Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Trappenkamp: Ist die CDU noch zu retten?
Lokales Segeberg Trappenkamp: Ist die CDU noch zu retten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:49 27.09.2019
Mit seinem Flugblatt will Dieter Liesenfeld neue Mitglieder für die CDU in Trappenkamp finden. Quelle: Sven Wehde
Trappenkamp

81 Jahre ist Dieter Liesenfeld. 50 Jahre davon ist der Trappenkamper schon in der CDU. Liesenfeld will keine Posten oder Ämter mehr, aber er hat noch eine letzte große Mission: Die Rettung der CDU in der Gemeinde mit seinen nicht ganz 5000 Einwohnern. Denn während die Christdemokraten bundesweit immer noch eine große Volkspartei bilden und die SPD immer weiter in Richtung Abgrund taumelt, ist in Trappenkamp die Welt eine andere.

Die Gemeindevertretung besteht zu 100 Prozent aus Sozialdemokraten. „Die CDU ist seit acht Jahren nicht mehr im Gemeinderat vertreten“, sagt Liesenfeld traurig. Dabei würden die Ergebnisse der Landtags- und Europawahl zeigen, dass es durchaus viele CDU-Wähler in dem Ort gibt. Nur wen sollen sie wählen? Die CDU hat in Trappenkamp nur noch zwei Mitglieder, und einer davon ist Dieter Liesenfeld.

Überalterung und Spaltung der Partei

Die Geschichte des Niedergangs ist schnell erzählt. „Wir sind überaltert, viele Mitglieder sind verstorben“, sagt Liesenfeld. Dazu kamen dann noch Rücktritte und eine Spaltung, weil einige Christdemokraten zu der Wählergemeinschaft Trappenkamper Bürgerinteresse (Trabi) gewechselt sind. Am Ende waren beide zu klein. Bei der letzten Kommunalwahlschafften es dann weder die CDU noch die Trabis, genügend Kandidaten zu finden.

Flugblatt-Aktion soll helfen

„Wir bräuchten mindestens zehn Leute, die dann auch bereit sind, für die Gemeindevertretung zu kandidieren“, sagt der 81-Jährige. Um das zu schaffen, ist er noch mal in die politische Schlacht gezogen. Er hat Kennlerntreffen organisiert und mit dem CDU-Europapolitiker Reimer Böge ein echtes politisches Schwergewicht als Gast gewonnen. Immerhin waren 14 Bürger gekommen, doch die Zahl der CDU-Mitglieder in Trappenkamp blieb bei zwei.

Ministerpräsident will helfen

Der Ministerpräsident kommt zur Hilfe: Zur Wiederbelebung der CDU in Trappenkamp wird der nächste CDU-Kreisparteitag mit dem Landesvorsitzenden, Ministerpräsident Daniel Günther, am Freitag, 1. November um 18 Uhr im Bürgerhaus Trappenkamp stattfinden. Bereits ab 17 Uhr gibt es ein „Talk Treff Trappenkamp“ auf dem Markt vor dem Bürgerhaus mit Punsch, Waffeln, Musik und prominenten Politikern, die mit den Trappenkampern ins Gespräch kommen wollen.

Jetzt startet der Rentner eine Flugblatt-Aktion. Er geht kurz in das Wohnzimmer seines gemütlichen Reihenhauses im Berliner Ring und kommt kurz darauf mit einem kleinen, bunten Flyer zurück. „Da fehlt doch was in Trappenkamp“ steht auf der Vorderseite, und auf der Rückseite folgt dann die Erklärung. „Wir wollen die CDU Trappenkamp wieder mit Leben füllen und mit Neumitgliedern die Politik vor Ort zukünftig mitgestalten.“ 2000 Stück hat er davon gedruckt und sie mit seiner Frau eigenhändig im Ort verteilt. „Wir wollen ihren CDU-Zettel nicht. Die AfD stellt doch schon die richtigen Fragen“, wurde er von einem Ehepaar abgekanzelt. Liesenfeld hat gekämpft und am Ende zumindest die Frau überzeugt, den Flyer doch mitzunehmen. Es ist wie im Wahlkampf. Nur, dass der Ruheständler ihn fast alleine kämpft.

Vielfalt für den Gemeinderat

Es geht dem Christdemokraten nicht darum, die SPD vom Thron zu stoßen. „Mir geht es nur darum, dass wir wieder mehr Vielfalt in den Gemeinderat bekommen, dass wir wieder mehr diskutieren, um die besten Lösungen für Trappenkamp zu finden“, sagt Liesenfeld. Das Ganze sei ist für ihn eine echte Herzensangelegenheit. Er hat auch Hoffnung, ist aber zugleich realistisch. „Es wird wohl schwierig“, sagt er.

SPD-Bürgermeister unterstützt die CDU

Zwei Straßen und ein paar Hundert Meter weiter sitzt Trappenkamps Bürgermeister Harald Krille in seinem Büro. Er ist in der SPD, natürlich. Das Flugblatt kennt er, Liesenfeld hat es ihm selbst gezeigt. Obwohl er bei den Sozialdemokraten ist, unterstützt er die Aktion der CDU. „Kommunalpolitik ist keine Parteipolitik“, sagt er, „ich selbst bin hier ehrenamtlicher Bürgermeister, weil ich in Trappenkamp aufgewachsen bin. Weil ich hier eine schöne Kindheit hatte und etwas zurückgeben will.“

Eine Partei sei wichtig für das Netzwerk und die Kontakte, zum Beispiel zur Landesregierung. In der Kommunalpolitik gehe es aber darum, gemeinsam etwas für den Ort zu erreichen. „Da brauchen wir immer neue Leute, die sich engagieren“, sagt Krille und hofft daher, dass es der CDU gelingt, wieder einen funktionierenden Ortsverband aufzubauen. „Das würde auch der Demokratie gut tun, denn wir brauchen eine Vielfalt, und die Wähler müssen ja auch eine Alternative haben“, sagt er.

Junge Leute sollen für Kommunalpolitik begeistert werden

Auch in der Trappenkamper SPD läuft nicht alles perfekt, obwohl man immerhin noch rund 40 Mitglieder hat. „Darunter sind aber gerade mal drei bis vier junge Leute“, sagt Krille. Er glaubt, dass den jungen Menschen die Vorbilder in der großen Politik fehlen. Für ihn seien Willy Brandt und Helmut Schmidt noch solche Menschen gewesen. „Die Politiker richten sich heutzutage viel zu sehr nach Umfragen, anstatt den Menschen mit langfristigen Plänen Orientierung zu geben.“

Trotzdem hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, auch in Trappenkamp noch junge Menschen für die Kommunalpolitik zu begeistern. Er setzt jedoch nicht auf Flugblätter, sondern auf ein politisches Thema. „Wir wollen eine Klimagemeinde werden“, sagt Krille. Und daran sollen die Jugendlichen, die sich auch in Trappenkamp für die „Fridays for Future“-Bewegung engagieren, aktiv mitwirken. Vielleicht entdecken die jungen Menschen so auch den Spaß an der Kommunalpolitik. Ob sie dann am Ende auch in die SPD, CDU oder in gar keine Partei eintreten, wäre wohl sowohl Liesenfeld als auch Krille nicht so wichtig.

Mehr lesen: Kandidatenmangel: Trabis stehen vor dem Aus

Von Sven Wehde