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Segeberg Verein will einzigartigen Naturraum bewahren
Lokales Segeberg Verein will einzigartigen Naturraum bewahren
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13:26 05.07.2019
Dierk Hamann, Nils Kuhnert, Lars Lorenzen und Hendrik von Pein wollen Landwirten und den Gemeinden beim Landschafts- und Artenschutz unter die Arme greifen. Quelle: Petra Dreu
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Daldorf

Bussarde, Adler, Falken, Kraniche, Singschwäne, Schwarz- und Rotmilane, Rohrweihen, Neuntöter und Reiher: Die Blunker-Bach-Niederung ist nicht nur für Vogelkundler, sondern auch für engagierte Bürger ein Paradies. Im Juni haben sie die „Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach“ – ausdrücklich ohne Bindestrich – gegründet, mit der sie sich den Natur- und Artenschutz in Daldorf, Pettluis, Hamdorf, Blunk und Alt Erfrade und die ökologische Weiterentwicklung der Blunker-Bach-Niederung als Lebensraumkorridor für Pflanzen und Tiere auf die Fahne geschrieben haben.

„Ein Schatz, den man erhalten muss“

„Das, was vor unserer Haustür liegt, ist ein wirklicher Schatz, den man erhalten muss“, sagt Gründungsmitglied Nils Kuhnert, dem die schützenswerten Lebensräume zwischen den FFH-Gebieten Tarbeker Moor, Kiebitzholm und Trentmoor/Hamdorfer Binnendüne am Herzen liegen. Herzstück des Gebietes ist die Niederung, die als Lebensraum in Schleswig-Holstein Seltenheitswert genießt. „Mit rund 400 Hektar ist sie ein zusammenhängendes Dauergrünland, was in der durch Monokultur geprägten Landwirtschaft ganz selten geworden ist“, weiß Lars Lorenzen, dessen Galloways in aller Gemütlichkeit inmitten der dort reich bestückten Vogelwelt weiden.

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Wie üppig sie ist, zeigt eine ornithologische Kartierung, mit der die engagierten Ehrenamtler 2017 noch vor der Vereinsgründung begonnen haben. 90 verschiedene Vogelarten haben sie dabei identifiziert. Ein Grund für den Artenreichtum dürfte die Vogelzugroute von Ost nach West, von der Lübecker Bucht zur Nordsee sein, die genau über die Blunker-Bach-Niederung führt. Diese wird nicht nur von Zugvögeln wie dem Großen Brachvogel als Rastgebiet genutzt, sondern ist zudem ein besonderer Brutstandort für Wiesenvögel wie Neuntöter und Wiesenpieper, Nahrungsgebiet für Greifvögel wie Seeadler und Bussarde, und für Schreitvögel wie Kraniche und Reiher. Gänse nutzen die Niederung zudem als Überwinterungsgebiet.

Mehr Aufmerksamkeit der Fachwelt schaffen

Dass die Blunker-Bach-Niederung angesichts der großen Artenvielfalt und umgeben von FFH-Gebieten nicht schon längst selbst einen Schutzstatus erhalten hat, wundert die Vereinsmitglieder der „Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach“, die sich dafür einsetzen wollen, dass sie in Zukunft mehr von der Fachwelt wahrgenommen wird. „Was nützen uns Wildbrücke und Ottertunnel, wenn die Flächen entlang der Autobahn nicht als schützenswerte Habitate angesehen werden“, fragt Nils Kuhnert.

Zu trauriger Bekanntheit gelangte die Blunker-Bach-Niederung, als dort im Juni 2018 vier tote Rotmilane gefunden wurden, die allesamt vergiftet worden sind. Lediglich ein Jungvogel konnte gerettet und im Wildpark Eekholt wieder aufgepäppelt werden. Ein großer Moment für alle Beteiligten war, als der Jungvogel auf Gut Pettluis wieder in seiner altem Umgebung in die Freiheit entlassen werden konnte. Dennoch: „Auch wenn wir über die Windkraft-Diskussion bekannt geworden sind, wir wollen kein Anti-Windkraft-Verein sein, sondern uns für Arten- und Naturschutz einsetzen“, sagt Hendrik von Pein.

Spenden für Gutachten werden gesammelt

Zur Finanzierung eines ornithologischen Gutachtens, das den Artenreichtum in der Blunker-Bach-Niederung belegen soll, nimmt die „Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach“ an der Online-Spendenaktion „Wir bewegen SH“ der Investitionsbank und der Schleswig-Holsteinischen Sparkassen teil. Über sie hofft der Verein auf 2000 Euro der insgesamt benötigten 10 000 Euro für ein ornithologisches Gutachten. Dankbar sind die Initiatoren für jede noch so kleine Spende. Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.

Weitere Infos zur „Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach“, ihre Beweggründe, Ansprechpartner und künftige Termine gibt es auf der Internetseite des Vereins unter www.blunkerbach-sh.de.

Um das zu erreichen, greifen die Vereinsmitglieder den Gemeinden in ihrem Bereich bei Stellungnahmen zum Landschaftsrahmenplan unter die Arme und unterstützen Landwirte bei der bürokratischen Abwicklung von Maßnahmen zum Artenschutz, wie etwa bei der Einrichtung von Blühstreifen. Im Herbst möchte der Verein eine Streuobstwiese mit 40 Bäumen anlegen. An erster Stelle aber steht ein ornithologisches Gutachten, damit die Artenvielfalt auch mit fundierten Zahlen belegt werden kann. Dafür ist der Verein für jede Spende dankbar.

Petra Dreu