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Segeberg Massive Zerstörungen auf dem Schulhof
Lokales Segeberg Massive Zerstörungen auf dem Schulhof
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19:30 05.09.2018
Auch nachts ist das Schulgelände frei zugänglich: An der Dahlmannschule waren in den vergangenen Wochen erhebliche Schäden zu verzeichnen. Quelle: W. Glombik
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Bad Segeberg

Kopfschütteln bei Bad Segebergs Politikern im städtischen Schul- und Sozialausschuss. Die Stadt legte Fotos und Belege von massiven Beschädigungen auf dem Schulgelände der Dahlmannschule vor, aber die Schulleitung habe auf ihre Nachfrage behauptet, es gebe an der Schule keinen Vandalismus, hieß es im Ausschuss.

Die FDP zog aufgrund der Entwarnung von Schulleiterin Nele Degenhardt sogar ihren Antrag zurück, mit einer neuen, andernorts schon erprobten Selbsthilfe-Strategie diese zunehmenden Zerstörungen an der Schule künftig zu verhindern. „Auch wir vom BBS waren in der Dahlmannschule und haben uns informiert“, erklärte Ralf Schaffer. „Der Vandalismus scheint in der Dahlmannschule nicht bekannt zu sein.“ Doch angesichts einer dramatischen Liste von Zerstörungen, die die Bauverwaltung vorlegte, stellte Schaffer fest: „Hier läuft wohl etwas falsch.“

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Auch andere Politiker berichteten, dass auf Nachfrage in der Schule nichts von Schäden berichtet worden sei.

Vandalismus an der Dahlmannschule Quelle: Stadt Bad Segeberg

Bauamtsleiterin Antje Langethal erklärte aber gegenüber den LN, dass die Hausmeister über Vandalismus auf dem Schulgelände nicht nur das Bauamt, sondern regelmäßig auch die Schulleitung informierten. Es gehe hier ja nicht nur um herumliegenden Müll, sondern um massive Zerstörung, Herausreißen von Mülleimern, Bänken und Betonteilen, Zerschlagen von Bänken, Verbiegen von Pollern, zählt die Stadt in einem Vermerk auf. Besonders gefährlich: In einem Fall hatten Unbekannte ein Betonteil in eine Baum-Astgabel gelegt. Das schwere Teil hätte auf dem Schulgelände herunterfallen und ein Kind treffen können.

Damit nicht genug: Spitze Stöcker seien neben eine Hängematte gesteckt worden. Zwischen den Fallschutzmatten an den Spielgeräten wurden offenbar Flaschen zerschlagen. Dort kommen die Hausmeister angeblich gar nicht mehr nach, alle versteckten Splitter herauszuklauben. Es kämen immer wieder neue Scherben hervor, die die Kinder gefährdeten.

Betonsteine wurden aus der Pflasterung gerissen. Quelle: Stadt Bad Segeberg

Im Spielbereich des kirchlichen Kindergartens, der sich auf dem Gelände der Dahlmannschule befindet, sei häufiger der Maschendrahtzaun zerschnitten und Spritzbesteck gefunden worden. Der Platz war wegen „Vermüllung“ für die Kita-Kinder nicht mehr nutzbar. Nach Mitteilung von Antje Langethal benötigten die Hausmeister an vielen Tagen bis zu anderthalb Stunden nur für Beseitigung des Mülls und der Schäden. Die Stadt bringe die Vandalismusschäden zur Anzeige.

„Unsere Gespräche mit Frau Degenhardt haben ergeben, dass es keinen Vandalismus an der Dahlmanschule gibt“, beteuerte hingegen Fraktionssprecherin Patricia Thomsen, die sogar einen FDP-Landtagsabgeordneten bei der Stippvisite in der Schule dabei hatte. Die FDP plante, ein finanzielles Belohnungssystem an der Dahlmannschule einzuführen, mit dem die betroffene Schule selbstständig den Vandalismus in den Griff bekommen soll (die LN berichteten). Es ist im Prinzip ein Anreiz, eine Aufforderung, nicht wegzuschauen, sondern einzuschreiten.

Die Lübecker Nachrichten fragten selbst bei Nele Degenhardt nach. Die Schulleiterin erklärte, dass sie die Schäden „nicht als Vandalismus bezeichnen würde“. Vandalismus seien für sie „Raubüberfälle germanischer Volksstämme“. Natürlich gingen schon mal Mülleimer kaputt und lägen Zigaretten herum.

Entscheidend für sie selbst sei aber, ob der Schulhof als Park offen für alle bleibe. Das wünsche vor allem die Schülervertretung. Dafür müsste die Stadt dann entsprechend „Parkwächter“ abstellen. Während der Schulzeit führten die Lehrkräfte Aufsicht, nachts könne die Schule selbst natürlich nicht für die Beobachtung des Schulgeländes sorgen.

Rohe Gewalt: Mülleimer wurden aus der Beton-Verankerung gerissen. Quelle: Stadt Bad Segeberg

Im Schul- und Sozialausschuss berichtete Kirsten Arnold von der Stadtverwaltung auch, dass die am Schulgebäude seit Jahren installierte Videoanlage defekt sei und keine Bilder mehr liefere. Auch hier sei die Stadt dabei, für Abhilfe zu sorgen. Ihren Vorschlag, zusammen mit Polizei, Schulleitung, Schülervertretung und Politikern einen „Runden Tisch“ zum Thema Dahlmannschule zu gründen, nahm Ausschussvorsitzende Kirsten Tödt (SPD) sehr positiv auf. Einstimmig stimmten die Politiker dafür. Es gibt offensichtlich reichlich Klärungsbedarf an diesem „Runden Tisch“. . .

Wolfgang Glombik