmt der 16-jährige Abiturient an der Dahlmannschule wieder an der IChO teil. Die erste Runde hat er bereits absolviert und gehört nun zu den vier Teilnehmern aus Schleswig- Holstein, die sich für die zweite Runde qualifiziert haben. Die besteht aus einer dreistündigen Klausur, die in etwa zwei Wochen am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) der Uni Kiel geschrieben wird. Thore muss dann Multiple-Choice-Fragen beantworten und komplexe Aufgabenstellungen bearbeiten. Dabei wird ein Chemie-Wissen vorausgesetzt, das über den Schulstoff hinausgeht. Schwerpunkte sind dieses Mal Alkalimetalle und Additionsreaktion aus der Organik. Schwerer Stoff — für Außenstehende. „Als Hilfsmittel dürfen die Schüler einen Taschenrechner benutzen, außerdem bekommen sie eine Formelsammlung und ein Periodensystem gestellt“, erklärt der Lehrer.

Da Thore sich ebenfalls für Biologie interessiert, nimmt er auch an der Internationalen Biologie-Olympiade (IBO) teil. Dort hat er die zweite Runde bereits absolviert und liegt auf dem ersten Platz in Schleswig-Holstein. „Nach jeder Runde gibt es eine Urkunde, Runde drei und vier beinhalten Seminare und praktisches Arbeiten. Die zu erreichen, wäre schon ganz schick“, sagt der Wahlstedter und seine Augen strahlen. Zumal in Runde vier dann auch Geldpreise oder Stipendien ausgelobt werden.

Aber vor allem macht er mit, um andere Schüler für die Welt der Naturwissenschaften zu begeistern. Denn sie erklärten die Welt, und das sei absolut spannend. Thore: „Es ist beeindruckend zu sehen, dass sich alles durch Physik und Mathematik erklären lässt.“ Ein banaler Sachverhalt habe vor Jahren sein Interesse an Naturwissenschaften geweckt: das sprudelnde Mineralwasser in der Flasche, das Gleichgewicht von Kohlensäure und Kohlenstoffdioxid.

Zum dritten Mal nimmt Thore an den Wettbewerben teil und lernt immer neuen Stoff dazu. Er hat sich so Wissen über Atomorbitale, Puffersysteme, Gensequenzierung, Radiokarbonmethode oder Berechnungssysteme für Populationen angeeignet. „Es macht einfach Spaß, ein tieferes Verständnis für die Themen zu bekommen.“ Das hilft nicht nur im Unterricht, sondern wird auch von Vorteil für sein Studium sein. Ob das Chemie oder Biologie sein wird, weiß der 16-Jährige noch nicht genau, doch werden eigenständiges Arbeiten und die Entwicklung neuer Lösungsstrategien, wie er es jetzt erlernt, dabei hilfreich sein.

„Nervig ist nur, dass ich noch so jung bin und meine Mutter mit zur Immatrikulation muss“, sagt er und lacht. Doch zunächst muss er sich auf das Abitur und die zweite Runde der Chemie-Olympiade vorbereiten.

Sechs unterschiedliche Wettbewerbe
Das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) der Uni Kiel bietet sechs unterschiedliche Wettbewerbe im Bereich Naturwissenschaften an: Neben den internationalen Olympiaden in Biologie, Chemie und Physik, die sich an Schüler bis 20 Jahren richten, gibt es für jüngere eine internationale Junior-Science-Olympiade und eine europäische Science-Olympiade. Für 10- bis 20-jährige Schüler wird außerdem der Bundes-Umweltwettbewerb angeboten.



Da um 1000 Teilnehmer pro Fach an den internationalen Olympiaden interessiert sind, durchlaufen die Schüler ein vierstufiges Auswahlverfahren, bis schließlich ein Olympiateam aus vier Schülern zum großen naturwissenschaftlichen Wettkampf fährt. Kommendes Jahr finden die IBO in Hanoi, IChO in Pakistan und die IPO in Zürich statt.



Weitere Infos: www.ipn.uni-kiel.de/de/wettbewerbe sd

Silvie Domann