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Segeberg Tüv-Plakette für eine Rostlaube?
Lokales Segeberg Tüv-Plakette für eine Rostlaube?
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14:29 23.09.2015
Quelle: Ulf-Kesten Neelsen
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Norderstedt

Armin P. (53, Name geändert) aus Lentföhrden war im November 2013 in Not: Sein 16 Jahre alter Ford Transit war an vielen Stellen stark verrostet. In einer Autowerkstatt wurde dem finanziell klammen Familienvater mitgeteilt, er müsse einige Hundert Euro in den Wagen stecken, damit dieser durch den Tüv komme — wenn sich das überhaupt noch lohne.

Da Armin P. den Wagen unbedingt brauchte, um zumindest den Winter hindurch noch damit zu seiner Arbeitsstelle zu fahren, nahm er das Angebot eines Bekannten an, den Wagen für ihn zum Tüv zu bringen.

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200 Euro habe er dem Bekannten gegeben, erzählte P. jetzt vor dem Amtsgericht in Norderstedt. Und er habe das Fahrzeug mit Tüv-Plakette für weitere zwei Jahre zurückerhalten.

Verantworten muss sich in diesem Prozess wegen Urkundenfälschung der 53-jährige Peter U. (Name geändert), der nach Meinung der Staatsanwaltschaft als Amtsträger, nämlich als Sachverständiger des Tüv, dem völlig verrosteten und nicht mehr verkehrssicheren Wagen die Plakette für weitere zwei Jahre erteilt haben soll.

Polizisten von der Autobahnpolizei war der Ford Transit im März 2014 in Elmshorn aufgefallen. Wie einer der Ordnungshüter im Gerichtssaal erzählte, seien mit bloßem Auge an den Radläufen Durchrostungen erkennbar gewesen. Als die Beamten den Wagen anhielten, hätten sie an vielen Stellen der Karosserie Klebeband gesehen, durch das offenbar versucht worden sei, die Roststellen zu kaschieren. Eine Untersuchung der Verkehrssicherheit des Fahrzeugs kam zu hanebüchenen Ergebnissen: Die Bremsbeläge und Bremsleitungen waren so stark verrostet, dass die Bremsfunktion so gut wie außer Kraft gesetzt war, tragende Querstreben unter dem Wagen waren bis zur Brüchigkeit verrostet, ebenso wie die hinteren Seitenteile und Kotflügel. „Es genügten kleinste Klopfbewegungen mit einem Schraubendreher, und schon lösten sich Teile der Verkleidung“, berichtete einer der Zeugen. Festgestellt wurden daneben gering erscheinende Mängel wie defekte Lampen und Belüftung.

Der Angeklagte hingegen hatte in seinem Bericht zur Hauptuntersuchung vermerkt, dass das Fahrzeug „geringe Mängel“ aufweise. „Ich habe Korrosionen gesehen, aber keine Durchrostungen. Ich mache Funktionsprüfungen, und bei denen war mit dem Wagen alles in Ordnung. Ich hätte vielleicht mit einem Hammer gegen den Lack schlagen sollen, aber dann hätte ich Ärger bekommen“, erklärte der Angeklagte gestern vor Gericht.

Auf den Vorhalt von Richter Jan Buchert, dass schon mehrmals gegen ihn wegen ähnlicher falscher Berichte ermittelt worden sei („Das macht die Staatsanwaltschaft sicher nicht grundlos“), erwiderte der Angeklagte, dass ja nichts bei den Ermittlungen herausgekommen sei, die Verfahren seien eingestellt worden. „Neuerdings ist es Trend, nicht den Verkäufer eines Wagens in Regress zu nehmen, sondern den Tüv-Prüfer“, so der Angeklagte. Dem Argument des Verteidigers, der Wagen habe den Winter über drei Monate im Freien gestanden und sei dabei gerostet, nahm ein Kfz-Sachverständiger mit seinem Gutachten den Wind aus den Segeln: Die im März 2014 an dem Auto festgestellten Durchrostungen müssen bei der Hauptuntersuchung des Wagens im November 2014 überwiegend schon in dieser Stärke vorhanden gewesen sein. Trotz eventuellen Schnees, Nässe und Salz, das einem Wagen im Winter schade, sei es nicht möglich, dass in diesem kurzen Zeitraum derartige Korrosionen entstünden, so die klare Aussage des Gutachtens.

Das wollen der Angeklagte und sein Verteidiger so nicht akzeptieren. Sie stellten den Antrag, den Kfz-Mitarbeiter, der im November 2013 lediglich Schäden im Bereich einiger Hundert Euro an dem Wagen festgestellt hatte, als Zeugen zu laden. Der Richter gab dem Beweisantrag statt mit der Folge, dass der Prozess am 12. Oktober fortgesetzt wird.

Martina Kausch