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Segeberg Ungewöhnlich schön: Ausgefallen heiraten in Segeberg
Lokales Segeberg Ungewöhnlich schön: Ausgefallen heiraten in Segeberg
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15:27 22.10.2019
De Ole Schüün in Hüttblek von Martin und Antje Thies ist seit 2019 Außenstelle des Standesamtes Kisdorf. Quelle: Anja Schneemann
Segeberg

 Die Nachfrage ist groß: Statt in sterilen Amtszimmern wollen immer mehr Hochzeitspaare das Außergewöhnliche – so war es auch bei der Location von Martin und Antje Thies. Ihre Ole Schüün, die alte Scheune in Hüttblek, ist seit Mai 2019 neue Außenstelle des Amtes Kisdorf.

Abseits von Standesamt und Kirche

„Wir haben öfter nachgehakt. Nun ist es offiziell“, sagt Martin Thies. Schon vorher wurde hier, zwischen Itzstedt und Kaltenkirchen, oft gefeiert. Nun kann man auch „Ja“ sagen. „Wir haben jetzt alle Nase lang jemanden da“, sagt Thies. Die Trauungen nimmt der Bürgermeister vor. 61 mal haben sich im Jahr 2018 Paare im Amtsgebiet Kisdorf die Treue geschworen. Möglich ist das auch im Sommergarten vom Margarethenhoff. In dem alten Kuhstall finden 250 Gäste Platz.

Außenstelle des Amtes Kisdorf: Im Sommergarten des Margarethenhoff ist Platz für 80 Gäste. Quelle: Margarethenhoff Kisdorf/Kay Pellegrini
Im ehemaligen „Kohstall“, dem heutigen Festsaal des Margarethenhoff, können bis zu 250 Gäste feiern. Quelle: Margarethenhoff Kisdorf/Kay Pellegrini

Wer im Kreis Segeberg abseits schöner Kirchen und üblichen Trauzimmern heiraten möchte, wird im ganzen Kreisgebiet fündig. Seit Kurzem ist das Landgestüt Traventhal offiziell gelistet. In der neuen Außenstelle des Standesamtes von Bad Segeberg hat am 6. Juli die erste Eheschließung stattgefunden – im Museum. „Bürgermeister Udo Bardowicks hat die Brautleute Michael Grube und Svenja Voß getraut. Sie sind vorher im Oldtimer vorgefahren“, berichtet Hausherr Harry Beiersdorf.

Beliebt: Die historische Wassermühle Klein Rönnau

Ausgefallen heiraten lässt es sich außerdem auf Gut Pronstorf, im Torhaus von Seedorf oder in der historischen Wassermühle von Klein Rönnau. „Die Wassermühle ist derzeit definitiv am beliebtesten“, sagt Tanja Fakhoury, Leiterin des Standesamtes Bad Segeberg. „Gefühlt wird die Trauung immer mehr zum Event. Es wird mehr Wert darauf gelegt, dass die standesamtliche Hochzeit feierlicher wird, dass mehr Gäste kommen können.“ Dafür würden besonders schöne Orte gesucht.

2018: Eheschließungen im Kreis Segeberg

500 Paare haben sich im vergangenen Jahr 2018 in Norderstedt das Ja-Wort gegeben – Tendenz steigend. In Bad Segeberg waren es 234, in Kaltenkirchen 80, im Amt Itzstedt 70, im Amt Kisdorf 61, im Amt Bornhöved 44; in Wahlstedt waren es 41 und im Amtsbereich von Leezen 33.

„Die Paare machen sich ganz viele Gedanken. Heiraten ist ja immer noch ein Verwaltungsakt. Doch dieser bekommt mehr Bedeutung, er wird zu einer Zeremonie“, so Tanja Fakhoury. „Uns Standesbeamten wird dafür auch die Zeit gegeben“, ist sie dankbar. Oft gebe es für Kollegen schon enge Vorgaben. Nicht in Bad Segeberg: „Wir haben 30 Minuten.“

Zwischen Kofferradios und Kaffeemühlen

Außergewöhnlich ist das Heimat- und Handwerkermuseum in Wahlstedt. Vor allem ältere Paare lieben das Ambiente: Zwischen Kofferradios und Kaffeemühlen. „Es sind vor allem Einheimische, die kommen“, sagt Mitarbeiter Peter Koch. Die Trauungen sind zwar etwas seltener geworden, seit die Stadt Wahlstedt ihre offiziellen Räumlichkeiten vergrößert hat. Der Vorteil: „Man kann mit großen Gruppen kommen. Im Museum haben sie ihre Ruhe, sie müssen nicht gleich wieder verschwinden“, sagt Koch.

Ein Standesamt auf Rädern

Eisenbahner? Technik- oder Fahrzeugliebhaber finden eine originelle Location in Kaltenkirchen: im Zugabteil. Denn eine Außentraustelle des Standesamtes ist ein historischer Schienenbus, der Traditionszug „Uerdinger“. Früher wurde er von Fahrgästen liebevoll „Kuddl“ oder „Doornkaat-Express“ genannt. Heute ist er restauriert. Mit 41 Gästen geht die Fahrt meist nach Neumünster Süd und zurück – und in den Hafen, oder besser, den Bahnhof der Ehe.

Norderstedt: Großstädter weichen ins Umland aus

Am Hamburger Rand steigt die Nachfrage stetig. 500 Paare lassen sich jedes Jahr im Raum Norderstedt trauen. „In Hamburg ist es nicht mehr so einfach, zeitnah einen Termin zu bekommen“, weiß die Leiterin des örtlichen Standesamtes, Susanne Krüger. Zudem wird hier sonnabends getraut. „Es gibt nicht mehr viele, die das machen. Aus diesem Grund sind wir doppelt beliebt“, so Krüger. Wie sie beobachtet, fällt der kirchliche Teil heutzutage öfter weg. „Die Paare suchen nach dem Ausgefallenen. Sie wünschen sich trotzdem eine Zeremonie, die sie gern mit freien Rednern ergänzen.“

Norderstedt wartet mit mehreren außergewöhnlichen Orten auf: Das Strandhaus ist sehr bekannt unter den Einheimischen. Möglich ist hier zum Beispiel eine Zeremonie am Strand mit anschließender Feier auf der Dachterrasse.

Feuerwehrmuseum in Norderstedt: Nicht nur verliebte Feuerwehrleute können hier heiraten. Quelle: dpa

Ja-Wort mit Industrie-Schick

Industrie-Atmosphäre mit offenporigen Wänden und Rohren vermittelt hingegen das Kulturwerk am See. Das ehemalige Kalksandsteinwerk wurde 2011 nach umfangreicher Sanierung für vielfältige Veranstaltungen geöffnet. Seit 2014 können Verliebte sich hier in einem kleinen oder großen Saal das Ja-Wort geben.

Speziell wird es in Schleswig-Holsteins Feuerwehrmuseum. „Hier lassen sich oft Feuerwehrleute trauen, aber nicht nur“, so die Standesbeamtin Susanne Krüger. Wer möchte, könne zur Feier eine Führung vereinbaren. Hinzu kommt die Gaststätte: „Es ist rundherum passend für eine Hochzeit.“

Eine Pagode im biblischen Garten

Die renaturierte Kiesgrube Damsdorf wurde schon zum Heiraten genutzt. Quelle: Christian Spreer

Für freie Trauungen bietet der Stadtpark Norderstedt den Bustan, den Wein- und Obstgarten, an. Die Pergola aus festen Holzpfählen befindet sich inmitten vielfältiger Pflanzenarten. Anordnung und Grundlage des Ambientes hat biblische Bedeutung.

Eine Waldhochzeit bieten die Landesforsten an – inklusive Gruppenklettern und Falknereibesuch im Erlebniswald Trappenkamp.

Wer kirchlich heiraten möchte, aber nicht in der Kirche, kann das in Segeberg ebenso tun. So war bereits die Damsdorfer Kiesgrube Ambiente fürs Ja-Wort. „Unsere Kirche ist besonders alt und besonders schön“, sagt Steffen Paar, Pastor in der Gemeinde Sülfeld. Er hat aber auch schon in den eigenen Gärten der Paare getraut, in der freien Natur und seltener auch am Ostseestrand.

Von Irene Burow

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