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Segeberg Hanf für Krebspatienten aus der früheren Bankfiliale
Lokales Segeberg Hanf für Krebspatienten aus der früheren Bankfiliale
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07:00 25.08.2019
Klaas Kankowski (l.) und Cornelius Weimar haben die Medizinalhanf GmbH gegründet, die ab September von Ellerau aus Cannabis für medizinische Zwecke an Apotheken liefern wird. Quelle: Foto: FUCHS
Ellerau

Da, wo bis vor einigen Jahren noch Briefmarken, Pakete und Geldscheine über den Ladentisch gingen, wird jetzt Hanf für medizinische Zwecke gehandelt. Mitten in Ellerau hat jetzt die Medizinalhanf GmbH die 300 Quadratmeter großen Räume der alten Postbank übernommen, um von September an die Ärzte und Apotheken im Norden mit verschiedenen Cannabis-Sorten zu versorgen, um chronisch kranken Menschen das Leben mit ihren Schmerzen, Krebsleiden, Rheumaeschwerden, Depressionen, Schüttellähmungen oder Appetitlosigkeit zu erleichtern.

Hanf kommt aus Dänemark und den Niederlanden

„Wir sind die ersten, die das jetzt in Schleswig-Holstein anbieten können“, sagt Cornelius Weimar, ein Rechtsanwalt aus Hamburg, der mit dem gelernten Chemielaboranten Klaas Kankowski aus Henstedt-Ulzburg dafür eigens die Medizinalhanf GmbH gegründet hat.

In solchen Döschen wird das Medizinalhanf aus Ellerau ab September an Apotheken in Schleswig-Holstein und Hamburg ausgeliefert. Quelle: Foto: Fuchs

Um die Lizenz und die behördlichen Genehmigungen zu bekommen, mussten zahlreiche Bedingungen und Auflagen erfüllt werden, erklärt Weimar. Dabei geht es bei ihnen nur um den Handel und die Lagerung des Betäubungsmittels, nicht um den Anbau. Erst 2017 hat die Bundesregierung mit einer Gesetzesnovelle den Weg frei gemacht für die medizinische Nutzung dieser uralten Heilpflanze, die neben ihrer berauschenden Wirkung auch zahlreiche Krankheiten und Schmerzen lindern kann. So müsse der Stoff, den das Ellerauer Startup-Unternehmen vornehmlich aus den Niederlanden und Dänemark beziehen wird, vollkommen rein sein und dem ausgewiesenen Wirkungsgrad entsprechen. „Wir handeln hier mit einem Arzneimittel, das natürlich den gesetzlichen Auflagen für Medikamente und pharmazeutische Produkte entsprechen muss“, erklärt Weimar. „Und das ist für alle Beteiligten wie Patienten, Ärzte und Apotheken auch gut so.“ So brauchten sie die Expertise und den ausgewiesenen Rat eines Mediziners und Arzneimittelexperten, wie sie jederzeit das Qualitätsmanagement bei dem Handel mit ihrem Naturprodukt einhalten könnten, feste Ansprechpartner und Notfallpläne.

Sicherheitsvorkehrungen höher als in einer Bank

Auch die Sicherheitsvorkehrungen, die die Jungunternehmer einhalten müssen, sind enorm. Die Eisentüren sind verstärkt, sämtliche Räume kameraüberwacht und mit einer Alarmanlage versehen. Das gelieferte Medizinalhanf wird in den jeweils eine Tonne schweren Tresoren sicher gelagert und die Übergabe an die eigens ausgewiesenen Medizintransporte eines Kurierdienstes erfolgt durch die dicken Panzerglasscheiben, welche die frühere Bank in den Räumen zurückgelassen hat.

Somit soll sichergestellt werden, dass kein Unbefugter in den Besitz dieser im freien Verkauf immer noch illegalen Droge geraten kann. Von der ordnungsgemäßen Sicherstellung dieser Sicherheitsvorkehrungen hat sich sogar ein Experte des Landeskriminalamtes vor Ort überzeugt. „Der Alarm schlägt hier sofort bei der Polizei auf, die nur 300 Meter entfernt ist“, erklärt Weimar. „Die Sicherheitsvorkehrungen sind jetzt für das Hanf deutlich höher als bei der Bank, die hier Geld gelagert hatte.“

200 000 Euro in das Unternehmen investiert

Der Markt und die Nachfrage für dieses Medizinprodukt sei groß, sind die Jungunternehmer fest davon überzeugt, dass sich ihre Investition von 200 000 Euro und zunächst vier Mitarbeitern langfristig auszahlen werde. So hätten die Krankenkassen im Jahr 2018 insgesamt 91 000 Einzelverschreibungen von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland bezahlt, erklärt Weimar. Etwa 35 000 Patienten würden es inzwischen nutzen, Tendenz steigend. Nimmt man die Zahlen aus Kanada und Israel, wo Medizinalhanf schon seit vielen Jahren erlaubt ist, könnten es in Deutschland bald 800 000 bis 1,3 Millionen Cannabis-Patienten sein.

Alarmanlagen, Stahltüren, Kameras, tonnenschwere Tresore und Panzerglas sichern die Lagerung des Betäubungsmittels in den ehemaligen Bankräumen ab. Quelle: Foto: Fuchs

1500 Patienten sei 2018 allein im nördlichen Bundesland Cannabis zu medizinischen Zwecken verschrieben worden, erklärt Frank Jaschkowski vom Apothekerverband, der 3500 Apotheker in Schleswig-Holstein vertritt. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Patienten weiter steigen wird. Denn offenbar erzielt man mit dem ärztlich verordneten Cannabis gute therapeutische Erfolge.“ Vor allem Krebspatienten mit chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose oder Depressionen würden davon profitieren. „Die medizinischen Anwendungsgebiete sind weitreichend“, weiß der Geschäftsführer der Apotheker-Kammer.

Auch bei Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit könnte Cannabis verordnet werden, wenn die Ärzte überzeugt davon wären, dass sich der Krankheitszustand des Patienten dadurch spürbar verbessere oder die Symptome zurückgingen, ergänzt Marco Dethlefsen von der Kassenärztlichen Vereinigung in Bad Segeberg.

Patienten sollen nicht mehr unter Engpässen leiden

Unternehmer Weimar führt mit AHDS, Epilepsie, Rhema und dem Tourette-Syndrom weitere Krankheiten auf, die je nach Konzentration des Cannabis mit dem rauschhaften Tetrahydrocannabinol (THC) oder dem Cannabidiol (CBD), das keine rauschhafte Wirkung hat, die Beschwerden der Patienten zum Teil erheblich lindern können. Da es hierbei noch viel Aufklärungsarbeit auch unter den Medizinern und Pharmakologen bedürfe, wollen die Medizinalhanf-Betreiber aus Ellerau die Apotheken nicht nur mit bestem Hanf beliefern, betont Weimar. „Wir wollen die Apotheken auch schulen, welche Wirkungsgrade es für das Hanf bei welchen Diagnosen und Therapien geben kann.“

Die Ellerauer Jungunternehmer wollen mit ihrem Medizinalhanf ausschließlich die Apotheken beliefern und dafür sorgen, dass die anfänglichen Lieferengpässe dieses Naturproduktes zum Wohle der Patienten nicht mehr vorkommen. Bis zu 600 Kilogramm pro Jahr wollen die Mittelständler, die sich mit ihrem Geschäft gegen große Konzerne aus Kanada, die in Neumünster und Bad Bramstedt große Lager und Anbauflächen planen und bauen, behaupten müssen, ausliefern. Der Patient müsse zurzeit mit etwa 25 Euro für ein Gramm Cannabis rechnen, das er inhalieren müsse, damit es seine Wirkung entfaltet, erklärt Weimar.

Frank Jaschkowski vom Apothekerverband geht aber davon aus, dass sich durch ein größeres Angebot und mehr Wettbewerb bald die Preise verringern und normalisieren werden, damit dies auch bei den Krankenkassen zu einer finanziellen Entlastung führe, wenn die Ärzte statt teurer chemischer Präparate verstärkt Cannabisblüten verschrieben.

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Von Burkhard Fuchs

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