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Segeberg Arbeitskräfte jahrelang ausgebeutet: Unternehmer muss in Haft
Lokales Segeberg Arbeitskräfte jahrelang ausgebeutet: Unternehmer muss in Haft
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15:18 07.05.2019
Prozess wegen Menschenhandel vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kiel, der Angeklagte (42) neben seinem Verteidiger Rolf Huschbeck Quelle: E-Mail-LN-Redaktion
Nützen/Kiel

Er lockte dutzendweise Arbeitsuchende aus dem Balkan nach Schleswig-Holstein und beutete sie für einen Bruchteil des Mindestlohns sieben Tage die Woche als billige Putzhilfen seiner Reinigungsfirma „Perle“ aus. Gestern verurteilte das Kieler Landgericht den 42-jährigen Unternehmer aus Nützen bei Kaltenkirchen wegen Einschleusens von Ausländern in 28 Fällen zu vier Jahren und einem Monat Freiheitsstrafe.

Laut Urteilsbegründung der 6. Wirtschaftskammer setzte der Angeklagte die aus seiner Heimat Serbien, aber auch aus Bosnien, Montenegro und Mazedonien eingeschleusten Frauen und Männer massiv unter Druck, indem er ihnen nach der Ankunft die Originalausweise abnahm. Die kaum Deutsch sprechenden Neuankömmlinge stattete der Unternehmer mit gefälschten Papieren des EU-Mitglieds Kroatien aus und meldete sie damit persönlich beim Einwohnermeldeamt an.

Professionelle Fälscherwerkstatt beauftragt

So machte sich der Angeklagte auch der Anstiftung zur Urkundenfälschung schuldig. Die meisten Identitätskarten habe er in einer Fälscherwerkstatt in Auftrag gegeben, sagte der Vorsitzende Richter Jan Roschek in der Urteilsbegründung. Der Unternehmer habe die Arbeitskräfte durch Zwei- bis Drei-Jahresverträge an sich gebunden. Um sich freizukaufen, hätten sie bis zu 3000 Euro Auslösesumme zahlen müssen.

Der Angeklagte habe die Billiglohnkräfte zur unerlaubten Einreise und zum illegalen Aufenthalt in Deutschland angestiftet, so das Urteil. Sie putzten rund um die Uhr die Toiletten und Restaurants der Raststätten Holmmoor an der A 7, reinigten Rechtsanwalts- und Arztpraxen im Kreis Segeberg sowie Teile des Design Outlet Centers Neumünster.

Angestellte verdienten weniger als in der Heimat

Die Zeugen verdienten nach eigenen Angaben trotz mangelnder Ruhezeiten teilweise weniger als in ihrer Heimat, wo man – etwa in Bosnien – ein Durchschnittseinkommen von 360 Euro erzielt. Nach Hinweisen durchsuchte eine Hundertschaft der Polizei im September 2018 acht Objekte. Der Angeklagte sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Seine auch durch Drohungen eingeschüchterten Arbeitskräfte waren nach Aussage eines Ermittlers seelisch und körperlich am Ende.

„Erleichtert, froh und dankbar“ hätten die Betroffenen auf das Eingreifen der Behörden reagiert, hatte ein Beamter (50) im Prozess berichtet. Denn die „Illegalen“ steckten in einer Sackgasse: Ohne Pass konnten sie das Land nicht verlassen, ohne Sprachkenntnisse sich niemandem anvertrauen.

Strafschärfend wertete das Gericht die zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten, der schon in Österreich und der Schweiz Haftstrafen verbüßen musste. Und die erhebliche kriminelle Energie seiner aufwendigen Logistik. Laut Anklage erschlich er mehr als 200 000 Euro an einbehaltenen Löhnen und Sozialabgaben.

Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug

Im Rahmen eines Deals zur Verkürzung des seit Anfang März laufenden Prozesses stellte das Gericht gestern zahlreiche Vorwürfe ein. Als Gegenleistung hatte der Unternehmer ein Geständnis abgelegt. Von seinem illegal erworbenen „Gewinn“ muss er laut Urteil nur einen Bruchteil – 77 000 Euro – an den Staat abführen. Zudem durfte er das Justizgebäude gestern auf freiem Fuß verlassen: Die Kammer setzte den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug.

Aussetzung des Haftbefehls

Die Aussetzung eines Untersuchungshaftbefehls hat keinen Einfluss auf eine vom Gericht verhängte Haftstrafe. Der Verurteilte ist zwar auf freiem Fuß, weil das Gericht keine Flucht- oder Wiederholungsgefahr erkennt. Die reguläre Haftstrafe muss – ein rechtskräftiges Urteil vorausgesetzt – aber dennoch angetreten werden. Bis dahin können aber durchaus bis zu drei Monate vergehen.

Das stattliche Eigenheim, in dem der Angeklagte seit 2014 einen Teil der eingeschleusten Ausländer untergebracht hatte, läuft auf den Namen seiner Ehefrau. Bisher ist es deshalb vor dem Zugriff der Behörden sicher. Doch auch auf seine engste Mitarbeiterin und mutmaßliche Komplizin wartet ein Strafprozess.

Thomas Geyer

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