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Segeberg Vereine bringen Sport in die Schule
Lokales Segeberg Vereine bringen Sport in die Schule
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20:10 21.06.2018
Aliyah Marie (8) zeigt, welche Figuren sie schon kann: „Schiffchen“, „Kreuzkanone“ oder „Doppelschwalbe“. Quelle: Fotos: Irene Burow
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Segeberg

Laut LSV werden rund 70 Prozent aller Angebote in Offenen Ganztagsschulen inzwischen durch Sportvereine abgedeckt, sie seien in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. 39 beziehungsweise 38 geförderte Kooperationen gibt es in den beiden Kreisen. Etwas mehr gibt es nur in Kiel und Pinneberg. „Erste Befürchtungen, dass Kinder keine Zeit mehr für Vereinssport hätten, haben sich nicht bestätigt“, sagt Thomas Niggemann, Geschäftsführer für die Bereiche Vereins- und Verbandsentwicklung sowie Breitensport im LSV. Der große Umbruch hin zu Ganztagsschulen habe den Sportvereinen nicht geschadet. Zwar funktioniere die Zusammenarbeit nicht überall gleich gut, manchmal mangele es an Hallenkapazitäten. Doch das Fazit sei überwiegend positiv: „Vereine sind ein hervorragender Partner der Ganztagsschulen geworden“, resümiert Niggemann.

Trotz immer mehr Ganztagsschulen haben Kinder noch Zeit für Vereinssport. Zu diesem Ergebnis kommt der Landessportverband (LSV). Das Projekt „Schule und Verein“ hilft und verbindet: Es trägt sportliche Angebote in Schulen. Die Kreise Stormarn und Segeberg spielen ganz oben mit.

Ein gutes Beispiel gibt es in Leezen: Der Leezener Sportclub und das Schulzentrum kooperieren – nicht nur, weil sie sich quasi unter einem Dach befinden. „Ich bin seit acht Jahren an der Schule und war überrascht, wie gut das funktioniert“, sagt Schulleiter Thomas Pachaly. Problematisch sei es nur, genügend Übungsleiter zu finden. „Anfangs durften das noch die Lehrer. Inzwischen sind wir darauf angewiesen, dass ausgebildete Übungsleiter die Kurse übernehmen.“ Und zwar Trainer, die nachmittags zwischen 13 und 16 Uhr Zeit haben. „Es hängt wie immer an einzelnen Personen“, sagt LSC-Vorstandssprecher Heino Togert. „Aber ich bin zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Wir können ein gutes Angebot aufstellen.“ Hip Hop und Zumba gehören in diesem Schuljahr dazu, Rollschuhlaufen, Fitness oder die Kampfkunst Kan Yoh.

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„Viele Vereine würden neidisch werden, wenn sie die Möglichkeiten hier sehen“, sagt Thomas Niggemann. In Leezen zumindest wechseln die Schüler später vereinzelt auch über in den Verein, wie Übungsleiterin Conny Reichert berichtet. „Das ist aber nicht die Hauptmotivation. Die Vereine wollen Kinder vor allem in Bewegung bringen.“ Das ist auch dringend nötig. „Nur 15 Prozent der Jungen und zehn Prozent der Mädchen bewegen sich täglich im Schnitt eine Stunde“, sagt Torsten Flocken von der AOK Nordwest. „Das sind alarmierende Zahlen, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Dieser gesellschaftlichen Entwicklung müssen wir entgegenwirken. Wenn Kinder und Jugendliche sich nicht bewegen, fehlt es später an motorischen Fähigkeiten und das kostet die Gesellschaft viel Geld.“ Aus diesem Grund sei die Förderung der Krankenkasse natürlich nicht uneigennützig. „Das ist absolut gut angelegtes Geld“, so Flocken.

Das Projekt spricht Kinder an, die sonst kaum mit Vereinssport in Kontakt kommen. Die Beiträge sind mit wenigen Euro im Halbjahr sehr gering. Außerdem lernen Schüler Sportarten kennen, die im Schulsport nicht gelehrt werden. Zu den Exoten gehören neben Rollschuhsport in Leezen andernorts etwa Fechten oder Jonglage, Hochseilakrobatik oder Psychomotorik. Die Vereinsarbeit sei gar nicht hoch genug wertzuschätzen, mahnt Jens Martens, Trainer und Schulsportbeauftragter des Kreises Segeberg. „Wenn Mitgliedsbeiträge von 18 Euro im Monat leicht steigen, ist ein Riesentheater. Aber 20 Euro pro Stunde für ein privates Spaßland sind kein Problem.“ Vereine würden unheimlich viel Betreuungsarbeit übernehmen. „Was hier für wenig Geld geleistet wird, das kommt mir auf politischer Ebene oft zu kurz.“

Immer mehr Kooperationen

2600 Sportvereine gibt es im Land. 87 davon führen in diesem Schuljahr 291 Sport- und Bewegungsangebote im Rahmen des landesweiten Kooperationsprojektes des LSV „Schule und Verein“ durch, Tendenz steigend. Seit 1992 gibt es das Projekt.

140000 Euro stehen dafür zur Verfügung, um Übungsleiter zu bezahlen. Gefördert wird das Projekt beinahe zu gleichen Teilen vom Bildungsministerium, von den Sparkassen des Landes, der Allgemeinen Ortskrankenkasse sowie dem Landessportverband.

Im Kreis Segeberg arbeitet zum Beispiel der Berliner Sportclub mit der Grundschule Schlamersdorf zusammen, der Turnverein Trappenkamp mit der Grundschule im Ort oder der TuS Hartenholm mit der Grundschule Schmalfeld-Hartenholm. Im Kreis Stormarn kooperieren ATSV, Hoisbütteler Sportverein, TSV Glinde, THC Bad Oldesloe, TSV Reinbek, VfL Tremsbüttel, VfL Oldesloe und der Volleyball-Club Bad Oldesloe mit diversen Schulen im Kreis.

Irene Burow

21.06.2018
21.06.2018