Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Trave-Land muss doch Container aufstellen
Lokales Segeberg Trave-Land muss doch Container aufstellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 24.09.2015
Leichtbau-Wände werden im „Bienenhof“ gebaut. Ende Oktober sind die Räume bezugsfertig. Quelle: wgl
Bad Segeberg

„Wenn wir jetzt nicht handeln, dann mieten wir eines Tages das Vitalia-Seehotel.“ In diesem Satz von Rainer Andrasch, Verwaltungsleiter im Amt Trave- Land, gipfelte die Diskussion bei der Amtsausschusssitzung am Donnerstag in Fahrenkrug. Andrasch: Angesichts drastisch ansteigender Asylbewerberzahlen komme das Amt mit seinem Wunsch, Containerdörfer zu vermeiden, nicht mehr durch. Verwaltung und Amtsvorsteherin Gretel Jürgens wurden ermächtigt, nach eigenem Gutdünken zu handeln, Container und Grundstücke zu beschaffen, bei Bedarf Personal einzustellen.

So hatte es Seedorfs Bürgermeister Gerd Lentföhr beantragt. Die Verwaltung müsse freie Hand haben, schnell reagieren zu können: „Da kann nicht jedes Mal der Amtsausschuss zusammenkommen, um darüber zu diskutieren, was politisch gewollt ist.“ Allein Dieter Beuk, Bürgermeister von Negernbötel, enthielt sich der Stimme — alle übrigen der an diesem Abend 32 Amtsausschussmitglieder stimmten dem Vorschlag Lentföhrs zu. Beuk hingegen hielt eine Unterbringung in normalen Wohnungen noch nicht für ausgereizt: „Es müssten eben nur alle ihre freien Wohnraum melden.“

Rainer Andrasch konterte mit den Bewerberzahlen: 153 unterhält das Amt zurzeit in 38 Wohnungen, 50 bis 60 weitere Menschen würden noch im Oktober erwartet: „Und wenn es wahr ist, dass der Kreis Segeberg im nächsten Jahr 4000 Flüchtlinge zugeteilt bekommt, dann sind wir mit 350 bis 360 davon dabei.“ Angesichts dieser Zahlen müsse man von dem einst gefassten Beschluss, auf eine Unterbringung in Containern zu verzichten, abrücken. Nicht einmal kleine Container für sechs bis acht Personen seien jetzt noch eine Lösung. Dringend appellierte Andrasch an alle Gemeinden, ihm Aufstellungsmöglichkeiten oder freie größere Wohneinheiten zu nennen. „Über Preise wird doch schon gar nicht mehr geredet — nur darüber, wann die Container verfügbar sind“, machte der Leitende Verwaltungsbeamte den Ernst der Lage klar: Erst komme der Bund, dann die Länder, als ländliches Amt sei man selbst bei der Containeranmietung im Hintertreffen.

Trotzdem müsse gehandelt werden, und zwar rasch: „Wenn Sie am Wochenende im Fernsehen 30000 Flüchtlinge auf dem Münchner Hauptbahnhof sehen, die einfach auf die Länder verteilt werden, dann müssen Sie wissen, dass 0,02 Prozent davon, das sind zehn Menschen, am Montag bei uns vor der Tür stehen.“ Zunehmen werde die Problematik noch dadurch, dass jeder anerkannte Asylsuchende das Recht habe, innerhalb der nächsten drei Monate seine Familie nachziehen zu lassen. Zur Containerunterbringung gebe es deshalb keine Alternative: „Der andere Weg wäre, Gemeindehäuser und Sporthallen für die Unterbringung zu nutzen.“

Über den Sprachunterricht für Flüchtlinge informierte Michael Kölln, Geschäftsführer der Bad Segeberger Volkshochschule, den Amtsausschuss. „Die VHS ist nicht mehr das, was sie vor vier, fünf Jahren mal war. Bei uns laufen Sprachkurse, Eingliederungshilfen, Kurse für ehrenamtliche Helfer“, erläuterte Kölln, wie die Volkshochschule in vorderster Linie der Flüchtlingshilfe stehe. Auch hätten die Volkshochschulen vom Land den Zuschlag für die Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt, Neumünster, Kiel und Flensburg bekommen, wobei die Bad Segeberger VHS sich gemeinsam mit der Migrationsberatung um Boostedt kümmere. Vorgeschrieben sei, dass jeder Flüchtling in den Unterkünften in sechs Wochen 30 Unterrichtseinheiten Deutsch bekomme — doch das bleibe reine Theorie, weil die durchschnittliche Verweildauer in der Erstaufnahme nur zehn Tage betrage, um neuen Asylbewerbern Platz zu machen.

„Bienenhof“ steht im Oktober für Flüchtlinge bereit
Die Kreisstadt scheint zurzeit auf die angekündigten Asylbewerber gut vorbereitet zu sein. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld sieht in seinem Bericht zur Stadtvertretersitzung gute Voraussetzungen, „für eine termingerechte Unterbringung“ zu sorgen.
Nach letztem Stand soll Bad Segeberg in diesem Jahr 120 Personen zugewiesen bekommen, 96 wurden davon schon in Wohnungen untergebracht. „Wenn es bei der Quote bleibt, muss die Stadt in diesem Jahr noch 24 Menschen aufnehmen“, erklärte Schönfeld. Die Stadt habe Reserven. Denn im „Bienenhof“, Ecke Burgfeldstraße, sei man fast fertig. Dort können etwa 50 Flüchtlinge untergebracht werden. „Die Arbeiten laufen planmäßig.“ Spätestens Ende Oktober sei hier alles fertig.
Auch für die geplante Gemeinschaftsunterkunft in der Theodor-Storm-Straße gab es nur Zustimmung von den Politikern. Auf einem bebaubaren Grundstück ist geplant, zusammen mit der Wankendorfer Baugenossenschaft ein Mehrfamilienhaus für etwa 80 Flüchtlinge zu bauen. Über fünf bis zehn Jahre soll das Haus Flüchtlinge beherbergen und später mit wenig Aufwand zu Seniorenwohnungen umgebaut werden. Inzwischen interessiere sich auch das Kieler Innenministerium für das Modell. Schönfeld berichtete in Kiel von den Fortschritten. Wenn die Zuweisungen so blieben wie angekündigt, könnte man im Neubau auch die Flüchtlinge für 2016 unterbringen, stellte Schönfeld in Aussicht. Denn geplant sei, das Haus schon im dritten Quartal 2016 fertigzustellen. Das wäre in der Tat rekordverdächtig.
wgl
Hier können Sie helfen
Wer sich für Flüchtlinge engagieren möchte, aber nicht weiß wie, kann sich an Leeza Lorenz wenden. Sie ist Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche beim Kreis Segeberg, hat Kontakt zu gut 300 Flüchtlingshelfern in mehreren Helferkreisen und kann weitere Kontakte vermitteln. Zu erreichen ist Lorenz unter ☎ 04551/951762 oder per E-Mail:
Leeza.Lorenz@kreis-se.de
Weitere Kontakte:

Wahlstedt: E-Mail: fluechtlinge@wahlstedt.de
Trappenkamp: Harald Krille, ☎ 04323/91 4116
Amt Leezen: Holger Pirdzuhn, ☎ 04552/997727.

DRK-Kreisverband Segeberg, Telefon 04551/99211, www.drk-segeberg.de; info@drk-segeberg.de

Lothar Hermann Kullack

Am Mittwoch, 30. September, beantwortet Sabrina Hansen von der für Segeberg zuständigen Agentur für Arbeit Elmshorn unter der Telefonnummer 04121/480 800 von 9 bis ...

24.09.2015

Minister Habeck überreichte den einzigen Literaturpreis des Landes, bei dem die Jury aus Jugendlichen besteht.

24.09.2015

Bad Segeberger Stadtvertretung stimmt mehrheitlich für Einleitung eines Bauleitverfahrens — Umfangreiche Artenschutz-Gutachten werden erwartet.

24.09.2015